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09.11.2012

15:14 Uhr

Kommentar

Grüne-Urwahl fordert ein großes Opfer

VonStefan Kaufmann

Die Grünen klopfen sich für ihre Mitgliederbefragung auf die Schulter. Dabei wird die Suche nach einem Spitzenduo das Machtgefüge der Partei verschieben – und mindestens eine grüne Ikone beschädigen.

Es kann nur eine geben: Claudia Roth oder Renate Künast dapd

Es kann nur eine geben: Claudia Roth oder Renate Künast

DüsseldorfIn Berlin erreicht eine bundespolitische Premiere am Samstag um 10 Uhr ihren Höhepunkt: Dann verkünden die Grünen das Ergebnis ihrer Urwahl-Abstimmung. Noch nie hat eine deutsche Partei ihre Mitglieder entscheiden lassen, welche Köpfe sie in die Bundestagswahl führen sollen. Entgegen der häufig kritisierten Hinterzimmerklüngelei ist die grüne Urwahl ein starkes basisdemokratisches Signal. Zurecht klopfen sich die Beteiligten dafür auf die Schulter und überspielen die Gefahr, die dieser Abstimmung innewohnt. Denn während die Politik gewinnt, wird es einen großen Verlierer geben: Es dürfte Claudia Roth oder Renate Künast treffen.

Stefan Kaufmann ist Redakteur bei Handelsblatt Online. Stefan Kaufmann

Stefan Kaufmann ist Redakteur bei Handelsblatt Online.

Gemessen an der Wahlbeteiligung von fast 62 Prozent ist die Urwahl schon jetzt ein Erfolg: 59.266 Mitglieder wurden zur Urwahl aufgerufen. 36.533 Grüne sind diesem Aufruf gefolgt. Und die Grünen in den Ländern freut es, gefragt zu werden. So twittert an diesem Freitag beispielsweise David Vaulont, Jahrgang 1988, aus Freiburg: „Das ist Basisdemokratie! Super Wahlbeteiligung: 61,64% unserer Mitglieder haben bei der #Urwahl mitgemacht! Toller Laden!“ Positiver Nebeneffekt: Die Motivation von Aktivisten wie Vaulont, im Bundestagwahlkampf auf den Straßen dieser Republik für die eignen Spitzenkandidaten zu werben, wird umso größer sein, wenn sie zuvor selbst bestimmen durften, welche Köpfe von den Plakaten lächeln.

Grünen-Urwahl: Auf der Suche nach dem Spitzenduo

Grünen-Urwahl

Auf der Suche nach dem Spitzenduo

Zwei Drittel der Grünen haben an der ersten Urwahl einer deutschen Partei teilgenommen.

15 Kandidaten haben sich in den vergangenen Monaten um das Amt des Spitzenkandidaten beworben. Tatsächliche Chancen auf einen der beiden Plätze können aber nur den vier Spitzenpolitikern eingeräumt werden: den beiden Fraktionsvorsitzenden Jürgen Trittin und Renate Künast, der Parteichefin Claudia Roth und Bundestagsvize-Präsidentin Katrin Göring-Eckhardt.

Claudia Roths Verdienst ist es, dass es überhaupt zu der Urwahl-Premiere gekommen ist. Ihr Aufschrei nach Trittins Vorpreschen und der anschließende Protest der Realos, die sich nicht von zwei Spitzenkandidaten aus dem linken Lager führen lassen wollten, machte die Befragung der Basis notwendig. Natürlich loben nun alle Beteiligten die Idee, doch insbesondere Roth und Künast machen dabei gute Miene zum bösen Spiel. Denn Trittin scheint gesetzt und an seiner Seite ist nur Platz für eine Frau.

Spitzenkandidaten: Trittin, Künast und die 13 Zwerge

Spitzenkandidaten

Trittin, Künast und die 13 Zwerge

Die Grünen konnten sich nicht auf die Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl einigen.

Das bedeutet, dass die Urwahl die parteiinternen Machtkämpfe massiv befeuert. Definitiv wird die Abstimmung das Machtgefüge der Grünen verschieben, mindestens eine grüne Ikone wird beschädigt sein. Entweder Renate Künast, die lange gebraucht hat, um sich von der Pleite bei der Landtagswahl 2011 in Berlin zu erholen. Eine weitere Wahlniederlage würde ihre Position weiter schwächen. Gleiches gilt für Claudia Roth. Scheitert sie bei der Urwahl, wäre das ein erheblicher Rückschlag auch für ihre Karriereplanung. Schließlich will sie sich ohne diesen Makel auf dem Parteitag in der kommenden Woche erneut zur Bundesvorsitzenden wählen lassen.

Basisdemokratie hin, Basisdemokratie her: Letztlich geht es bei dieser Urwahl auch um die Zukunft zweier grüner Persönlichkeiten.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

09.11.2012, 17:03 Uhr

Liebes HB,

bitte verseht das Foto wenigstens mit einem Warnhinweis für zumindest Nicht-Volljährige:
"Achtung, der Anblick dieses Foto könnte irreparable Schäden für Ihr zukünftiges Leben verursachen".

Ich gebe offen zu, dass das weder politisch korrekt noch höflich ist. Ich entschuldige mich auch dafür. Aber mir ist vor Schreck die Kaffeetasse umgekippt, und ich bin schon lange volljährig. Da will ich nicht wissen, welche Albträume ein 10-jähriger bekommen würde...

Schreck_lass_nach

09.11.2012, 17:06 Uhr

Die sehen ja aus wie beim Casting für die Geisterbahn.
Grün macht vorzeitig alt.

sadelux

09.11.2012, 17:34 Uhr

Keine Sorge - seid dem Kindergarten sind wir genau solche Bilder gewohnt.
.
Inklusive der banalen, heißen Luft die durchgehend aus den entsprechenden Mündern kommt. Da ist es nur konsequent, dass eben diese Parteibasis auch die dazu passenden Ikonen wählt.
.
Aber keine Sorge - wie ein anderer Artikel dargelegt hat, rutscht Deutschland auch nach 2016 kontinuierlich weiter in die Bedeutungslosigkeit ab.
.
Und genau wie in der Schule sind diese Fakte völlig irrelevant für die Pseudorealität des Klassenzimmers, bzw. der entsprechenden Parteibasis.

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