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06.05.2012

19:32 Uhr

Kommentar

Griechenland droht das politische Chaos

VonGerd Höhler

Wut war die wichtigste Motivation für die Wähler in Griechenland. Doch die Zersplitterung der Parteilandschaft droht das Land weiter zu spalten. Griechenland droht neben dem finanziellen Desaster ein politisches Chaos.

Gerd Höhler ist Korrespondent in Athen. Judith Wagner

Gerd Höhler ist Korrespondent in Athen.

Die Griechen haben abgestimmt. Wofür, das ist angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse im neuen Parlament aus diesem Wahlergebnis schwer herauszulesen. Diese Wahl war vor allem ein Votum der Wut.

Sparen, sparen, sparen: Dieses Rezept sollte Griechenland vor dem drohenden Staatsbankrott retten. Die Pleite wurde zwar vorerst abgewendet. Aber die Sanierung der Staatsfinanzen wird mehr und mehr zu einer Rosskur. Die Medizin, die Griechenlands Gläubiger dem Land verschrieben haben, zeigt schlimme Nebenwirkungen. Die Wirtschaft rutscht immer tiefer in die Rezession, die Arbeitslosenzahlen steigen von Monat zu Monat, immer mehr Menschen rutschen in die Armut und ins Elend ab. Unter jetzt bahnt sich im Mutterland der Demokratie auch noch ein politisches Chaos an.

Nach den Wahlen

Stimmzettel als "Denkzettel"

Nach den Wahlen: Stimmzettel als "Denkzettel"

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Bei der Parlamentswahl am Sonntag haben die beiden großen Parteien, die den Sparkurs stützten, die Quittung für ihre Politik bekommen. Vor allem die Sozialisten, die zwei Jahre lang das Land allein regierten, bekamen den Zorn der Wähler zu spüren. Schon in Umfragen vor der Wahl erklärte fast jeder Zweite, er wolle mit seiner Stimmabgabe vor allem „protestieren und bestrafen“.

Aber Wut ist kein guter Ratgeber. Wer wählt um zu strafen, läuft Gefahr, am Ende sich selbst zu schaden. Die politische Polarisierung und die Zersplitterung der griechischen Parteienlandschaft drohen das Land unregierbar zu machen und noch tiefer ins wirtschaftliche Elend zu stürzen. Griechenlands Gläubiger setzten auf eine Fortsetzung der konservativ-sozialistischen Koalition. Dafür scheint es rechnerisch nicht zu reichen.

Kommentare (34)

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06.05.2012, 19:50 Uhr

"Griechenlands Wirtschaft braucht deshalb Wachstumsimpulse."

Das schänfärberische Neusprech mal beiseite gelassen, also Doping. Abgesehen von der mangelnden Nachhaltigkeit solcher nur kurzfristig wärmenden Strohfeuer, die langfristig immer mehr Substanz kosten, ist Deutschland völlig überfordert. Es kann ja wohl auch nicht sein, dass wir uns auf Dauer die Wettbewerbsfähigkeit mit Blick auf China -die wirkliche Herausforderung der EU!- vom Munde abhartzen, um dann endlose Beschäftigungstherapien für von einer Hartwährung überforderte und/oder deren Prinzip nicht verstehenden oder ablehnende Länder zu finanzieren. Der Euro war in dieser Breite und ohne die mangelnden Schritte zur Angleichung der Politik ein kardinaler Fehler und muss nun geordnet (mindestens teil-)rückabgewickelt werden. Allen die versuchen, sich mit teuren Strohfeuern noch ein bisschen an ihren Illusionen wärmen zu können, gehört die rote Karte gezeigt - unverzüglich!

Oldi

06.05.2012, 19:55 Uhr

politisches Chaos in Griechenland? Als ob das was Neues wäre.

PapiRazzi

06.05.2012, 20:00 Uhr

"Griechenlands Wirtschaft braucht deshalb Wachstumsimpulse."

Hätte es schon vor zwei Jahren gebraucht, was sicher auch nicht das Problem wäre. Das Problem ist, dass die Missstände, Korruption, Steuerhinterziehung, effektive Kontrolle der Unternehmenseinnahmen, etc. noch immer nicht gewährleistet sind und dadurch die Wachstumsförderungen im Sumpf versinken.

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