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06.06.2012

13:25 Uhr

Kommentar

Energie-Vision vom Alltag eingeholt

VonKlaus Stratmann

Die Energiewende gestaltet sich schwieriger, als noch vor einem Jahr viele dachten. Konkrete Punkte wie der Netzausbau müssen aber in absehbarer Zeit konsequent angegangen werden, sonst droht Ungemach.

Der Autor ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin. Pablo Castagnola

Der Autor ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin.

Heute vor einem Jahr hat die Bundesregierung die Eckpunkte für die Energiewende beschlossen. Längst lassen die Mühen der Alltagsarbeit die große Vision, die mit diesem Beschluss verbunden war, verblassen. Die Politik steht vor der Aufgabe, zahlreiche Einzelentscheidungen zu fällen, ohne dabei das große Ganze aus den Augen zu verlieren.

Die vergangenen zwölf Monate haben gezeigt, wie schwierig das ist. Ständiges Nachsteuern, anhaltende Diskussionen und auch Fehlentscheidungen werden in den kommenden Jahren den Alltag bestimmen. Ein Jahr nach den grundsätzlichen Beschlüssen zur Energiewende ist klar: Das Projekt ist kein Selbstläufer, sein Gelingen keinesfalls sicher. Immerhin hat sich herauskristallisiert, welche Probleme zuerst gelöst werden müssen.

So ist allgemein akzeptiert, dass der Ausbau der Netze hohe Priorität hat. Doch aus dieser Erkenntnis werden nicht die richtigen Schlüsse gezogen. Die Länder sollten eher heute als morgen dem Wunsch der Bundesregierung entsprechen, ihre Zuständigkeit für die Planung besonders wichtiger Leitungen auf die Bundesnetzagentur zu übertragen.

Doch sie werden in übliche Verhaltensmuster zurückfallen und Kompetenzen nur abgeben, wenn sie dafür Gegenleistungen bekommen. Diese Engstirnigkeit kann sich zum ersten Sargnagel für das Großprojekt entwickeln. Dass einige Länder obendrein noch immer an dem Gedanken von der Energieautarkie festhalten, muss ebenfalls nachdenklich stimmen.

Kommentare (10)

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dw-seneca

06.06.2012, 13:50 Uhr

Und wieder werden physikalische Grundlagen bei der Energiewende einfach ausgeklammert. Die Energiewende kann nur funktionieren, wenn der Staat bereit ist, Strom zum Luxusgut werden zu lassen. Die Folgen sind klar: Die Industrie packt ihre Koffer, die normalen Menschen werden arbeitlos und das Geld reicht nicht mehr für die Stromrechnung.

KohlestattSonne

06.06.2012, 15:42 Uhr

Wer keine KKWs mehr haben will muss Kohlekraftwerke bauen. So einfach ist das. Und wer Kohlekraftwerke baut, kann die da bauen, wo jetzt die KKWs stehen. Der braucht dann kein EEG, keine Windräder, keine Solarfelder, keine Biomassemonokultur, keine neuen "intelligenten" Netze und Zähler und hat am Ende trotzdem einen Abgabepreis für Strom auf KKW-Niveau sprich im Bereich 3-4 Cent die kWh.
Und Kohle gibt es noch lcoker für 1000 Jahre.
Jede Wette: genau da wird diese "Wende" dann auch enden: beid er Kohle.

laika0231

06.06.2012, 16:43 Uhr

Der Autor behauptet, dass "das System fester Einspeisevergütungen in Kombination mit dem Einspeisevorrang der grundlegenden Revision bedarf".
Eine Begründung hierfür liefert er nicht. Dass momentan alle möglichen Kosten den Erneuerbaren Energien zugeschustert werden ist unlauter. Der Netzausbau wurde seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 sträflich vernachlässigt. Die Netzbetreiber haben nur die Optimierung ihrer Rendite im Auge gehabt. Wie soll die Energiewende, d. h. der Umstieg auf 100 % Erneuerbare Energien denn ohne Einspeisevorrang und EEG funktionieren?
Oder ist die Energiewende eigentlich gar nicht gewollt?
Und eine Verzahnung mit den Strommärkten im europäischen Ausland ist nicht trivial, zumal dort ganz andere Marktregeln gelten.
Bei zukünftigen Kommentaren zu diesem Thema wünsche ich mir doch zumindest ein minimum an Sachkompetenz - und nicht das bloße Nachplappern von unausgegorenen Ideen einiger Politiker, die das Langfristprojekt Energiewende kurzfristig vor die Wand fahren lassen wollen.

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