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07.01.2012

14:11 Uhr

Kommentar

Einfach mal abschalten

VonJoachim Hofer

Dank bahnbrechender Technologien wie Tablet-PCs oder Smartphones ist man heute praktisch überall erreichbar. Mit fallenden Preisen steigt auch die Verbreitung. Doch die ständige Erreichbarkeit kann auch zur Qual werden.

Dank Smartphones und Tablet-PC ist bald jeder mit jedem vernetzt. Reuters

Dank Smartphones und Tablet-PC ist bald jeder mit jedem vernetzt.

Am Montag startet in Las Vegas die Computer Electronics Show. Die neuesten Smartphones, Tablet-PCs und die noch weitgehend unbekannten Ultrabooks werden dann in der Wüstenmetropole vorgestellt. Hunderte Millionen Menschen können damit künftig jederzeit im Internet surfen, können sich bald überall in ihre Firmennetze einloggen und sich mit ihren Freunden rund um den Globus von jedem Ort aus vernetzen. Kurzum, die Neuheiten von Las Vegas werden unser aller Leben verändern.

Bislang waren es nur kleine Gruppen, die in den Genuss der neuen Minirechner kamen. Smartphones waren bis jetzt deutlich teurer als herkömmliche Handys. Und so haben sich diese Mobiltelefone, bei denen das Telefonieren nur noch eine von vielen Funktionen ist, vor allem Manager oder technikbegeisterte junge Leute zugelegt.

Doch das ändert sich nun. Inzwischen sind die Smartphone-Preise so stark gesunken, dass sie auch für Schüler, Hausfrauen oder Rentner attraktiv werden. Damit kann jedermann unterwegs seine E-Mails abrufen, online ein Bahnticket kaufen oder mit den Freunden auf Facebook kommunizieren.

Nicht viel anders sieht es bei den Tablet-PCs aus, jenen Kleincomputern mit berührungsempfindlichem Bildschirm, die in jede Handtasche passen. Apple hat dieser Kategorie vor knapp zwei Jahren mit dem iPad zum Durchbruch verholfen. Mit Preisen von 500 Euro und mehr waren die Geräte aber für viele Menschen deutlich zu teuer. Jetzt gibt es passable Tablets anderer Hersteller schon für unter 400 Euro, und sie werden im Lauf des Jahres noch viel günstiger werden. Es braucht wenig Fantasie, um vorherzusagen, dass Weihnachten 2012 mehrere Hundert Millionen solcher Geräte in den Wohnzimmern liegen werden - als Ergänzung zu Stereoanlage und Fernseher. Was bislang nur die Jugend tat, wird damit bald üblich sein: gleichzeitig TV schauen und im Netz unterwegs sein. So mancher Tablet-Besitzer wird sich im berühmten „Multitasking“ üben.

Damit nicht genug der Neuheiten: Die Ultrabooks werden vor allem den Arbeitsalltag vieler Menschen verändern. Dabei handelt es sich um vollwertige Notebooks, die aber schlanker und leichter sind. Dazu kommt, dass sie länger einsatzfähig sind, im Handumdrehen hochfahren und über ein berührungsempfindliches Display verfügen. Wer viel unterwegs ist, der kann von einem Ultrabook aus alle Aufgaben erledigen, die er sonst im Büro macht. Die Videokonferenz ist von fast jedem Ort aus möglich.

Waren bis vor kurzem nur Manager über ihren Blackberry ständig und überall elektronisch erreichbar, so gilt dies bald für jedermann. Wer die entsprechende Software aktiviert, der gibt sogar seinen Freunden - und sozialen Netzen wie Facebook - die Möglichkeit, stets den aktuellen Aufenthaltsort zu erfahren. Das kann praktisch sein, wenn man jemanden treffen will, aber auch höchst unangenehm, wenn die Pizzeria um die Ecke andauernd Werbung schickt.

Jeder kann davon ausgehen, dass jeder andere vernetzt ist. Wer da nicht ständig auf seine diversen Bildschirme schaut, der wird schnell zum Eigenbrötler. Ein Stress der ganz neuen Art. Noch nie war es deshalb so wichtig wie jetzt, mitunter auch einmal einen Schlusspunkt zu setzen und das Gerät einfach auszuschalten.

Der Autor ist Korrespondent in München. Sie erreichen ihn unter: hofer@handelsblatt.com

Kommentare (1)

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Freygeist

07.01.2012, 19:08 Uhr

90% des Artikels beschäftigen sich mit der Entwicklung auf dem Kommunikationssektor, um dann zu einem medientypischen Schluß zu kommen, daß "man" unbedingt dabei sein muß. Und wer nicht 24/7 erreichbar ist, wird dann zum Asozialen abgestempelt.

Herr Hofer, eine ausgereifte Persönlichkeit wird seinen Weg finden, seinen Alltag so zu gestalten, daß man eben nicht rund um die Uhr erreichbar ist. Warum sollte man auch? Für die extremen Notfälle ist es ratsam gleich die 110 zu wählen und in allen anderen Fällen kommt doch die Hektik nur dann auf, weil zu viele Leute meinen, ein unstrukturiertes Leben führen zu können. Die Unfähigkeit, Planbares rechtzeitig zu planen, sollen dann eben die Angerufenen kompensieren. Ich nenne das einen unnötigen Problemtransfer. Das ist dann asozial.

Zwingen Sie die Leute, ihre Wünsche/Anforderungen an sie, schriftlich zu übermitteln. Sie werden sehen, daß das oft schon eine unüberwindbare Hürde für diejenigen ist, die immer alles ausquatschen wollen und doch zumeist unvorbereitet ein Telefonat beginnen, um sich dann vom Angerufenen eine Lösung erhoffen, die sie bei ein bißchen Nachdenken auch selbst finden hätten können.

Es ist ein typische Verhalten von Einzelkindern, die sich nicht in eine Gemeinschaft einfügen mußten, sondern deren Mütter sofort nach dem ersten Gequängle parat war.

Tja, es gibt Leute die sich (gerne) quälen lassen und solche die das nicht zulassen. Alles eine Frage des Willens und der Erziehung der anderen. Wer gerne Opfer ist, soll diese Rolle auch ausfüllen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Herr Hofer, noch eine leidvolle Zeit.
Tja, man hätte diesen Artikel aus einer anderen Perspektive schreiben können, aber wenn man sich gerne als Opfer sieht ...
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Herr Hofer, noch eine leidvolle Zeit.

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