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02.01.2012

15:04 Uhr

Kommentar

Halten Sie durch, Herr Präsident!

VonOliver Stock

Wir brauchen keinen Bundespräsidenten, den die Bild-Zeitung aus dem Amt jagt. Wir brauchen aber einen, der in die Offensive geht und das Amt des Bundespräsidenten endlich so ausfüllt, wie es angelegt ist.

Oliver Stock

Oliver Stock, stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts

Der Bundespräsident telefoniert mit der Mailbox des Chefredakteurs der Bild-Zeitung. Von diesem Telefonat haben, wenn alles mit rechten Dingen zugegangen ist, zwei Menschen gewusst: der Anrufer und der Angerufene. Drei Wochen später findet sich der Wortlaut dessen, was auf der Mailbox zu hören war, in zwei Zeitungen wieder. Christian Wulff dürfte nicht derjenige gewesen sein, der ein Interesse daran gehabt hat, dass dieses Telefonat öffentlich wird. Wer also hat geplaudert? Eben.

Die Szene zeigt zweierlei. Erstens: Auf Wulff hat eine mediale Hetzjagd begonnen. Und: Wulff hat den Zeitpunkt diese Jagd selbst zu beenden, längst verpasst. Er hat sich hoffnungslos in den Fangseilen verheddert, die all diejenigen auswerfen, die aus purem Jagdeifer unterwegs sind. Gerade deswegen sage ich aber: Halten Sie durch, Herr Präsident! Schlagen Sie diesen Jägern einen Haken! Wir brauchen keinen Bundespräsidenten, den die Bild-Zeitung aus dem Amt jagt.

Was wir allerdings brauchen, ist ein Bundespräsident, der sich der Wahrheit verpflichtet fühlt. Einen, der weiß, dass die halbe Wahrheit eine ganze Lüge ist und einen, der nicht scheibchenweise immer das zugibt, was in der Öffentlichkeit sowieso schon Allgemeingut geworden ist. Bisher sieht es noch so aus, als haben Sie, Herr Wulff, genau das zu Ihrem Prinzip erklärt. In der Affäre um den Privatkredit wird sich dieser Eindruck auch nicht mehr beseitigen lassen. Meine Hoffnung ist aber: Sie lernen daraus, Herr Präsident.

Meine Hoffnung ist auch, dass Sie sich diese Chance verdienen. Und zwar dadurch, dass Sie das Amt des Bundespräsidenten endlich so ausfüllen, wie es angelegt ist: Es ist ein Amt für jemanden, der mutige Worte findet. Für jemanden, der einen Standpunkt hat, ohne andere auszugrenzen. Für jemanden, der in einer Krise das Ziel vorgibt, für das sich der Einsatz lohnt. Der sagt, warum wir den Euro verteidigen wollen und wie viel uns das Ganze wert sein muss. Der sagt, warum die Energiewende in Deutschland richtig ist und unseren Nachbarn erklärt, dass es sich lohnt, dem deutschen Beispiel zu folgen. Der deutlich macht, wie viel Hilfe Banken brauchen dürfen, wenn Krise herrscht und wo die Grenze ist.

Davon sind Sie, Herr Wulff bislang ziemlich weit entfernt. Mit Ihrer Sprachlosigkeit bei den entscheidenden Fragen, haben Sie sich so sehr geschadet, dass Sie eine an sich banale Frage wie die nach Ihrem privaten Kredit bereits in politische Not bringen konnte. Damit muss Schluss sein. Herr Wulff, Sie haben das Wort!

Kommentare (139)

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Durchhalten

02.01.2012, 15:07 Uhr

Genau - halten Sie durch, Herr Präsident. Denn nur so kann noch zu Tage kommen, was an weiteren Leichen in Ihren Kellern lagert. Wenn Sie erst einmal aus dem Amt sind, kräht da kein Hahn mehr nach. Deshalb: Halten Sie durch...

Account gelöscht!

02.01.2012, 15:10 Uhr

Herr Stock, Sie empfehlen einem aufgeflogenen Lügenpolitiker mit einem Geiz ist Geil-Charakter, der auch noch seltsamerweise Bundespräsident ist, einfach durchzuhalten bis sich die Entrüstung gelegt hat. Sie scheinen auch kein Gespür für Anstand und Ehre zu haben.

nds-dietmar

02.01.2012, 15:19 Uhr

...und Sie, Herr Stock, sind der Ansicht, Herr Wulff sollte im Amt verbleiben und sich nicht von der BILD-Zeitung aus dem Amt jagen lassen. Wie wäre es damit: Wir brauchen keinen Bundespräsidenten, den das HANDELSBLATT im Amt behalten möchte.
Was hat diese Person in seiner Funktion geleistet? Null, in der freien Wirtschaft hätte er ja die "Probezeit" mangels Leistung und Erfolg nicht überstanden. Aber so ist es halt: Wir werden repräsentiert von einer DOPPEL-NULL, darunter verstehe ich Bundespräsident und Bundeskanzlerin, die mit ihren dirigistischen Maßnahmen EUROPA auf's Spiel setzt.

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