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06.01.2012

15:29 Uhr

Kommentar

Hildebrand ist noch nicht aus dem Schneider

VonHolger Alich

Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank konnte mit seiner öffentlichen Erklärung zwar glaubhaft machen, dass seine Frau den umstrittenen Devisenkauf getätigt hat. Aber die Affäre ist noch lange nicht ausgestanden.

Philipp Hildebrand: Trotz des öffentlichen Auftritts bleiben viele Fragen offen. AFP

Philipp Hildebrand: Trotz des öffentlichen Auftritts bleiben viele Fragen offen.

Philipp Hildebrand, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, hat mit seinem öffentlichen Auftritt zu der Insideraffäre ohne Zweifel Punkte gut machen können. Denn er konnte glaubhaft machen, dass der umstrittene Devisenkauf vom 15. August - drei Wochen vor Festlegung der Euro-Franken-Kursgrenze -  von seiner Frau getätigt wurde, und nicht von ihm. Dennoch bleiben offene Fragen. Die Affäre ist noch nicht ausgestanden.

Spät, aber nicht zu spät, kam Hildebrands öffentliche Erklärung zu der Affäre. Er räumte ein, dass der umstrittene Devisenkauf von seiner Frau vom 15. August ein Fehler war. Er hätte das Geschäft rückgängig machen sollen. Dieses Wort des Bedauerns waren dringend notwendig.

Aber es bleibt die Frage, warum seine Frau eigentlich mit dem Konto ihres Mannes herumzockt. Warum hat sie das nicht über ihre eigenen Konten abgewickelt?

Schweizer Notenbankchef: Hildebrand vermutet politische Motive hinter Vorwürfen

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Der Schweizer Notenbankchef Hildebrand lehnt in der Affäre um den umstrittenen Dollar-Kauf seiner Familie einen Rücktritt ab. Ein politischer Gegner hatte die gestohlenen Bank-Unterlagen der Regierung zugespielt.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum Hildebrand einen Teil seiner Dollar-Bestände im Oktober verkauft hat, wenn ihm doch bereits im August klar war, dass der August-Kauf seiner Frau als heikel einzustufen ist. Denn streng betrachtet verletzt er mit dem Dollar-Verkauf von Oktober die vorgeschriebene Haltefrist von sechs Monaten, gerechnet ab dem Kaufdatum von August.

Nur mit dem buchhalterischen Kunstgriff des „Fifo“ (First in, first out) konnten die PwC-Prüfer diesen Okotber-Verkauf noch als regelkonform einstufen. Denn die Prüfer taten dabei so, als seien nicht Dollar aus dem August-Kauf im Oktober veräußert worden, sondern jene, die Hildebrands bereits im März gekauft hatten. Auf diese Weise erachteten sie die sechsmonatige Haltefrist als gewahrt an. Auf dem Konto wird aber nicht zwischen Dollar vom März oder August unterschieden; dort gibt es nur eine Dollar-Position.

Wirtschaftsprüfung ist keine unfehlbare Wissenschaft, die Prüfer haben Ermessensspielraum. Es drängt sich der Eindruck auf, als sei dieser Spielraum zugunsten Hildebrands genutzt worden. Dabei gerät ins Blickfeld, dass PwC auch die Bilanzen der SNB prüft. Das lässt die Frage zu, wie unabhängig wirklich PwC bei der Untersuchung war.

Die Politik scheint nun einen Schlussstrich unter die peinliche Affäre ziehen zu wollen, die den Ruf des Finanzplatz Schweiz zu beschädigen droht. Außer von der rechtskonservativen SVP des Christoph Blochers - die sich seit langem als regelrechte Feinde Hildebrands in Stellung bringen - fordert niemand den Rücktritt des SNB-Chefs.

Dank seiner unbestreitbar erfolgreichen Arbeit als Notenbanker mit der Einführung der Kurs-Grenze genießt er offenbar Kredit. Doch dieser Wohlwollens-Kredit dürfte nun aufgebraucht sein.

Sollten in den nächsten Tagen neue Tatbestände ans Licht kommen, die eine Neubewertung der Vorfälle verlangen, könnte es noch einmal eng für den SNB-Chef werden. Etwa, wenn herauskommen sollte, dass die August-Zockerei kein Einzelfall war, und die Hildebrands in der Vergangenheit des Öfteren hier und da mit Devisen im großen Stil auf eigene Rechnung in kurzen Zeitabständen gehandelt haben.

 

Kommentare (1)

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MIRO

06.01.2012, 15:46 Uhr

Natürlich haben die Transaktionen seine Frau getätigt.
Wer sonst, so blöde ist der Herr Hildebrandt auch nicht.
Wie naiv seid ihr eigentlich.
Fehlt jetzt nur noch die Behauptung von ihm,dass er mit seiner Frau nichts zu tun hat, oder noch besser, er kennt diese Dame überhaupt nicht

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