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02.10.2012

14:45 Uhr

Kommentar

Höchstens gut gemeint

VonOliver Stock

Die Bank der Zukunft ist noch nicht erfunden. Daran ändert auch das jüngste Expertenpapier aus Brüssel nichts. Es hinterlässt mehr Fragen als Antworten.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online. Pablo Castagnola

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

DüsseldorfWunderbare neue Welt! Da trennen wir die Zocker aus dem Investmentbanking vom sauberen Rest einer Bank ab - und schon ist die Gefahr einer Bankenrettung durch den Staat, gebannt. Wenn es doch so einfach wäre!

Die Experten um den finnischen Notenbankchef Erkki Liikanen und den ehemaligen Risikovorstand der deutschen Bank Hugo Bänziger schlagen vor, „den Eigenhandel mit Wertpapieren und Derivaten und andere eng damit verknüpfte Aktivitäten“ vom Rest der Bank abzutrennen. Das klingt gut. Es klingt so, als würde das Geld von Kunden geschont, wenn sich die Jungs vom Eigenhandel mal wieder verspekuliert haben. Und es hört sich so an, als würde die abgetrennte Investmentbank jederzeit dicht machen können, ohne dass das verheerende Folgen für die ganze Bank oder sogar eine ganze Volkswirtschaft haben könnte.

Doch was gut klingt, ist noch lange kein Konzept für die Wirklichkeit. Der Vorschlag der Experten beinhaltet mehr Fragen, als dass er eine Lösung aufzeigt.

Erstens weiß niemand, was tatsächlich mit Eigenhandel genau gemeint sein könnte. Es geht um Kauf und Verkauf von Wertpapieren, Devisen und Derivaten, Routine für eine Bank also. Er soll, so fordern die Experten, dann vom Kerngeschäft einer Bank getrennt werden, wenn er auf eigene Rechnung stattfindet. Der Gedanke dahinter: Eine Bank, die auf eigene Rechnung handelt, spekuliert - und genau das soll sie nicht.

Was die Experten überhören, ist, dass die deutschen Geldhäuser durch die Bank weg beteuern, Eigenhandel nur noch zum Wohle ihrer Kunden zu betreiben. Die Grenze, wo der Handel im Interesse von Kunden und wo er allein aus eigenem Bankeninteresse abgewickelt wird, ist mindestens unscharf. Ja, sie ist sogar dehnbar mit der Folge, dass derzeit fast alle Geldhäuser dabei sind, den Eigenhandel umzuinterpretieren.

Zweite Hürde für den Experten-Vorschlag: Eine rechtlich selbständige Investmentbank, die aber doch durch ein gemeinsames Dach mit dem Rest der Bank verbunden ist, führt schnell zu ungeordneten Familienverhältnissen. Spekuliert sich die Investmentbank in Grund und Boden, zieht sie unweigerlich auch anderer Teil des Unternehmens in den Abgrund. Denn zumindest der Ruf des ganzen Geschäfts ist ruiniert, wenn die eine Hälfte pleite macht. Was das für Aktienkurs und Kundenvertrauen bedeutet, können sich diejenigen, die im sicheren Teil der Bank arbeiten, in grellen Farben ausmalen.

Dass schließlich eine Bank durch das bloße Aufbewahren und Verleihen von Geld in einer Niedrigzinsphase wenig Gewinn machen kann, ist auch den Experten klar. Also muss sie investieren, was angesichts von Staatsanleihen, die wenn sie sicher sind, keine Rendite bringen, ein immer risikoreicheres Geschäft geworden ist. Niedrige Zinsen, kaum Rendite auf sichere Staatsanleihen - all das sind Folgen der Finanz- und Schuldenkrise. Wir bezahlen für diese Krise den hohen Preis zunehmender Unsicherheit.

Die Liikanen-Gruppe kennt diese Probleme. Dass sie sich dennoch nicht scheut, ihren Vorschlag zu machen, ist gut gemeint. Manchmal ist das leider das Gegenteil von richtig gut.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

03.10.2012, 07:52 Uhr

die Kritik überzeugt mich noch weniger als der Vorschlag.

Account gelöscht!

