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06.01.2005

07:00 Uhr

Kommentar

Geld allein reicht nicht

VonSilke Kersting

Die Flutwelle in Südasien hat im Rest der Welt eine enorme Hilfs- und Spendenbereitschaft ausgelöst. Auch die Bundesregierung hat die Hilfe massiv aufgestockt. Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe war das überfällig. Zugleich musste die Politik sich sorgen, sie werde von der Großzügigkeit der Bürger in den Schatten gestellt.

Offen bleibt die Frage, wie sich die 500 Millionen Euro aus deutschem Staatssäckel zusammensetzen. Werden EU-Zahlungen angerechnet und Vereinbarungen des Pariser Clubs über das Stunden oder Erlassen von Schulden für betroffene Länder? Nicht nur Berlin hat schon dafür plädiert, die Schulden etwa des schwer betroffenen Indonesien zumindest zu strecken.

Der Drang zur Hilfe ist groß, doch durchdacht ist sie längst nicht. Der Sinn eines Schuldenmoratoriums darf bezweifelt werden. In den allermeisten Fällen wird es der leidenden Bevölkerung in Südostasien nicht zugute kommen. Die hätte mehr von unmittelbaren Hilfeleistungen. Auch ist es allein mit dem Versprechen, mehr Geld lockerzumachen, nicht getan. Abgesehen von finanztechnischen Fragen, die fast banal erscheinen vor dem Hintergrund weiter steigender Todeszahlen, steht die internationale Gemeinschaft jetzt vor der Aufgabe des Wiederaufbaus.

Die heutige Geberkonferenz in Jakarta muss dazu genutzt werden, eine wesentliche Voraussetzung zu schaffen: Welche Regierung, welche Hilfsorganisation übernimmt welche Aufgaben, um alle Gelder effizient einzusetzen? Das mit Nachdruck zu klären wird die Aufgabe der kommenden Monate, wenn nicht Jahre sein. Das ist wichtig für die Menschen in Asien und liegt im internationalen Interesse. Gleichzeitig ist es eine große Herausforderung: für den Aufbau von Strukturen zu sorgen, die diesen Teil der Welt ein Stück weit sicherer machen. Deutschland sollte hier eine koordinierende Funktion übernehmen. Selbst wenn die Frage nicht im Vordergrund steht: Daran zeigt sich, ob die Bundesrepublik dem Anspruch auf einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat gerecht werden kann.

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