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01.02.2012

11:33 Uhr

Kommentar

Frankreich setzt auf „deutsches Modell“

VonThomas Hanke

Im Schnelldurchgang will Frankreich die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte Deutschlands kopieren. Dabei sind die Unterschiede zwischen den beiden Nachbarn über lange Zeit gewachsen.

Thomas Hanke ist Korrespondent für das Handelsblatt in Paris. Pablo Castagnola

Thomas Hanke ist Korrespondent für das Handelsblatt in Paris.

Frankreichs Politikern droht eine Genickstarre, so hartnäckig schauen sie derzeit nach Osten, auf den großen Nachbarn Deutschland. Vor fast zwei Jahren kritisierte die damalige Finanzministerin Christine Lagarde noch die deutsche Wirtschaftspolitik, weil sie angeblich auf Lohndumping setze.

Mittlerweile ist die Kritik umgeschlagen in Bewunderung für Deutschlands wirtschaftliche Erfolge. Mit dem Präsidenten an der Spitze diskutiert das ganze Land darüber, was Frankreich vom „deutschen Modell“ lernen könne.

Die Debatte ist gut und wichtig. Sie trägt schon jetzt dazu bei, eine Veränderungsbereitschaft zu erzeugen, die lange gefehlt und Reformen verzögert hat. Doch es droht eine politische Instrumentalisierung der eigentlich sinnvollen Auseinandersetzung, die zu Fehlern führen wird.

Sarkozy betrachtet die deutsche Volkswirtschaft wie einen Stabilbaukasten, von dem er das eine oder andere Teil übernehmen kann. Er übersieht völlig die gewachsene und ganz andere Kultur der Beziehungen zwischen den Tarifpartnern und die zurückhaltende Rolle des Staates.

Es ist ein wenig so, als würde Frankreich gerade erst seinen Nachbarn entdecken. Wohltuend ist, dass die öffentliche Debatte ohne jede Schönfärberei geführt wird. Es ist, als wollte das ganze Land sich einem Gesundheitscheck unterziehen und mit der deutschen Fitness vergleichen. Dabei fällt auf, dass die Kritiker des angeblichen deutschen Lohndumpings kaum noch eine Rolle spielen.

Herumgesprochen hat sich, dass Deutschlands Exporterfolg nicht auf niedrigen Preisen, sondern auf teuren Qualitätsprodukten basiert: „Deutschland entzieht sich ja gerade der Preiskonkurrenz und ist bei hochpreisigen Gütern besonders wettbewerbsfähig, Frankreich kann trotz ähnlichen Exportsortiments da nicht mithalten“, stellt Pascal Lamy, Chef der Welthandelsorganisation und Anhänger des Reformflügels der französischen Sozialisten, kurz und bündig fest.

Kommentare (3)

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Smokie2011

01.02.2012, 12:28 Uhr

Der Handelsblattkommentar hat wenig Tiefgang. Wohin sollen denn die ganzen Produkte verkauft werden, die Frankreich exportieren soll? Alle sollen exportieren, aber wer importiert dann noch? Deutschland kann sogesehen KEIN Modell für andere EU Staaten sein.

Bernd

01.02.2012, 12:36 Uhr

am Deutschen Wesen soll die Welt genesen. Nur, wenn alle die gleiche Dumpinglohn- und Exportpolitik wie wir betreiben: Wer soll dann noch unsere Produkte kaufen?

argelander

01.02.2012, 13:44 Uhr

Der Artikel nennt einen wesentlichen Grund für die Divergenz beider Volkswirtschaften nicht: Frankreich hat sich traditionell "etatistisch lenkend" betätigt, woraus auch die wenigen ebenso großen wie erfolgreichen (z.T. staatlichen oder halb-staatlichen)Unternehmen wie EDF, Dassault etc. entstanden sind. In Deutschland gibt es sehr agile mittelständische Unternehmen weit oberhalb des Handwerkbetreibes in Familienbesitz, die etwa ein Drittel des BIP erwitschaften und proportional noch mehr zu den Ausfuhren beitragen. Deshalb ist das Kalkül Mitterands, das wiedervereinigte Deutschland durch die Einbindung in die EU und v.a den €uro "klein zu halten",nur teilweise aufgegangen.

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