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15.11.2012

20:24 Uhr

Kommentar

Eine Gefahr für die Bundesliga

VonLukas Bay

Der FC Bayern legt ein Rekordergebnis vor und wird zur Geldmaschine in Europa. Das klingt nach einer guten Nachricht für den deutschen Fußball. Doch die Dominanz der Bayern ist gefährlich für die Bundesliga.

Der Vater des Erfolgs: Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Reuters

Der Vater des Erfolgs: Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

DüsseldorfEs war ein Abend im Mai, der den Realitätssinn der meisten Fußballfans nachhaltig verzerrt hat. Fünf Mal traf der Meister gegen taumelnde Bayern - im Pokalfinale. Damit hatten die Münchener im zweiten Jahr in Folge keinen nationalen Titel gewonnen und Deutschland stellte sich die Frage: Ist die Dominanz der Bayern im deutschen Fußball vorbei? Die Antwort geben die Münchener in der aktuell laufenden Spielzeit: Nein, im Gegenteil. Seit Saisonbeginn fegen die Münchener durch die Liga, als seien die Samstagsspiele eine weitere Trainingseinheit.

Der sportliche Erfolg der Münchener mag das Ergebnis von hartem Training und genauer Spielanalyse sein - doch vor allem ist er ein Erfolg des Geldes. Während Meister Dortmund mit Shinji Kagawa wie schon in der Vorsaison einen der wesentlichen Leistungsträger gehen lassen musste, während bei Mönchengladbach der große Ausverkauf begann, konnten die Bayern ihr Team erneut zusammenhalten - und sogar noch verstärken.

Vor allem, weil die Gehälter beim Rekordmeister erheblich höher sind. 165 Millionen Euro kostete den FCB allein das Personal. Bei Borussia Dortmund sind Ausgaben in diesem Bereich mit 74,5 Millionen Euro nicht einmal halb so hoch, obwohl sie im abgelaufenen Geschäftsjahr um satte 17 Millionen Euro zulegten.

Bilanzen der Vereine: Rekordminus bei Werder, Rekordplus bei Mainz

Bilanzen der Vereine

Rekordminus bei Werder, Rekordplus bei Mainz

Die ersten Klubs haben ihre Jahresbilanzen vorgelegt: Während der SV Werder Bremen für das Geschäftsjahr 2011/2012 Verluste in Höhe von 13,9 Millionen Euro vermeldet, blickt etwa der FSV Mainz 05 auf das wirtschaftliche beste Jahr der Vereinsgeschichte zurück.

Der nüchterne Blick auf die finanzielle Realität der Liga spricht eine deutliche Sprache: Trotz des sportlichen Erfolgs von Borussia Dortmund, trotz der steigenden Umsätze ist der amtierende Meister wie alle anderen Clubs der Bundesliga noch Lichtjahre von der Finanzsituation des FC Bayern entfernt. Die finanzielle Schere zwischen dem FC Bayern und den anderen Clubs schrumpft nicht, sie wächst.

Von einem Wettbewerb auf Augenhöhe kann daher keine Rede sein. Die aktuelle Tabelle der Bundesliga zeigt, wohin die Reise gehen könnte: Die Meisterschaft könnte so einseitig werden, wie lange nicht mehr. Es drohen spanische Verhältnisse - mit dem Unterschied, dass in Deutschland nicht zwei Vereine um die Spitze streiten, sondern einer einsam seine Runden dreht.

Das Argument "Geld schießt keine Tore" ist nicht mehr als eine zaghafte Hoffnung. Kurzfristig mag das zutreffen, langfristig dominieren immer die Vereine, die auch besonders finanzstark sind. Nicht nur Real Madrid und Manchester City haben das in ihren Ligen bewiesen: Auch der FC Bayern ist in dieser Saison vor allem so stark, weil die größten Schwachstellen im Team mit viel Geld gekittet wurden. Die Konkurrenz wie Mönchengladbach darf sich keine Flops erlauben. Und welcher Verein in der Bundesliga könnte es sich leisten, einen Spieler für 40 Millionen Euro zu verpflichten und ihn auf die Bank zu setzen?