03.10.2012, 09:34 Uhr

Die Bank von morgen ist noch nicht erfunden, aber deren Umrisse kann man schon sehen, wenn man bereit ist, die Veränderungen zu erkennen.
Durch die schnelle Entwicklung von Internet und Social Media sind Banken heute gezwungen, eigene Geschäftsmodelle anzupassen. Gleichzeitig sind sie immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Das ist und bleibt das Kerngeschäft der Banken. Meine Analyse zeigt, dass es zur Zeit genug Geld anwesend ist, aber es leider nicht strömt, und dass es regelmäßig zu Staus auf den „Geldautobahnen“ kommt. Was kann man dagegen tun?
Nehmen wir hier Crowdfunding. In ganz Europa sind zahlreiche Crowdfunding-Netzwerke bekannt: z.B. www.gruender-garage.de oder www.omanet.ch. Dort können die Unternehmer um die Bank herum die Finanzierung für eigene Projekte regeln. Und das sind zum Teil Menschen, die mit der Idee aufgewachsen sind, dass man für Geld immer zur Bank gehen muss. Und jetzt lassen sie Bank als Kreditinstitut außer Spiel und probieren woanders die finanziellen Mittel zu regeln.
Das würde bedeuten, dass traditionelle Unternehmen in zunehmendem Masse auch dasselbe tun werden. Immer mehr „Leihgruppen“ werden dazukommen.
Was müssen die Banken nun tun? Handeln ! Probieren Sie als Bank sich aktiv an Crowdfunding-Projekten zu beteiligen. Kreieren Sie „neue Kombinationen“! Nehmen Sie vielleicht einige Crowdfunding-Plattformen in die eigene Strategie auf, und verweisen Sie Ihre Kunden auf diese Finanzierungsmöglichkeiten. Verbinden Sie als Bank Ihren guten Ruf und Ihren Namen mit solchen Plattformen als Garantie für die finanzielle Sicherheit. Ihre Kunden wären Ihnen dafür sicher sehr dankbar. Natürlich bedeutet es einen Umbruch der im Laufe mehrerer Jahrhunderte gebildeten Mentalität, ist aber nötig, um überleben zu können. Und über Crowdfunding kommen die Geldströme wieder in Bewegung.

azaziel

03.10.2012, 10:29 Uhr

1) Bank Manager muessen im Interesse ihre Aktionaere handeln! Boni sind in Ordnung, wenn sie denn von den Eigentuemern festgelegt werden und nicht von den Managern selbst zum Nachteil ihrer Aktionaere. Manager haben sich mit riskanten Geschaeften (Staatsanleihen) zum Nachteil ihrer Aktionaere bereichert.

2) Der Filz zwischen Bank Managern und staatlichen Kreditnehmern muss unterbunden werden! Staaten wenden ueble Tricks an, um den Kreditfluss an bereits ueberschuldete Staaten aufrechtzuerhalten. Der Umstand, dass Staatliche Anleihen mit weniger Eigenkapital unterlegt werden muessen, als andere Geschaefte lenkt Kredite in hochriskante Staatsanleihen und laesst die Kredite an die Wirtschaft schrumpfen. Ueber ihre selbst festgelegten Boni verdienen Bankmanager praechtig daran.

3) Es muss endlich wieder dem Prinzip der vollstaendigen Glaeubigerhaftung Geltung verschafft werden. Wer ein Risiko eingeht, muss dafuer auch haften. Banken muessen pleitegehen koennen!

4) Einlagensicherung dient nur dem Ziel, den Eindruck zu erwecken, die Einlagen seien sicher und die Staatskreditorgie koenne weitergehen. Abgesehen davon ist es absurd, Versicherungen abschliessen zu koennen, die auch Altschaeden vor dem Zustandekommen der Versicherung zu begleichen.

4) Banken duerfen nicht so gross werden, dass sie das System gefaehrden! Da grosse, systemreevante Banken auch eine zu grosse Marktmacht besitzen ist die Kartellgesetzgebung ein vielversprechender Ansatz.

5) Bankenrettung durch Steuerzahler ist absurd! Nicht nur werden Steuergelder veruntreut, es wird auch ein krankes System aufrechterhalten, wenn man todsterbenskranke Institute am Leben haelt.

6) Der Staat hat seine Regulierungsmoeglichkeiten zu seinem unfairen Vorteil genutzt (siehe niedrige Eigenkapitalunterlegung von Staatskrediten). Viel wichtiger als Regulierung ist Transparenz, damit Kunden und Geschaeftspartner der Banken das Risiko einschaetzen koennen. Wenig ist hier geschehen. Im Gegenteil, der Umgang mit Stresstest

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