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03.06.2012

12:23 Uhr

Kommentar

Erfolgsrezept Schrumpfen

VonUlf Sommer

Die Anleger lieben es, wenn mit weniger Umsatz mehr Rendite geschafft wird. Aber es geht auch offensiver und erfolgreicher. Einer aggressive Wachstumspolitik wird man auch vertraut.

Ulf Sommer

Der Autor

Ulf Sommer ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

Metro schrumpft, und dem Handelsriesen droht mangels Börsenwert der Abstieg aus dem Dax - doch diesmal jubilierten die Anleger. Als der neue Konzernchef Olaf Koch den Verkauf der 30 britischen Großhandelsmärkte ankündigte, legte die gebeutelte Aktie zu. Und das an einem tiefroten Börsen-Mittwoch, als die übrigen 29 Dax-Werte verloren.

Anleger spekulieren nämlich darauf, dass Metro die Strategie anderer Konzerne kopiert und künftig profitabler wirtschaftet. Gemäß dem Motto: Weniger ist oft mehr.

Leuchtendes Vorbild ist Infineon. Der Chiphersteller verkaufte nach Milliardenverlusten und der drohenden Pleite alles, was keine Zukunft versprach. Die verlustreiche Mobilfunksparte ging an den Weltmarktführer Intel, die drahtgebundene Kommunikation an einen Finanzinvestor, und die Speicherchipsparte, ein Milliardengrab, überführte Infineon in eine eigenständige Aktiengesellschaft.

Das Resultat dieser Rosskur: Im abgelaufenen Geschäftsjahr setzte Infineon nur knapp vier Milliarden Euro um. 2007 war es fast doppelt so viel. Aber: 2011 blieben mit jedem Euro Umsatz 18,6 Cent Reingewinn übrig - 2007 waren es fünf Cent Verlust.

Die Post verabschiedete sich nach Verlusten aus den USA von ihrem unrentablen Expressgeschäft in Frankreich und Großbritannien. Das schmälerte die Umsätze, steigerte aber die Marge - von minus 2,3 Prozent im Jahr 2008 auf immerhin 2,4 Prozent im Jahr 2011. Die Telekom versuchte es ähnlich, indem sie ihre US-Mobilfunktochter und damit ein Viertel des Umsatzes loseisen wollte. Erst feierte die Börse, als René Obermann die Absicht verkündete. Dann gewann die Tristesse um die T-Aktie wieder Oberhand, als die US-Kartellbehörde den Deal platzen ließ. Anleger erhofften sich auch hier mit weniger Masse mehr Rendite.

Allerdings, Schrumpfen ist nicht für alle das Erfolgsrezept. In klassischen Wachstumsbranchen honorieren die Börsen durchaus Zukäufe, sogar teure, wenn die Firmen zuvor bewiesen haben, dass sie über Größe erfolgreich ihre Gewinne und Margen mehren. Der Gesundheitskonzern Fresenius ist in den vergangenen Jahren durch Übernahmen zu einem Riesen mit 150 000 Mitarbeitern gewachsen. Trotz üppiger Nettofinanzverbindlichkeiten von über zehn Milliarden Euro unterbreitete Fresenius seinem großen Wettbewerber Rhön Klinikum für 3,2 Milliarden Euro ein Übernahmeangebot. Die Ratingagenturen sind seit langem alarmiert und jetzt noch ein Stück mehr. Sie beurteilen Fresenius als "Ramsch".

Doch Anleger stört dieses Urteil nicht. Sie vertrauen dieser aggressiven Wachstumsstrategie. Das belegen die niedrigen Zinsen zwischen drei und vier Prozent, die Fresenius trotz seines miserablen Ratings seinen Gläubigern zahlen muss. Das Unternehmen wiederum dankt es seinen Aktionären gebührend: In den vergangenen zehn Jahren legte die Fresenius-Aktie um 250 Prozent zu. Davon können die Aktionäre von Metro, Infineon und der Post nur träumen. Der Dax schaffte nur knapp 30 Prozent.

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