Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2012

07:47 Uhr

Kommentar

Ein Wüstenstromprojekt wirbelt Staub auf

VonGeorg Weishaupt

Milliarden sind bei dem Projekt im Spiel, Strom in der Wüste zu produzieren. Ein guter Grund, unnötigen Streit zu vermeiden. Die Stiftung Desertec und die Industrie liefern sich dennoch einen schädlichen Wettbewerb.

Georg Weishaupt

Georg Weishaupt ist Redakteur.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten ein Riesenprojekt stemmen, mit Milliardeninvestitionen sowie Hunderten Beteiligten aus Industrie und Politik. Und das Projekt soll in der Wüste entstehen. Was würden Sie tun? Als Erstes sicherlich alle Kräfte bündeln, damit es keine unnötigen Reibungsverluste gibt. Aber beim Wüstenstromprojekt Desertec ist das Gegenteil der Fall. Da machen sich zwei große Partner gegenseitig Konkurrenz und sorgen für Verwirrung in der Öffentlichkeit. So beschädigen sie das noch zerbrechliche Image der Marke Desertec.

Die Desertec Stiftung, die sich einst das Konzept vom Strom aus den Wüsten der Welt ausgedacht hat, konkurriert mit der Desertec Industrie-Initiative DII in München. DII wird von Dutzenden bedeutender Unternehmen wie Munich Re, Siemens, RWE und Eon getragen und entwickelt Solar- und Windparks im Mittleren Osten und in Nordafrika.

Jetzt sorgt die Desertec Stiftung für Aufregung. Während die Industrie-Initiative ihre ersten Vorzeigekraftwerke in Nordafrika erst vorbereitet, prescht die Stiftung vor. Sie hat das Kraftwerk „TuNur“ in Tunesien zum „vorbildlichen Pilotprojekt“ für Solar- und Windparks in der Sahara gekürt.

Die Stiftung macht es sich leicht. Sie nimmt ein Kraftwerk, das ohnehin geplant war, und drückt ihm den Desertec-Stempel auf. „Es entspricht unseren Kriterien für ein offizielles Desertec-Projekt“, begründet Stiftungs-Vorstand Thiemo Gropp die Entscheidung.

Das Vorpreschen sorgt für Unmut in München, wo DII-Chef Paul van Son um Professionalität beim Megaprojekt Wüstenstrom bemüht ist. Dort wollen die Verantwortlichen erst einmal prüfen, welche Kriterien die Stiftung beim Gütesiegel zugrunde legt.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Mollemopp

30.01.2012, 08:18 Uhr

Die Desertec-Stiftung ist ein Tummelplatz für sog. Experten. Es werden in diesem Zusammenschluss schonmal Milliarden verballert ohne in der Praxis ein Ergebnis dafür zu liefern. Damit es nicht so aussieht, als wenn man auf diese Stiftung verzichten könnte, braucht man Vorzeigeobjekte. Es ist so lächerlich und durchschaubar. Die Stiftung wird Milliardensummen an Beraterhonoraren verschlingen und der im Verhältnis zu sehende Nutzen bleibt gering. Hoffentlich wird denen bald der Geldhahn zugedreht.

Klimaterror

30.01.2012, 08:33 Uhr

Der Unsinn geht in die nächste Runde. Es ist Wahnsinn in nicht stabile Regionen mit so vitalen Projekten zu gehen. Da wird man sofort erpressbar, vom wirtschaftlichen Höchstrisiko mal ganz abgesehen.
Hoffentlich sind diese Experten bald am Ende sonst kommt unser Bankrott noch schneller!

vandale

30.01.2012, 08:43 Uhr

Der Journalist hat den wesentlichsten Punkt der Oekosolarmonstren in der Wüste verschwiegen: Wer bezahlt die Subventionen?

Ich hatte die Solarmillenium Kraftwerke in Spanien analysiert.

Die Stromerzeugungskosten betragen ca. ein 8-faches der Kosten eines umweltfreundlichen Kernkraftwerks. Die Kosten dürften in Nordafrika leicht höher sein als in Südspanien. Die Sonneneinstrahlung ist in Nordafrika etwas höher, dafür sind auch die Wartungs- und Instandhaltungskosten höher. Es gibt keine knappen Grundwasservorkommen die man als Kühlwasser plündern kann, die Anlage benötigt einen teuren Trockenkühlturm, oder einer Verbindung zum Meer. Es bedarf teurer Expats und vielfach möchten lokale Behörden und Regierungen nicht leer ausgehen.

Im Gegensatz zu den Solarzellen in Deutschland, die lediglich einen wertlosen Zufallsstrom erzeugen ist der erzeugte Strom in Nordafrika wertvoll (bei lokaler Einspeisung) als dort der Stromverbrauch aufgrund Millionen Klimaanlagen teils mit der Sonneneinstrahlung korreliert. Ein Transport nach Europa mittels einer 3000Km HGUe Leitung ist abwegig als die Nordafrikanischen Länder mittlerweile 10000ende MW selbst verbrauchen. Man könnte den Strom in die lokalen Netze einspeisen und fiktiv (der Subventionen willen) in Deutschland abrechnen.

Der Materialaufwand für ein derartiges Solarmonster beträgt ca. ein 10-faches dessen eines Kernkraftwerks womit man davon ausgehen kann, dass ein derartiges Kraftwerk nicht gerade umweltfreundlich ist.

Aufgrund der Kostensituation dürfte die Frage der Subventionsquelle massgeblich sein.

Vandale

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×