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12.09.2012

20:10 Uhr

Kommentar

Ein PR-Desaster nicht nur für Talanx

VonOzan Demircan

Der geplatzte Börsengang des Versicherungskonzerns ist nicht nur eine Blamage für die eigene Chefetage. Vor allem die betreuenden Banken haben wohl jeden Bezug zur Realität verloren. Ein Kommentar.

Börsengang abgesagt: Der Versicherungskonzerns Talanx findet keine spendablen Investoren. dapd

Börsengang abgesagt: Der Versicherungskonzerns Talanx findet keine spendablen Investoren.


Nach 15 Jahren Ankündigung war Talanx vergangene Woche am Ziel angelangt, Herbert Haas konnte endlich seinen Traum verkünden: „Allenfalls ein überraschender Schock wie 2011 das Erdbeben in Japan könnte unsere Pläne ins Wanken bringen“, sagte der Vorstandschef am Sonntag in einem Zeitungsinterview. „Unsere Pläne“, damit war der Börsengang gemeint, den das Unternehmen am 3. September angekündigt hatte. Ein Plan, den das Unternehmen keine zehn Tage später wieder begraben hat. Statt über einen Ausgabepreis nachzudenken, brütet die Chefetage nun darüber, wie sie die Blamage möglichst klein halten kann.

Das Initial Public Offering (IPO) hätte dieses Mal nicht besser passen können: Das Halbjahresergebnis übertraf mit 354 Millionen Euro Nettogewinn jegliche Erwartungen. Gerade die Sparten Industrie- und Rückversicherung, die eine stabile Ertragsquelle sind, lief es besonders rund. Zudem expandierte der Konzern nach Osteuropa und Lateinamerika, um unabhängiger zu sein vom europäischen Markt. Auch im Umfeld stimmte alles: Der Deutsche Aktien-Index (Dax) erreichte just in diesen Tagen ein 14-Monats-Hoch. Die Entscheidung der EZB, Staatsanleihen in unbegrenztem Umfang aufzukaufen, wird den Dax weiter stabilisieren.

Ozan Demircan ist Redakteur beim Handelsblatt. Bert Bostelmann für Handelsblatt

Ozan Demircan ist Redakteur beim Handelsblatt.

Dann war am Rande eines Versicherungsmeetings in Monte Carlo bereits kolportiert worden, dass das Unternehmen bereits auf Werbetour in Europa und den USA unterwegs sei, um bei Großinvestoren für eine Talanx-Aktie zu werben.
Und genau da hat es nun gekracht. Der Mehrheitseigner des Talanx-Konzerns, der HDI Versicherungsverein, war noch zu einem Abschlag von 20 Prozent auf den Unternehmenswert von über fünf Milliarden Euro bereit gewesen, die Aktie schmackhaft zu machen. Doch Investoren sollen noch zehn Prozentpunkte weniger gefordert haben. Hätte man das nicht vorher wissen können?

Eigentlich ja. Jeder Konzern tut gut daran, sich vor dem Sprung aufs Parkett beraten zu lassen. Das machen in der Regel große Banken, im Falle Talanx waren es die Deutsche Bank, Citi und JP Morgan. Sie sollen rausfinden, wie groß die Nachfrage sein könnte und der sich daraus ergebende Preis. Da das Ganze für die großen Finanzinstitute quasi ein Alltagsgeschäft ist, machen sie das meist über mathematische Hochrechnungen. Anhand dieser haben die Berater vergangene Woche Montag Talanx eine voraussichtliche Preisspanne genannt, mit denen der Versicherer gut leben konnte. Vorstandschef Haas, aber auch Wolfram Schmitt, Leiter der Abteilung Investor Relations bei dem Versicherungskonzern, schienen so davon überzeugt gewesen zu sein, dass sie noch am selben Tag den geplanten Börsengang verkündet haben.

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Doch als diese Woche das erste Mal Menschen statt Maschinen mit den gewünschten Werten konfrontiert worden waren, zeigte sich, dass nichts davon stimmte, was man sich in Hannover erhofft hatte. Ob in Frankfurt, London, Paris oder New York: Keiner der angesprochenen Investoren war bereit, auch nur annähernd den errechneten Preis zu zahlen. Der geplatzte Börsengang ist daher auch eine Blamage der drei übermütigen Institute, die den Traum von Talanx-Chef Haas endlich wahr machen sollten. Sie haben sich entweder alles schöngerechnet, oder einfach keine Ahnung davon gehabt, was Investoren momentan von Versicherungsaktien halten.

Der Makel der Fehlberechnung wird voraussichtlich noch länger an den Instituten hängen bleiben – zumal Schmitt selbst zuletzt bei der Deutschen Bank gearbeitet hatte, in derselben Position wie jetzt bei Talanx.
Ob Haas sich den Traum vom Börsengang überhaupt noch erfüllen kann, bleibt derweil offen: Es heißt, die Absage sei beschlossene Sache, das Thema endgültig vom Tisch.

Kommentare (8)

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Stopploss

12.09.2012, 21:17 Uhr

Alles Pfeiffen da oben bei der Talanx. Wie gut das solche Dilettanten vom Börsenparkett fern bleiben. 15 Jahre der gleiche Singsang mit gleichem Ausgang. Unglaublich peinlich.

Mauserspeck

12.09.2012, 21:32 Uhr

Das Stümpertum breitet sich mit ungeheurer Geschwindigkeit
aus und hat fast alle Lebensbereiche erreicht. Die Zunkunft, die von den (...) gestaltet werden soll,
kann zumindest mir gestohlen bleiben.


+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

Marktadler

13.09.2012, 01:21 Uhr

facebook oder Talanx - was ist ein werthaltigeres Investment?
Schwellenländerphantasie ung gute Versicherungstechnik konnten die Institutionellen nicht
Überzeugen.
Die beratenden und begleitenden Banken erhalten ihr Honorar trotzdem - kein Trost für die Mitarbeiter der in Kernsanierung befindlichen Talanx Deutschland AG
marktadler
Kernsanierung

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