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27.03.2014

11:40 Uhr

Kommentar

Geld geht vor Moral

VonOliver Stock

Siemens-Chef Joe Kaeser hat Wladimir Putin in der Residenz Nowo-Ogarjowo getroffen und die „vertrauensvollen Beziehung“ zu russischen Unternehmen gelobt. Mit seinem Besuch beim Kremlchef hat uns Kaeser blamiert.

Kaeser bei Putin: Geld geht vor Moral

Video: Kaeser bei Putin: Geld geht vor Moral

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Wer seit 160 Jahren intensive Beziehungen zu Russland pflegt, wer schon den Zar, Lenin, Stalin, Chruschtschow und eben jetzt Putin trifft – für den ist die Besetzung der Krim durch Russland eine kleine „Turbulenz“, die sich schon wieder richten wird. So jedenfalls denkt Joe Kaeser, der Chef von Siemens.

Er hat gestern eine Stunde in Putins Vorzimmer gewartet, sich dann mit dem Kreml-Feldherrn an einen Tisch gesetzt und über Geschäfte geplaudert. Der Chef der russischen Eisenbahnen war auch dabei, er steht auf der Liste jener 33 Personen, die außerhalb Russlands Sanktionen fürchten müssen, weil sie Putins Kanonen-Politik besonders tatendurstig unterstützen. Kaeser kümmert das alles nicht. Ihn schert das Säbelrasseln der russischen Seite genauso wenig, wie die Einmütigkeit der westlichen Welt, die das Vorgehen Russlands in der Ukraine verurteilt.

Die Signale, die Kaeser damit aussendet, sind eindeutig. Sie lauten: Das Primat der Politik gilt für ihn nicht. Geld geht vor Moral. Die Rechnung des Machthabers im Kreml wird aufgehen. Sie lautet: Der Westen ist käuflich.

Wir können das beklagen. Und tun das an dieser Stelle: Herr Kaeser das tat weh. Wir können aber auch weiterdenken und sagen: Natürlich wollen wir die Geschäftspartner in Russland nicht verlieren. Aber es gibt Phasen, in denen gewichtige Gründe dafür sprechen, Geschäftsbeziehungen auf Sparflamme zu kochen. Sich einen Teil der Ukraine einzuverleiben ist so ein Grund.

Ein öffentlicher Besuch in Putins Empfangszimmer vor laufenden Kameras steht dem Chef des größten deutschen Industriekonzerns in dieser Phase nicht gut zu Gesicht. Es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei: Kaeser hat uns blamiert.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

27.03.2014, 12:06 Uhr

Sagen Sie bitte etwas zu den Nazis in der Regierung der Ukraine wenn Sie gerade von Moral sprechen.
Vielen Dank.

Account gelöscht!

27.03.2014, 12:18 Uhr

Welche Moral, Hr. Stock, ich frage Sie welche Moral denn???!
Die Moral, dass die EU/USA den Regierungsumsturtz in der Ukraine massiv unterstützt hat um damit ein Macht Vakuum für ihre eigenen Interessen (EU-Nato Aufnahme) zu erreichen!? Und jetzt betreiben Sie von der Medien und unsere Politiker HETZTE gegen JEDEN, der es mit Putin hält...Putin hat einzig und alleine dieses Macht Vakuum nicht zu seinen Nachteil und den Nachteil seiner russischen Bürger in der Ukraine bestehen lassen wollen. Die Krim war russisch und ist für Russland von extrem wichtiger millitär-strategischer Bedeutung!

Und wie gesagt, ideologische (politische) Ansichten gehen und kommen aber eine marktwirtschaftlich freie Partnerschaft bleibt über Jahre hinweg konstant. Verlässliche Partnerschaft in der Wirtschaft ist mehr WERT als heuchlerische und ideologische Werteansichten in der deutschen,EU und US Wirtschafts- und Außenpolitik!

Joe Kaeser hat ALLES RICHTIG GEMACHT! Hut ab, davor!

Account gelöscht!

27.03.2014, 13:11 Uhr

Herr Stock, was halten Sie von folgender Argumentation?

Putin haben die Entwicklungen in der Ukraine doppelt Sorge bereitet: Den Menschen dort ging es im Vergleich zu Russland immer schlechter, und die Annäherung der Ukraine an die NATO gefällt ihm aus historischen/persönlichen Gründen ganz und gar nicht. Putin weiß, dass sich die Krim-Bewohner stärker zu Russland hingezogen fühlen als zur (nun auch noch chaotischen) Ukraine.

Zweitens beobachtet Putin recht genau, dass es westlichen Meinungsmachern, also Journalisten und Politikern, sehr gefällt mit erhobenen Zeigefinger das perfekt Gute zu propagieren (um das perfekt Gute in sich öffentlich darzustellen).

Putin war es Leid, sich mit solchen realitätsfernen Gutmenschen herumzuschlagen, um sie zu überzeugen, ein international anerkanntes Referendum auf der Krim abzuhalten. Also hat er den kürzeren Weg gewählt, um sich und den Menschen auf der Krim einen Gefallen zu tun.

Sanktionen und solche Artikel wie der Ihre, Herr Stock, sind aktiv praktizierter Kalter Krieg. Wirtschaftliche Beziehungen wie von Siemens und vielen, vielen anderen Firmen förderen dagegen die Werte für die wir stehen: mehr Wohlstand unterstützt das individelle Verlangen nach Freiheit und Mitbestimmung.

Herr Stock, vielleicht sind Sie wie ein schlechter Vater, der immer nur meckert, statt auf die vorhandenden Fehler der sich Entwickelnden (Kinder/Russland) Rücksicht zu nehmen und freundlich und beharrlich als Vorbild zu erziehen.

Lesen Sie (noch)mal die Rede von Putin vor dem Bundestag im Jahr 2001. Er hat uns damals die Hand ausgestreckt, wahrscheinlich sogar ehrlicherweise. Wir haben sie ausgeschlagen, weil wir nur das perfekt Gute akzeptieren. Wie haben die Medien über die Olympiade in Sotschi gemeckert! Unser Bundespräsident hat die Spiele sogar boykottiert, Kalter Krieg eben.

War das schlau? Was haben wir erreicht? Das Gegenteil von dem was wir wollten.

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