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20.12.2011

00:32 Uhr

Kommentar

Geld allein hilft nicht immer weiter

VonAstrid Dörner

Die Fusion von AT&T und der Telekom-Tochter T-Mobile ist geplatzt. Das ist ein Schlag gegen den Lobbyismus in den USA und eine gute Nachricht für Verbraucher.

Astrid Dörner ist Handelsblatt-Korrespondentin in New York. Pablo Castagnola

Astrid Dörner ist Handelsblatt-Korrespondentin in New York.

Trotz aller Bemühungen: Der US-Konzern AT&T ist mit dem Versuch, T-Mobile USA zu übernehmen endgültig gescheitert. Das ist schlecht für den zweitgrößten Mobilfunker Amerikas und schlecht für die US-Tochter der Deutschen Telekom. Doch es ist ein gutes Signal von den Regulierungsbehörden. Das Justizministerium, das für kartellrechtliche Fragen zuständig ist, und der Netzregulierer FCC hatten beide massive Bedenken geäußert und sie hielten ihrer Meinung stand.

Das Justizministerium hatte im Sommer überraschend eine Klage gegen die Fusion eingereicht. Doch die Horden an Lobbyisten, die AT&T zur Verfügung hatte, konnten die Behörden nicht umstimmen. Auch die vielen Briefe, die die von AT&T geförderte Interessengruppen wie die Allianz der Schwulen und Lesben gegen Diffamierung und der Nationale Bildungsverband an die Regulierer schrieben, blieben ohne Wirkung. Auf das riskante, taktische Manöver, auf das die beiden Unternehmen zuletzt ihre Hoffnungen setzten, ließen sich die Behörden nicht ein.

AT&T hatte den Übernahmeantrag bei der FCC Ende November zurückgezogen. Das Kalkül: Der Konzern wollte erst das Justizministerium für sich gewinnen, dann würde der Netzregulierer der Entscheidung schon folgen. Doch das kam bei der zuständigen Richterin gar nicht gut an. Der Widerstand beider Behörden ist ein Signal an die Unternehmenswelt in dem von Lobbyisten dominierten Amerika: Unternehmen, so groß und so mächtig sie auch seien, müssen mit Argumenten überzeugen, statt mit taktischen Spielchen.

Der Regierung wird die Entscheidung gelegen kommen. Im Fall einer Fusion könnten tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Auch die Rivalen von AT&T werden sich freuen. Verizon muss nicht mehr fürchten, die Marktführerschaft an das fusionierte Unternehmen zu verlieren. Sprint, die Nummer Drei im Markt, bleibt erst einmal nicht als möglicher Verlierer außen vor.

René Obermann haben die US-Behörden nun allerdings in Zugzwang gebracht. Noch im Mai reiste der Telekom-Chef nach Washington , um gemeinsam mit dem AT&T-Chef Randall Stephenson vor dem Kongress ihren umstrittenen Deal zu verteidigen. Damals betonte Obermann immer wieder, dass es zu einer Übernahme durch AT&T für seine US-Tochter keine attraktiven Alternativen gebe. Nun muss er wohl doch eine brauchen.

Kommentare (1)

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opsat

20.12.2011, 22:14 Uhr

Was für ein naiver Artikel.
a) US-Behörden fallen immer wieder damit auf Entscheidungen zuungunsten deutscher Firmen zu treffen - daraus eine Niederlage des Lobbyismus zu machen ist lächerlich.
b) TK-Konzerne haben verglichen mit Pharma und Energieversorgung ohnehin eine schwache Lobby da es kaum Personalaustausch mit der Politik gibt.
c) wenn Politik und Behörden immer so schnell und entschlossen handeln würden wie in diesem Fall hätten wir weniger Probleme. Warum sie es diesmal getan haben? Siehe b) !

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