FC Bayern: Die rote Geldmaschine aus München

FC Bayern

Die rote Geldmaschine aus München

Ein Fußballverein mit großen Erfolgen – und ein Unternehmen mit MDax-Format: Der FC Bayern München jagt das eigene Rekordergebnis. Die Konkurrenz wurde nicht nur sportlich deklassiert.

Natürlich steigt mit jeder Verpflichtung auch die Chance, mal wieder einen internationalen Titel nach Deutschland zu holen. Der Glanz der Bayern könnte auf die anderen Bundesliga-Vereine abstrahlen, meinen einige Beobachter. Doch das ist nur ein Scheinargument. Denn selbst wenn ein wenig Glanz abstrahlen sollte, den größten Gewinn macht weiter: der FC Bayern. Der attraktivste Verein für die Sponsoren bleibt: der FC Bayern.

Das Rekordergebnis der Bayern ist daher nur für den Verein selbst ein Gewinn. Ist die Allianz-Arena abbezahlt, verschärft sich die Lage noch weiter. Die Bundesliga könnte in den nächsten Jahren langweiliger werden, als manche Fußballfans zu hoffen wagen.

Kommentare (6)

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M.Boos

15.11.2012, 23:12 Uhr

Ich tippe auf den Kommentar eines weinenden BvB Fans, er erkennen musste das Dortmund leider nicht 3mal in Folge Meister wird (was übrigens auch langweilig wäre).

Mal ernsthaft, was ist das für ein Unsinn schon wieder.
Natürlich haben die Bayern mehr finanzielle Mittel als andere BuLi Vereine, aber das haben sie sich erarbeitet und es wurden ihnen nicht wie bei ManCity oder Chelsea von irgendeinem reichen Schwachkopf in den Hintern geschoben.
Wenn der BvB, Schalke oder sonst wer das Geld hätte, würde sie es auch ausgeben.

Und ich finde gerade der BvB hat in letzten Wochen bewiesen (auch wenn ich es ungern zugebe) dass Geld nicht der entscheidende Faktor ist um erfolgreichen Sport zu betreiben (siehe CL Saison von Dortmund) und Man City beweist das auch (siehe CL Saison City).

Die BuLI bleibt weiterhin die meiner Meinung nach Interessanteste Liga (In England gibt es nur noch Eishockey Ergebnisse und in Spanien, naja das Problem ist bekannt) nur in Deutschland schafft es etwa alle 2-4 Jahre ein völlig überraschende Mannschaft, die Meisterschaft zu gewinnen (Bremen, Wolfsburg, Stuttgart).

Ich finde die Bundesliga ist International und National auf einem sehr guten Weg und Schwarzseher und Neider wie der Autor dieses Artikels, sollten sich nicht Reporter nennen dürfen

KaiS

16.11.2012, 08:56 Uhr

sehr gute Antwort. Sie drücken genau das aus was ich denke!Wenn man sich etwas erarbeitet hat, dann kommen eben die Neider. Die Bayern waren auch nicht immer reich,nur so zur Info....Sie sind nicht mal Gründungsmitglied der Bundesliga!

Magico777

16.11.2012, 09:46 Uhr

Ich kann Euren Ausführungen nur zustimmen. Es gibt in allen Ligen Favoriten, das ist normal. Und gerade die letzten Jahre haben gezeigt, dass jeder Verein mit seinen Möglichkeiten agiert. Bayern auf die eine (im übrigen selbst erwirtschaftete Art), Dortmund auf die andere (im übrigen sehr beachtenswerte Art) und vielleicht in diesem Jahr Schalke oder ein anderer. Fazit: Auch wenn Bayern immer vorne dabei ist, die Liga ist das spannenste, was Europ zu bieten hat!!!

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