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24.01.2014

18:16 Uhr

Kommentar

Eine Lanze für Markus

VonOliver Stock

Im Internet macht eine Online-Petition für die Absetzung Markus Lanz' die Runde. Das ZDF und der Moderator können die Petition derjenigen, die Lanz nicht mehr sehen wollen, jedoch getrost ignorieren. Eine Einordnung.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Manchmal frage ich mich, ob ich zu denen von gestern zähle. Ich frage mich das, wenn ich in Kategorien wie „Das gehört sich nicht“ denke. Ich frage mich das, wenn ich einen Gedanken für mich behalte, anstatt ihn zu teilen. Ich frage mich das, wenn Menschen anonym und online andere unter Druck setzen und glauben damit jene Freiheit optimal zu nutzen, die ihnen das Netz schenkt. Ich frage mich das, wenn Tausende ein Häkchen hinter einen Aufruf setzen, der das ZDF dazu bringen soll, seinen Moderator Markus Lanz zu feuern.

Wir Journalisten steckten einst im Zeitalter der Verwirrung. Sie stammte daher, dass wir erstaunt zur Kenntnis nahmen, dass unsere Leser, Zuhörer, Zuschauer und auch unsere User - dem Netz sei Dank - mit uns diskutieren wollten und dies durchaus auf Augenhöhe taten. Unsere hergebrachte Sicherheit, dass wir unseren Job machen, egal was die darüber denken, für die wir ihn machen, war dahin. Unsere User, so stellten wir fest, waren schlaue Köpfe, manchmal schlauer als wir. So etwas verunsichert.

Doch diese Phase ist vorbei. Die Irritation über die Vielfalt der Meinungen, die uns erreicht, ist der Inflation der Worte gewichen, die auf uns einprasseln und deren schiere Masse dazu führt, das jedes einzelne an Gewicht verliert. Das Netz lässt Meinungen zu. Das ist sein großer Gewinn. Aber es vervielfältigt sie ins unendliche und entwertet sie dadurch. Das ist sein großer Fluch. Den Vorteil zu nutzen und dem Fluch auszuweichen - darin besteht unsere Daueraufgabe. Wir versuchen uns als Dompteure eines Mediums, in dem Gewichtiges und Geschwätziges nahtlos miteinander verschmelzen, in dem die klügste Bemerkung und die dümmste Latrinenparole wie in Stein gemeißelt gleichberechtigt nebeneinander stehen.

Eine Online-Petition gegen einen einzelnen, die die Absender weder Kraft noch Aufwand kostet, die für den Adressaten aber weitreichende Konsequenzen fordert - so etwas ist eine Anmaßung der Mutlosen. So etwas ist nicht mal ein Shitstorm, in dessen Wirbel sich stets auch einige Gedanken finden, die nicht nur so dahin geworfen sind. Markus Lanz und das ZDF können sie getrost ignorieren.

Sie können stattdessen die Quote messen und ihre Schlüsse daraus ziehen. Sie können die Kritik jener Zuschauer ernstnehmen, die sich trauen, ihre Meinung mit dem eigenen Namen zu versehen. Sie können Verbesserungen einbauen oder die Sendung von mir aus am Ende absetzen. Was sie nicht können, ist einer sogenannten Petition von Menschen nachzugeben, von denen viele nicht wissen, was sich gehört.

Kommentare (41)

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InDenWaldRufer

24.01.2014, 18:25 Uhr

Fingerzeigen auf die Person, harsch ins Wort fallen, nicht auf Gegenüber eingehen, Inquisatorische Befragung von rechts und links. Böser Bulle und noch böserer Bulle spielen.

Das ist was ich gesehen habe, lieber Herr Stock, doch Ihr Zitat passt: ".......nicht wissen, was sich gehört."

Account gelöscht!

24.01.2014, 18:31 Uhr

EINE Lanze für den Lanz? Das HB berichtet doch schon mehrfach seit Anfang an im Sinne von Lanz und bezeichnet neuerdings offensichtliche Kolumnen als Artikel. Zuerst schreibt man, dass die Petition eh unnütz ist, da sie nichts bringt. Dann merkt das HB, dass sich Sturm zusammen braut und man macht sich über die Wortwahl von Kommentaren zur Petition lustig. Danach berichtet das HB, dass Lanz "links" sei und man Lanz ja sogar dankbar sein müsste. Herr Stock, das ist nun mindestens die vierte Lanze, welche Sie brechen!

Zuschauer

24.01.2014, 18:32 Uhr

Habe die Sendung in der ZDF Mediathek nachgesehen und verstehe nicht den linken Shit Storm, der auf Markus Lanz herunter ging. Der eigentliche Kritiker von Wagenknecht war Jörges vom Stern, der das vordergründige Sozi-Geschwätz von W recht gut bloß legte. Lanz war wie immer der unterhaltsame Plauderer. Mit Wagenknecht und ihren einseitigen Sichten hat man sich in der Sendung leider zu viel beschäftigt. Politiker wie W, die nur ihre populistischen Statements abgeben wollen, gehören nicht in eine solche Sendung.

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