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04.07.2012

14:35 Uhr

Kommentar

Eurokraten sind für Deutschlands Nöte blind

VonRuth Berschens

Brüssel ignoriert die deutsche Perspektive in der Euro-Krise. Wenn der Bund aber für angeschlagene Euro-Staaten bürgen soll, muss Brüssel die Ängste der Deutschen ernst nehmen. Oder die Stimmung in Deutschland kippt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel muss im Bundestag verkaufen, was in Brüssel ausgehandelt wird. Reuters

Bundeskanzlerin Angela Merkel muss im Bundestag verkaufen, was in Brüssel ausgehandelt wird.

Wer wissen will, wie die EU-Kommission tickt, der sollte einen Blick auf ihre Morgenlektüre werfen. Zum Beispiel im Kommunikationsapparat der Brüsseler Behörde: Alle 32 Sprecher und ihre Stellvertreter lesen die britische „Financial Times“, immerhin elf haben auch die französische „Le Monde“ bestellt und jeweils sechs den italienischen „Corriere della Sera“ und „El País“ aus Spanien. Deutsche Tageszeitungen kommen in Brüssel nicht auf solche Leserquoten. Derzeit hat kein einziger Sprecher der EU-Kommission zum Beispiel die auflagenstarke „Süddeutsche Zeitung“ an seinem Arbeitsplatz abonniert.

Auf den ersten Blick mag das alles wenig überraschend sein. Englisch und Französisch dominieren die Eurokratie schließlich immer schon. Zwar ist Deutsch die meistgesprochene Sprache der EU, doch in Brüssel spielt sie traditionell nur eine Rolle am Rande.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.

Die Autorin

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.

Doch nach zwei Jahren Euro-Existenzkrise kann Altbekanntes durchaus neue Bedeutung erlangen. Deutschland geht die mit Abstand größten finanziellen Risiken für die Euro-Rettung ein. Bei jedem EU-Gipfel wächst der Druck auf die Kanzlerin, noch mehr für die finanziell angeschlagenen Euro-Staaten zu tun. Das löst hierzulande logischerweise Ängste aus und ruft immer mehr Euro-Skeptiker auf den Plan. Würden sie einen charismatischen Anführer finden, dann wären ihnen Wahlerfolge wahrscheinlich jetzt schon sicher.

Die Stimmung im größten Euro-Staat könnte also durchaus kippen - gegen die gemeinsame Währung und gegen die politische Integration. Aber dafür scheint sich in Brüssel kaum jemand zu interessieren. Wie auch? Wie sollen EU-Beamte und Europapolitiker deutsche Befindlichkeiten verstehen, wenn sie kein Deutsch sprechen und keine deutschen Medien konsumieren?

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Telegrammkurze englische Zusammenfassungen deutscher Zeitungsartikel in der täglichen Presseschau der Kommission reichen nicht aus, um aus Eurokraten plötzlich Deutschland-Kenner zu machen.

Kommentare (44)

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Benni

04.07.2012, 14:42 Uhr

Frau Berschens, die Stimmung ist längst gekippt.
Es will niemand die "Vereinigten Staaten von Europa".

Weg mit dem Euro! Nieder mit dieser EU!

observer

04.07.2012, 14:51 Uhr

Der grosse Plan: Was sie mit uns vor haben

Unsere politischen und kulturellen „Führer“ sind die Komplizen in einem Komplott, um die menschliche Gesellschaft umzugestalten, damit sie der globalen Finanzelite als Sklaven dienen kann. Die Lügen über Kriege, Terrorismus, Wirtschaftskrisen, Klimawandel, Energieknappheit usw. auf der einen Seite, und die Medienmanipulation, Unterhaltung, Modetrends und andere Propaganda auf der anderen, werden benutzt um Schritt für Schritt den Orwellschen Polizeistaat einzuführen.

Dass dieser Plan tatsächlich existiert, beweist die folgende Aussage von Dr. Lawrence Dunegan, über einen Vortrag von Dr. Richard Day, an dem er teilnahm. Dr. Day war der National Medical Director der von Rockefeller gesponsorten „Planned Parenthood“ oder Organisation für geplante Elternschaft. Seinen Vortrag hielt er vor der Vereinigung Amerikanischer Kinderärzte in Pittsburgh am 20. März 1969!

Achim

04.07.2012, 14:53 Uhr

Wie wäre es mit einer "Volksabstimmung"! Jederman/frau hebt zu einem bestimmten, festen Datum seine Einlagen bei den Banken ab. Mal sehen, was dann passieren würde!?

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