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21.03.2013

17:22 Uhr

Kommentar

Hohe Einkommen müssen stärker besteuert werden

VonHans Christian Müller-Dröge

Die neuen Zahlen der Bundesbank zeigen: Top-Löhne und hohe Kapitaleinkommen müssen stärker besteuert werden. Von einer Vermögensteuer sollte der Staat hingegen die Finger lassen – aus Gründen der Verlässlichkeit.

Der Bericht der Bundesbank zeigt, dass die Vin Deutschland extrem ungleich verteilt sind. Reuters

Der Bericht der Bundesbank zeigt, dass die Vin Deutschland extrem ungleich verteilt sind.

Als letztes Jahr der erste Entwurf des „Armuts- und Reichtumsbericht“ der Bundesregierung durchsickerte, war der Aufschrei groß – zeigten die Daten doch, dass die Schere zwischen Arm und Reich beim Vermögen weiter auseinander geht. Die linken Parteien in Deutschland nahmen das zum Anlass für eine donnernde PR-Kampagne – und forderten, das Vermögen in Deutschland endlich wieder zünftig zu besteuern, sei es nun mit einmaligen Abgaben oder mit einer regelmäßigen Steuer.

Die neuen Zahlen der Bundesbank, die jetzt eine noch weitere Spreizung des Vermögens in Deutschland zeigen, dürften ihnen neuen Schub bringen: Denn die zehn Prozent reichsten Haushalte verfügen demnach über 58 Prozent des Vermögens in Deutschland. Vor 15 Jahren, als das Statistische Bundesamt eine ähnliche Untersuchung machte, waren es 45 Prozent gewesen, also satte 13 Prozentpunkte weniger.

Handelsblatt-Redakteur Hans Christian Müller privat

Handelsblatt-Redakteur Hans Christian Müller

Das ist viel, zu viel – und es zerrt am Vertrauen der Menschen, dass es gerecht zugeht in diesem Land. Nüchtern betrachtet ist es auch einfach ein Zeichen dafür, dass der Staat die oberen Einkommen in den letzten Jahren zu wenig besteuert hat, schließlich entsteht Vermögen aus nicht ausgegebenem Einkommen. Diesen Fehler könnte man natürlich mit einer Vermögensabgabe oder –besteuerung korrigieren. Doch richtig wäre das nicht – nicht nur, weil es so viele juristische und verwaltungstechnische Probleme bei der Umsetzung solcher Maßnahmen gibt.

Nein, der Grund liegt eher in der Natur des Vermögens: Schließlich ist es immer altes, bereits versteuertes Einkommen. Und wer sein Einkommen einmal versteuert hat, der hat seine Schuldigkeit getan und soll sich darauf verlassen dürfen, dass er jetzt damit machen kann, was er will. Diesen Grundsatz sollte der Staat beherzigen.

Für die Politik bedeutet das, dass sie die Fehler der Vergangenheit nicht mehr korrigieren kann, aber künftige verhindern sollte. Also muss die Einkommensbesteuerung steigen, zumindest für die Top-Löhne und hohe Kapitaleinkommen. Früher angehäuftes Privatvermögen verschwindet dadurch nicht und soll es auch nicht. Doch Einkommen, das aus früher angehäuftem Privatvermögen entsteht, das kann ruhig höher besteuert werden. Dann steigt das Vermögen der Reichsten der Reichen auch nicht mehr stärker als das der Normalverbraucher.

Aber, mag man einwenden, hohe Einkommensteuersätze führen doch dazu, dass Leistung unterlassen wird und das das Wachstum schrumpft. Und grundsätzlich ist an diesem Argument ja auch etwas dran. Doch bei den ganz hohen Einkommen stimmt es einfach nicht mehr, das legt die Forschung des Berkeley-Ökonomen Emmanuel Saez nahe: Demnach hängt das Wachstum eines Staates nicht vom Spitzensteuersatz ab. Anders gesagt: Höhere Einkommensteuern für Top-Verdiener bremsen die Wirtschaft nicht. Also los.

