Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.02.2012

21:00 Uhr

Kommentar

Es gibt keine Immobilienblase

VonReiner Reichel

Trotz der demografischen Entwicklung bleibt Wohnraum knapp. Mehr Singlehaushalte und der Andrang in den Städten drückt die Preise nach oben.

Neubauten in Frankfurt am Main. Stadtwohnungen bleiben weiter attraktiv. dapd

Neubauten in Frankfurt am Main. Stadtwohnungen bleiben weiter attraktiv.

Die Bundesbank sorgt sich wegen der kräftig gestiegenen Preise für Wohnimmobilien. Sie befürchtet, die demografische Entwicklung werde einen Strich durch die Renditeberechnungen der Käufer machen. Die Preise für Wohnraum stiegen im vergangenen Jahr laut Bundesbank um 5,5 Prozent, die für Eigentumswohnungen nach einer Erhebung des Analysehauses Bulwien-Gesa sogar um 7,3 Prozent.

Trotzdem ist die Sorge der Bundesbank übertrieben, denn die Nachfrage nach Wohnungen bleibt hoch und wird die Preise weiter treiben – vor allem in den Ballungsgebieten. Richtig ist: Die Bevölkerung nimmt ab, nach Schätzungen des Prognos-Instituts bis 2035 auf 78 Millionen. Doch die Nachfrage nach Wohnraum wird von den Haushalten bestimmt, und deren Zahl nimmt bis dahin laut Prognosen um 1,6 Millionen zu. Und zwar, weil es mehr Einpersonenhaushalte geben wird. Singles bevorzugen eindeutig Stadtwohnungen.

Auch der Flächenverbrauch pro Person steigt auf diese Weise, denn Bad und Küche gehören zu jeder Wohnung. Und die Wohnzimmer werden immer größer. Kein Zufall, dass viele Wohnungsgesellschaften aus zwei Wohnungen eine machen, um marktfähig zu bleiben. Das verringert das Angebot.

Reiner Reichel ist verantwortlich für die Immobilienseite. Pablo Castagnola

Reiner Reichel ist verantwortlich für die Immobilienseite.

Kinderlose Paare brauchen kein Haus mit Garten, indem die Kinder spielen könnten. Sie wohnen in der Stadt. Und junge Familien finden das Reihenhaus am Stadtrand nicht mehr so attraktiv wie früher. Denn dort kann Mama keinen attraktiven Job annehmen, weil sie ständig Taxi für die Kinder fährt. In der Stadt bringt sie die Kleinen zu Fuß auf dem Weg zur Arbeit in den Kindergarten, und der Supermarkt um die Ecke hat bis 22.00 Uhr auf.

Pendeln zwischen Arbeitsplatz und Wohnung dauert immer länger und wird immer teurer. Beides lässt sich verringern – mit einer Stadtwohnung. Für Rentner hat die Stadtwohnung den Vorteil, dass die Wege zu Einzelhändlern und Ärzten kürzer sind.

Die größten Gewinner sind die Eigentümer von Wohnungen in Ballungsgebieten mit Wirtschaftswachstum. Die Menschen ziehen dorthin, weil es dort Arbeit gibt. In solchen Regionen ist Boden knapp und teuer. Wenn Wohnen dort erschwinglich sein soll, dann wird es das eher in Apartmentanlagen als in Einfamilienhäusern sein, weil weniger Grundfläche pro Wohneinheit verbraucht wird.

Deshalb winken Eigennutzern und Kapitalanlegern weitere Wertsteigerungen für ihre Wohnungen. Wenn sie sich die niedrigen Baugeldzinsen langfristig sichern, müssen sie keine Sorge haben, wenn die Mieten nicht um rund fünf Prozent steigen wie 2011.

Sie erreichen den Autor unter: reichel@handelsblatt.com

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Stpehan

22.02.2012, 21:57 Uhr

Dürfte ich mir mir mal die Glaskugel ausleihen? Würde dann ne Runde Lotto spielen.

Der Anstieg der Mietprise kann mit 1000 Parametern zusammenhängen, wenn man die Welt schon für Ökonomie parametrisieren muss. Einer, der wohl eine große Rolle spielen wird, ist die Inflation. Ja es gibt sie und das sage ich als junger mensch. man kaufe sich nur mal ein brötchen oder döner vor 10 jahren... preisstabilität wurde nur durch billigere produkte aufrechterhalten. was auch ok ist, nur in manchen branchen schläg sie rein und vlt gehören mieten dazu. ausserdem: sind in den mieten nebenkosten mit drinnen? strom-, gaspreise sind definitiv gestiegen. vlt ist auch die müllabfuhr teurer geworden undundudnd. einfach so als totschlagargument gegen ende 5% schreiben erinnert mehr an den frommen wunsch eines fdplers.

Account gelöscht!

22.02.2012, 22:12 Uhr

Herr Reichel hat natürlich keine Rezession auf der Liste, denn dann dreht sich der Wind schneller als man heute denken kann. Mietwohnungen sind gerade in Städten wie München und Hamburg sehr teuer, dass können sich viele Mieter nur leisten, wenn der Job rund läuft. Kommt die Jobmaschine ins stocken sinkt die Nachfrage nach Mietwohnungen und es kommt zu ungewollter Abwanderung. Das ist dann erstmal ziemlich unfreundlich für Kapitalanleger, die jetzt zu sehr hohen Preisen Immobilien erwerben.

www.steuerembargo.co.de

22.02.2012, 22:15 Uhr

Ach, sind diese Gartenlauben schön! Erinnern an Favelas hier in Brasilien.
Sicher reißen sich die Käufer in Deutschland nach solchen Schnäppchen!

Es gibt gar keine Blase. Darauf kommen doch nur verrückte! Alles in bester Ordnung, wie man an den Aktienkursen in USA und auch in Europa ablesen kann! Es könnte nicht besser sein, aber es wird doch immer besser, man muss nur den Kopf noch tiefer in den Sand stecken!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×