Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.03.2013

14:57 Uhr

Kommentar

Endlich die Wahrheit

VonOliver Stock

Der Chef der Eurogruppe spricht aus, was alle denken: Banken müssen nicht auf Kosten von Steuerzahlern gerettet werden. Er sollte zu dem stehen, was er gesagt hat.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt.com. Pablo Castagnola

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt.com.

Der Mut ist wie ein Regenschirm: Er fehlt einem, wenn man ihn am dringendsten braucht. Jeroen Dijsselbloem kennt das Phänomen. Erst hat er ein bisschen Mut gehabt und dann hat ihn der Mut verlassen, als er ihn brauchte. Dijesselbloem hat das Richtige gesagt, nur leider hat er den falschen Job, um unbequeme Wahrheiten zu verbreiten. Als Chef der Eurogruppe ist es nicht immer angebracht, Tatsachen auch als solche zu benennen. Das ist die bittere Erfahrung, die der talentierte Mr. Dijsselbloem, gerade macht. Dennoch könnte er zu dem stehen, was er sagt.

Dijsselbloem ist Nachfolger von Jean-Claude Juncker als oberster Kommunikationschef der Länder, die sich zum Euro bekennen. Sein Vorgänger hatte das Talent, immer nur so viel zu sagen, wie es gerade noch opportun, aber immerhin schon interessant war. Juncker wusste stets mehr und vor allem dachte er sich mehr, als er öffentlich eingestand. Und er vermochte es, dieses Wissen durchscheinen zu lassen, ohne es auszusprechen. Generationen von Zuhörern haben sich daran abgearbeitet, manche haben ihn dafür bewundert, andere sind daran verzweifelt. Sein Nachfolger macht nun das, was sich viele bei Juncker stets erhofften, was sie aber nie erlebt haben: Dijsselboom redet Tacheles.

In einem Interview bezeichnete er die Rettung Zyperns als „Blaupause“ für andere Länder. Kämen Banken künftig ins Trudeln, sei die Hilfe der Euro-Partner nicht automatisch garantiert. Nachdem die Worte gefallen und aufgeschrieben waren, nahm der Eurogruppen-Chef sie wieder zurück und berief sich auf Fremdsprachenschwierigkeiten – da waren die Märkte aber schon in Turbulenzen. Fremdsprachen hin, Märkte her – Dijsselbloem  hatte natürlich vollkommen recht.

Auf einem begrenzten Spielfeld namens Zypern proben die Euroretter derzeit das, was Politiker und Steuerzahler schon seit der Finanzkrise fordern: den Bail in, also die Beteiligung der Bank-Anleger und Bankkunden an der Rettung einer Bank. Es soll nicht mehr länger der europäische – und damit vor allem der deutsche – Steuerzahler gerade stehen, wenn sich eine Bank im Euroraum verhoben hat, sondern es sollen fast alle, die Geschäfte mit diesem Institut machen, beteiligt werden. Kleinsparer ausgenommen.

Jeroen Dijsselbloem: Der Euro-Erschütterer

Jeroen Dijsselbloem

Der Euro-Erschütterer

Als Euro-Gruppen-Chef hat sich Jeroen Dijsselbloem bisher nicht mit Ruhm bekleckert. In der Zypern-Frage unterliefen ihm schon zwei schwere Patzer. War es ein Fehler, den unerfahrenen Niederländer zum Mr. Euro zu machen?

Genau darin besteht die Blaupause für künftige Rettungsaktionen. Genau das muss Banken klar sein, wenn sie in wacklige Geschäfte einsteigen.  Genau darüber müssen Anleger nachdenken, wenn sie mal wieder mehr als den üblichen Zinssatz versprochen bekommen. Und genau deswegen darf der Eurogruppen-Chef aussprechen, was alle denken. Seine Ungeschicklichkeit besteht einzig darin, zurück zu rudern, nachdem die entscheidenden Worte gefallen sind. Das war mutlos, lieber Herr Dijsselbloem.

Kommentare (15)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

26.03.2013, 15:22 Uhr

Wie sagten die alten Griechen: "Das Wort ist dem Gehege seiner Zähne entflohen" und kann nun nicht mehr zurückgeholt werden, auch wenn er möchte.

Gut so!!

Lilly

26.03.2013, 15:46 Uhr

Zitat: "Der Chef der Eurogruppe spricht aus, was alle denken: Banken müssen nicht auf Kosten von Steuerzahlern gerettet werden. Er sollte zu dem stehen, was er gesagt hat."

Das "darf" er aber nicht. Deshalb flugs das Dementi. Die €-Finanzminister fürchten die Finanzmärkte wie der Teufel das Weihwasser. Dijsselbloem ist als Chef der €-Gruppe nur primus inter pares (lateinisch für „Erster unter Gleichen“.

Hier ein Beispiel aus Zypern. "It STARTS with us ... it ENDS with you"

http://s4.reutersmedia.net/resources/media/global/assets/images/20130325/20130325_5166606520130325184434.jpg




Account gelöscht!

26.03.2013, 15:59 Uhr

"Die €-Finanzminister fürchten die Finanzmärkte wie der Teufel das Weihwasser. "

DIE Finanzmärkte gibt es ja gar nicht. Es gibt einen Teil der Marktteilnehmer für den das Gesagte völlig selbstverständlich ist und einen anderen Teil, der gut an der "Verantwortungstransformation" des Geschäftsmodells "To Big To Fail" verdient und damit weitermachen möchte und nun Entrüstung heuchelt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×