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05.01.2012

16:21 Uhr

Kommentar

Ins offene Messer gelaufen

VonGeorg Watzlawek

Kopflos hat sich Christian Wulff in einen öffentlichen Schaukampf mit der Bild-Zeitung begeben - und droht nun das Duell zu verlieren. Der Präsident befindet sich in einer Zwickmühle, aus der nur ein Ausweg möglich ist.

Georg Watzlawek, Ressortleiter Wirtschaft und Politik bei Handelsblatt Online. Pablo Castagnola

Georg Watzlawek, Ressortleiter Wirtschaft und Politik bei Handelsblatt Online.

DüsseldorfVollständige Transparenz hatte Bundespräsident Christian Wulff bei seinem Offenbarungsinterview mit ARD und ZDF versprochen. Mit aller Akribie arbeiteten seine Anwälte die Kredit- und Amigoaffäre aus seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident auf, stellten die Details wie versprochen ins Internet.

Doch die Arbeit war umsonst - Wulff selbst leistete sich bei dem Interview einen weiteren Fehler, der ihm nun das Amt kosten dürfte.

Er habe nie versucht, einen kritischen Bericht der Bild-Zeitung zu verhindern, sagt er vor den Augen der Nation. Mit seinem Anruf im Dezember bei Chefredakteur Kai Diekmann habe er lediglich einen Tag Aufschub erwirken wollen, bis er von einem Auslandsaufenthalt zurück sei. Diekmanns Stellvertreter, der das Interview live kommentierte, fiel vor Schreck fast vom Stuhl. Denn die Bild-Zeitung hatte den wütenden Anruf ganz anders verstanden - und kann das offenbar auch belegen.

Kai Diekmann sah sofort die Falle, in die Wulff getappt war - und forderte den Bundespräsidenten per Offenem Brief heraus: im Sinne der von Wulff geforderten Transparenz wolle man das Protokoll des wütenden Anrufs, den der Bundespräsident auf Diekmanns Anrufbeantworter verewigt hatte, veröffentlichen. Da könne er ja kaum etwas dagegen haben. Oder?

Damit saß Wulff in einer klassischen Lose-Lose-Situation: Stimmt er der Veröffentlichung zu, ist er der öffentlichen Lüge überführt. Reine Spekulation? Indem Wulff jetzt die zweite Option wählte und die Veröffentlichung verweigert, bestätigt er diese Annahme. Nun wirkt es so, als habe er etwas zu verbergen.

Wer weiß, womöglich pokert die Bild-Zeitung nur sehr hoch und Wulff ist zu störrisch, um sich auf die blamable Forderung einzulassen. Aber das ist nicht mehr das Thema. Die Frage, die sich eine von der Affäre über die Maßen strapazierte Bevölkerung jetzt stellt, lautet so: Kann man der Bild-Zeitung mehr trauen als dem Bundespräsidenten?

Allein diese Tatsache zeigt, dass Christian Wulff als Bundespräsident nicht mehr zu halten ist. Aus dieser Zwickmühle gibt es nur einen Ausweg - und der führt geradewegs aus Schloss Bellevue hinaus.

Interview-Zusammenschnitt: "Ich habe nichts Unrechtes getan"

Video: Interview-Zusammenschnitt: "Ich habe nichts Unrechtes getan"

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Kommentare (25)

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ruvonso

05.01.2012, 16:38 Uhr

Wieso muß Herr Wulf einer Veröffentlichung zustimmen? Die Aufsprache von Text in eine Mailbox einer großen Zeitung ist sozusagen ein Sprechen in die Öffentlichkeit, da braucht es keine Nachträgliche Genehmigung zur Verwertung !

Frage

05.01.2012, 16:44 Uhr

wenn es wirklich um einen Tag Verschiebung gegangen ist, wieso war denn dieser Anruf "ein großer Fehler"?

R.Rath

05.01.2012, 16:46 Uhr

Es ist leider so wie es ist. Herrn Wulff fehlt die notwendige Intelligenz um das Amt des Bundespräsidenten verantwortlich ausfüllen zu können.

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