Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.05.2012

22:18 Uhr

Kommentar

Facebook - das blaue Wunder

VonAxel Postinett

Facebook und die Banken am Pranger: Wie immer wenn etwas schief läuft, gibt es eine Klage nach der anderen. Doch wie soll der Vorwurf lauten? Raffgier und falsche Einschätzung sind schließlich nicht strafbar.

Handelsblatt-Redakteur Axel Postinett berichtet aus San Francisco. Pablo Castagnola

Handelsblatt-Redakteur Axel Postinett berichtet aus San Francisco.

San FranciscoJetzt reden wieder die Anwälte. Sie kommen und werden kommen, die Sammelklagen gegen Facebook, Banken, die Börse, die Welt und eigentlich alles und jeden, der global-galaktisch betrachtet irgendwie theoretisch mit dem desaströsen Börsengang von Facebook in Verbindung gebracht werden kann. Das ist halt so üblich in den USA. Wenn irgendwo irgendetwas schief geht, rückt das Heer der Lawyer aus und verspricht das Unrecht zu sühnen. Natürlich gegen einen angemessenen Anteil am Schadenersatz, versteht sich. 

Aber was kann man Facebook und den Banken vorwerfen? Raffgier? Durchaus, aber das ist nicht strafbar. Falsche Einschätzung der Nachfrage? Offensichtlich, aber auch nicht strafbar. 

Bis jetzt konzentrieren sich die Vorwürfe auf angebliche Informationsdefizite. Dem gemeinen Publikum sollen kritische Informationen vorenthalten worden sein, die einem erlesenen Kreis von Edel-Investoren dagegen zugeflüstert worden sein sollen. 

Aber haben diese Informationen, wenn sie denn so geflossen sind wie vermutet und wenn es illegal gewesen sein sollte, aus einem risikolosen Börsengang eines Top-Unternehmens mit Aktien zum Schnäppchenpreis urplötzlich und unvorhersehbar eine hochriskante Spekulation gemacht?

Garantiert nicht. Bereits im Vorfeld war klar und wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass Facebook Chancen aufweist, aber auch massive Probleme hat. Das rapide Anwachsen der Smartphone-Nutzer, die mit Werbung nicht zu erreichen sind, war bekannt und wer es nicht in den Medien gelesen oder gehört hatte, der musste nur in den Börsenprospekt schauen. Da steht es unter den Risikohinweisen unmissverständlich drin: mit mobilen Facebook-Nutzern wird praktisch kein Umsatz gemacht, und ob und wie mit dieser Kundschaft Geld verdient werden kann ist noch nicht klar. Ein Ersatz des PCs durch Smartphonenutzung kann Umsatz und Ergebnis negativ beeinflussen.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

24.05.2012, 05:41 Uhr

Gier frisst Hirn.

Was da abgelaufen ist, hätte Gordon Gekko nicht besser einfädeln können und könnte als Wall Street III verfilmt werden.

Auch wenn die ganze Aktion strafrechlich irrelevant war, zeigt es doch die Unmoral der Banken und Großinvestoren. Das Ziel bleibt, den Kleinanleger zu verarschen. Über den Kollateralschaden solcher Aktionen machen sich diese Egomanen an der Spitze der Unternehmen keine Gedanken.

Dass sich nach Lehman sich etwas ändern sollte, waren nur Lippenbekenntnisse.

Ismet_K.

24.05.2012, 09:58 Uhr

@Brasso

Vielen Dank für die direkten Worte.
Ich hätte es nicht besser hinbekommen. Aber eins muss man noch dazu loswerden. Im ganzen Hype zu diesem Börsengang, den Querelen bzgl. des Datenschutzes, der Einführung von Timeline und der laxe Umgang mit den Zugangsdaten der User, haben die Aktionäre eins vergessen. Solche Sozialnetzwerke kommen und gehen. Und was ich weiss, ist das es Facebook demnächst nicht mehr geben wird.
Bevor jemand spekuliert: nein, weder war ich und werde ich auch kein Mitglied bei Facebook sein.
Bin doch jemand der Konservativ über Gelddinge denkt. Denn am ende zählen immer noch Sachwerte und nicht das Geld...
In diesem Sinne. Ärgert euch nicht, das Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer.
PS: ich bin nicht schadenfroh, sondern immer wieder erstaunt mit welcher Gier sogenannte "Kleinaktionäre" immer wieder auf die selben Dinge reinfallen (Siehe Internetaktien um das Jahr 2000)...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×