Kommentare (36)

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Banker

21.03.2013, 17:58 Uhr

Lächerlich - aus solchen Forderungen dreht die Regierung dann wieder dem Mittelstand einen Strick.
Solange man noch für sein Geld arbeiten muss hat man in 99% der Fälle kein extrem hohes Einkommen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass alle ab 35-50T€ Bruttoeinkommen plötzlich schon in höheren Progressionen sind.

Ich bin allerdings gegen eine Vermögens- oder Erbschafts- und Schenkungsbesteuerung, weil es schwierig ist das nachzuhalten und außerdem bereits alles Vermögen doppelt und dreifach besteuert ist.

Sparmöglichkeiten wären bei Staatsausgaben und Subventionen zu suchen. Steuern sollten sinnvoller investiert werden (ausbau Infrastruktur, wirkunsvolle Arbeitsämter usw.) als nur für Transferleistungen genutzt werden.

muunoy

21.03.2013, 18:03 Uhr

Zitat:"Nüchtern betrachtet ist es auch einfach ein Zeichen dafür, dass der Staat die oberen Einkommen in den letzten Jahren zu wenig besteuert hat, schließlich entsteht Vermögen aus nicht ausgegebenem Einkommen."
Selten so einen Quatsch gelesen. Weil zumindest Arbeitseinkommen in DE bereits so extrem besteuert werden, besteht überhaupt nicht mehr die Möglichkeit, Vermögen durch Arbeit aufzubauen. Reich wird man in DE nur noch durch erben. Und die EK-Steuer noch mehr für den arbeienden Mittelstand zu erhöhen wie von Rot-Grün geplant, wird daher die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter öffnen. Und kommen Sie bitte nicht wieder mit ein paar DAX-Vorständen oder Leuten, die gegen Lederbälle treten oder mit Autos im Kreis fahren. Das ist nun wirklich nicht die Masse.

geldzurueck

21.03.2013, 18:27 Uhr

"schließlich entsteht Vermögen aus nicht ausgegebenem Einkommen"=> was bitte, ist daran denn schlimm? Soll das verhindert werden? De Autor hat die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung nicht verstanden. Was bitte qualifiziert diesen Kommentator dann zum Kommentar? Und kein Wort zu den höchsten Steuereinnahmen in Deutschland? Was ist mit der Ausgabenseite? Nichts, kein Wort. Steuererhebung als Gleichverteilungselbstzweck ist Linksextrem. Wenn der Autor das ist, so soll er sich bitte auch offen dazu bekennen. Sich auf eine These von einem Prof. zu beziehen, erweckt nur den Anschein akademischer Fundierung - ist es aber nicht (man kann das Gegenteil googeln, daher ist dies einseitig und nicht objektiv). Wenn Leistungsträger extrem besteuert werden (wie jetzt mit >50% auswärts incl. aller Abgaben), dann hören sie auf zu arbeiten - ist das gewollt? Erziehung zur Faulheit?Ich kenne schon Selbständige, die lassen es dann mal nachmittags gut sein, da es sich einfach nicht mehr lohnt (nebenbei: Arbeitnehmer erhalten steuerfreue Überstundenzuschläge, Selbständige nicht, gerecht?). Und zum Thema Abgeltungssteuer: die GESAMTSTEUERBELASTUNG mit GewSt + KSt+Soli muss betrachtet werden. Den Scheinwerfer auf den Endempfänger zu richten und die Vorbelastungen auszublenden ist schlichtweg falsch. Und unredlich zudem. Der Gesamtbelastungsatz ist, nebenbei bemerkt, rd. 50% bei bspw. Dividenden einer GmbH an seinen Eigentümer. Wo bitte, ist das zugering belastet. Qualität des Artikels: mangelhaft.

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