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08.03.2012

22:14 Uhr

Kommentar

Gut, dass Öl so teuer ist

VonUlf Sommer

Die massiv gestiegenen Ölpreise bereiten den Verbrauchern und vielen Unternehmen sorgen. Und doch sind sie auch ein gutes Zeichen: Sie künden von gestiegener Nachfrage, die Firmen drängen sie zu mehr Effizienz.

Eine Zapfpistole an einer Tankstelle im bayerischen Rosenheim: Bei den Autofahrern sorgen steigende Ölpreise regelmäßig für Empörung. ap

Eine Zapfpistole an einer Tankstelle im bayerischen Rosenheim: Bei den Autofahrern sorgen steigende Ölpreise regelmäßig für Empörung.

„Oil is the new Greece“, titelte Chefvolkswirt Stephen King von der britischen Großbank HSBC seinen jüngsten Ausblick. Die Botschaft des Titels lautet: Der steigende Ölpreis droht die Konjunktur abzuwürgen und die Börsenkurse zu drücken – so wie es einst die Schuldenkrise um Griechenland fast vermocht hätte.

Die Argumentation der Skeptiker erscheint angesichts des seit vergangenem Herbst um 40 Prozent gestiegenen Rohölpreises auf den ersten Blick einleuchtend: Für die vielen Industriefirmen verteuert sich die Produktion. Dadurch steigen die Preise. Zugleich haben die Verbraucher weniger Geld in der Tasche, weil ihre Öl-, Gas- und Benzinrechnungen steigen. All das schmälert die Firmengewinne. Diese alten Lehrbuchweisheiten sind im Prinzip immer noch richtig, greifen allerdings zu kurz.

Grund für den rasanten Ölpreisanstieg ist die hohe Nachfrage der Industrie- und Schwellenländer. Der Streit mit Iran über sein Atomprogramm und die von Teheran angedrohte Sperrung der Öltransportroute über das Meer verstärkten zuletzt den Anstieg – und rufen Erinnerungen an die Ölkrise der 1970er-Jahre wach.

Ulf Sommer ist Handelsblatt-Redakteur. Pablo Castagnola

Ulf Sommer ist Handelsblatt-Redakteur.

Vordergründig betrachtet wirken sich steigende Ölpreise immer noch negativ auf die Konjunktur aus. Besonders für Automobil- und Chemiefirmen wie Volkswagen und BASF steigen die Produktionskosten. Solange sie diese komplett an ihre Endkunden weitergeben können, erhöhen sich zwar die Umsätze. Doch sobald sich die Abnehmer zurückhalten, sinken die Gewinne.

Allerdings ist die Wirtschaft zumindest in den entwickelten Industriestaaten dank steigender Ölpreise in den vergangenen Jahren immer energieeffizienter geworden. Die Abhängigkeit vom Öl ist gesunken. Die Zeiten, in denen Analysten gern runde Preismarken von 50 Dollar und später 100 Dollar pro Fass aufriefen, ab denen der Ölpreis die Konjunktur angeblich abwürgt, sind vorbei. Deutschlands klassische Industriekonzerne wie Daimler, Linde und Siemens wurden sehr gut damit fertig, dass der Ölpreis in den letzten zehn Jahren um 250 Prozent gestiegen ist. Die Gewinne der Unternehmen legten noch stärker zu.

Branche im Fokus: Welche Öl-Aktien vom Preisanstieg profitieren

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Welche Öl-Aktien vom Preisanstieg profitieren

Die Preise für Öl steigen rasant, die Kurse der Ölaktien ebenso. Einige Papiere legten in den vergangenen drei Monaten mehr als 30 Prozent zu. Welche Aktien vom Ölpreisboom profitieren.

Die vergangenen zwei Jahrzehnte zeigen, dass sich Konjunktur, Firmengewinne und Aktienkurse ausgerechnet dann besonders gut entwickelten, wenn der Ölpreis stieg. Umgekehrt schwächelten die Konjunktur und die Börsen, wenn der Preis fiel. Spektakuläres Beispiel ist 2008, als der Ölpreis in nur vier Monaten um 110 Dollar auf 35 Dollar pro Fass fiel. Keineswegs beflügelte der lang ersehnte Preisverfall anschließend die Konjunktur, weil die Unternehmen plötzlich preiswerter produzieren konnten. Stattdessen brach die Weltwirtschaft ein. Deutschland rutschte in die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte.

Kommentare (12)

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Kritiker

09.03.2012, 00:59 Uhr

Vor allen Dinge steigt der Ölpreis, weil die Banken wieder mit Geld seitens der EZB zugeschüttet wurden. Und das Geld fliesst eben am gewinnbringensten in die Rohstoffmärkte bzw. hier ins Öl ! So sind die Longpositionen der Banken und Hedgefonds auf einem rekordverdächtigen Stand. Das ist der Preistreiber - aber darüber will man offensichtlich nichts schreiben !!! Bloß nichts Negatives zu den Banken sagen, lautet wohl das Motto. Wenn alle institutionellen Anleger ihre Longposition verkaufen würden, würde der Ölpreis mit Sicherheit mal 25 % abstürzen !!! Oder ncoh mehr !!!

Die Positionen kann sich jeder be der CFTC ansehen !!! Wir retten Banken mit unserem Steuergeld und als Dank dafür, dass wir sei gerettet haben, spekulieren diese am Rohölmarkt. An der Tankstelle retten/fördern wir die Gewinne der Banken dan zum zweiten Mal !

Kea

09.03.2012, 01:17 Uhr

"Sie künden von gestiegener Nachfrage, die Firmen drängen sie zu mehr Effizienz."

Das mit der Effizienz durch gesteigerte Effektivität der verbrauchenden Maschinen darf man getrost als gutes Zeichen hinnehmen - langfristig. Aber nichts kündet momentan von gestiegener, realer Nachfrage. Eher handelt es sich um ein durch politische Unruhen verknapptes Angebot und die dadurch als Chance wahrgenommene Gewinnerwartung verschiedener Spekulanten durch sofortigen Ankauf, was zu einer unnatürlichen Nachfrage und den dadurch entstehenden Zwang der Mehrpreisbezahlung durch die Konsumenten führt, was ich als volkswirtschaftlichen Schaden empfinde und was - wären wir keine asoziale Staaten- und Interessensakkumulation - deshalb strafrechtlich verfolgt werden müsste.

nanoflo

09.03.2012, 04:32 Uhr

Vor allen Dingen hat der Benzinpreis offensichtlich nichts mit dem Ölpreis zu tun.
Sonst müsste der 20 cent billiger sein.
Beispiel 2009 hat diesel bei um die 50 Dollar 1.05 € gekostet(in Nürnberger Gegegnd)
Die Ölmultis schieben immer irgend einen Grund vor.
Sonst müsste der Benzinpreis bei Rohöl/Euro-Dollar Verhältnis immer gleich kosten.
Da dieser aber offensichtlich 20-30 Cent zu teuer ist (bei 160 dollar/Barell hat Benzin auch nicht mehr gekostet als jetzt) muss der Staat eingreifen.Das ist Wilkür.

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