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29.10.2013

10:53 Uhr

Kommentar

Es ist Zahltag

VonOliver Stock

Die Deutsche Bank und die Schweizer UBS haben ihre Quartalsbilanzen vorgelegt. Die Ergebnisse fallen ernüchternd aus. Beide Großbanken haben ein Problem: Ihnen sitzen die Richter im Nacken.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online Pablo Castagnola

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online

Zwei Banken, zwei Länder, ein Problem: die größte deutsche und die größte Schweizer Bank haben am Dienstag ihre Quartalsergebnisse präsentieren müssen – und diese fallen bei beiden ernüchternd aus. Sie bleiben hinter allem zurück, was auch vorsichtige Beobachter geschätzt haben.

Doch merkwürdig: Während es bei anderen Unternehmen jetzt Kritik am Management hageln würde, zuckt das Publikum angesichts der Bankergebnisse nur mit den Achseln: So ist es halt. Es ist Zahltag für die Banken. Und das zurecht.

Mehr als fünf Jahre hat es gedauert, bis aus den Lippenbekenntnissen der Banker nach der Finanzkrise echte Änderungen in der Strategie resultierten. Eine kleinere Bilanz, weniger Risiko, mehr Rücklagen – all das war allen klar, nur entsprechend gehandelt wird erst jetzt unter dem Druck der Regulierer. „Wir haben Fehler gemacht“, diese Selbstbezichtigung ist unzählige Male in Bankerkreisen gefallen.

Aber die Erkenntnis, dass diese Fehler tatsächlich teuer waren – auch die reift erst jetzt und zwar unter dem Druck der Richter. Die Deutsche Bank und die Schweizer Konkurrenz von der UBS ächzen beide unter den Folgen von Rechtsstreitigkeiten. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass die Höhe der Strafen, die die Deutschen zahlen müssen, noch ungewiss ist, während die Schweizer bereits dabei sind, ihre Milliarden zu überweisen.

Das Ganze ist keine Katastrophe, es ist nicht mal eine schlechte Entwicklung. Es ist vielmehr die Korrektur einer ungesunden Entwicklung. Die Blase der Finanzindustrie, die zum Beispiel dazu geführt hat, dass ein einzelner Zinshändler der Deutschen Bank in einem Jahr mehr verdient hat, als die Vorstandsvorsitzenden der zehn größten Dax-Unternehmen zusammen – diese Blase ist geplatzt und hat uns alle in Mitleidenschaft gezogen.

Was wir jetzt erleben sind die Aufwischarbeiten. Wenn dabei alles gut geht, werden am Ende die Banken als ganz normale Unternehmen mit ganz normalen Renditen dastehen. Und dafür lohnt sich die Durststrecke.

Kommentare (1)

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krabak

29.10.2013, 13:09 Uhr

Es dürfte wohl auch ein ganz gewaltiger Betrag des angeblichen Gewinnrückganges mit den div. Umbuchungen und Verlagerungen von Anlagen in steuerlich günstigere Tochtergesellschaften erklärt werden. Immerhin sollten ja auch die hervorragenden Kenntnisse des Ex-Citigroup Corporation-Manager Ajay Kapur, der jetzt für die Deutsche Bank in Honkong anschafft, langsam ihre Früchte tragen.
Und sage mir keiner, dass die Citiboys und Citigirls der deutschen und ausländischen Universalbanken die Kunst der albanischen Hütchenspieler nicht beherrschen. Ich bin sicherlich doof, aber als Kind nicht mit dem Klammerbeutel gepudert worden.

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