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26.05.2012

16:07 Uhr

Kommentar

Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

VonDennis J. Snower

Iran ist bei den Atomgesprächen erneut auf Konfrontationskurs gegangen. Jetzt ist schnelles Handeln gefordert. Kommt es zum Konflikt, stürzt die Welt in eine tiefe Wirtschaftskrise.

Wirtschaftsforscher Dennis J. Snower. dpa

Wirtschaftsforscher Dennis J. Snower.

Iran ist bei den Atomgesprächen in der irakischen Hauptstadt Bagdad erneut auf Konfrontationskurs gegangen. Teherans Verhandlungsführer Said Dschalili wies am Donnerstag die Vorschläge der 5+1-Gruppe für eine baldige Rückkehr der internationalen Inspektoren zu den iranischen Atomanlagen zurück. Experten erwarten, dass Israel und die USA nur noch bis zum Jahresende die Möglichkeit haben, das iranische Atomprogramm zu stoppen.

Ist diese Deadline korrekt, hat sie große Auswirkungen auf die Entwicklung der Weltwirtschaft. Dann steht die Welt vor dem größten Wandel seit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Es gibt drei plausible Szenarien.

Szenario 1: Iran wird Atommacht. Das würde zu einem Wettrüsten im gesamten Nahen Osten führen. Saudi-Arabien, die Türkei und Ägypten würden selbst nach der Atombombe streben, was wiederum ein weltweites Wuchern von Atomwaffen auslösen könnte. Die Gefahr, dass ein einfaches Missverständnis millionenfaches Leid und gigantische Zerstörung mit sich bringt, würde zunehmen.

Natürlich würde Iran mit der Atombombe in der Hinterhand seinen außenpolitischen Zielen mehr Nachdruck verleihen können. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Führung ihre Ankündigung wahr macht, Israel anzugreifen, würde steigen - und damit auch die Wahrscheinlichkeit eines israelischen Gegenangriffs.

Chronologie des Streits um das iranische Atomprogramm

29. März 2006

Der UN-Sicherheitsrat fordert den Iran auf, seine Urananreicherung binnen 30 Tagen einzustellen. Teheran weigert sich.

23. Dezember 2006

Der Sicherheitsrat verhängt erste Sanktionen.

9. April 2009

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad berichtet von einer betriebsbereiten Uranfabrik in Isfahan.

7. Februar 2010

Der Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.

22. Januar 2011

In Istanbul werden die Gespräche zwischen dem Iran und den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat sowie Deutschland auf unbestimmt Zeit vertagt.

17. Mai 2011

Nordkorea exportiert nach Angaben der UN für nukleare Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran und andere Krisengebiete.

8. November 2011

Die Atomenergiebehörde IAEA in Wien veröffentlicht einen Bericht, nach dem der Iran an der Entwicklung der Atombombe gearbeitet hat. Teheran bestreitet das.

1. Januar 2012

Nach Angaben aus Teheran haben iranische Wissenschaftler erstmals einen eigenen Kernbrennstab entwickelt.

23. Januar 2012

Die EU will ihre Öleinfuhren aus dem Iran spätestens zum 1. Juli stoppen. Die EU-Außenminister beschließen in Brüssel zudem, die Konten der iranischen Zentralbank in Europa einzufrieren.

6. Februar 2012

US-Präsident Barack Obama lässt Eigentum und Vermögenswerte der iranischen Regierung und Zentralbank in den USA blockieren. Betroffen sind auch alle iranischen Finanzinstitutionen.

20. & 21. Februar 2012

Kontrolleuren der IAEA wird der Zugang zur verdächtigen Militäranlage Parchin nahe Teheran verweigert.

31. März 2012

Obama billigt die bislang schärfsten Sanktionen gegen den Iran. Ziel ist es, die Importe von iranischem Öl weltweit so stark wie möglich zu kappen.

14. & 15. April 2012

Die Gespräche zwischen den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat plus Deutschland sowie dem Iran werden in Istanbul wieder aufgenommen. Konkrete Ergebnisse gibt es nicht.

14. Mai 2012

Die IAEA verlangt Zugang zu Irans umstrittenen Forschungsanlagen. Auf der Kontrollliste steht die Anlage in Parchin nahe Teheran ganz oben. Dort werden nach Einschätzungen westlicher Geheimdienste Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.

21. Mai 2012

IAEA-Chef Yukio Amano spricht in Teheran mit Irans Atom-Chefunterhändler Said Dschalili über das umstrittene iranische Atomprogramm. Amano nennt seine Gespräche anschließend „nützlich“.

23. Mai 2012

Vom 23. Mai an verhandeln die fünf Veto-Mächte des Sicherheitsrates und Deutschland in Bagdad mit dem Iran über sein Atomprogramm.

30. Juli 2012

US-Präsident Barack Obama erlässt weitere Sanktionen gegen den Iran. Betroffen ist das Ölgeschäft des Landes. Im Februar 2013 verschärft das US-Finanzministerium die Maßnahmen.

3. Februar 2013

Irans Außenminister Ali-Akbar Salehi teilt auf der Sicherheitskonferenz in München mit, dass sein Land unter bestimmten Bedingungen zu Verhandlungen mit den USA bereit sei.

17. Februar 2013

Der Oberste Führer im Iran, Ajatollah Ali Chamenei, knüpft direkte Atomverhandlungen mit den USA an Bedingungen. Die Äußerungen werden versöhnlicher als üblich gewertet.

21. Februar 2013

Der jüngste Bericht der IAEA zeigt, dass der Iran bisher 280 Kilogramm höher angereicherten Urans produziert hat. Davon wurden 113 Kilogramm weiterverarbeitet und so für die mögliche Verwendung in einer Atombombe unbrauchbar gemacht.

26./27.2. 2013

Nach einer neun Monate langen Pause setzen Vertreter der 5+1-Gruppe und der Führung in Teheran in Almaty in Kasachstan ihre Gespräche fort. Ein neuer Vorschlag an Teheran soll Bewegung in den festgefahrenen Streit bringen. Angeblich hat die Gruppe angeboten, einige Sanktionen gegen den Iran zu lockern. Dafür soll Teheran Entgegenkommen signalisieren. Es wird ein weiteres Treffen für den 5./6. April verabredet.

20./21.3. 2013

US-Präsident Barack Obama unterstreicht bei einem Besuch in Israel, dass die USA notfalls auch mit Waffengewalt eine nukleare Aufrüstung des Irans verhindern wollen.

27. September

Die Internationale Atomenergiebehörde teilt mit, dass in Wien die internationalen Verhandlungen über das Atomprogramm am 27. September fortgesetzt werden sollen.

Szenario 2: Israel greift die iranischen Atomanlagen an. Das würde die größte politische Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs bedeuten. Denn natürlich würde Iran einen Gegenangriff starten, Seite an Seite mit Hisbollah und Hamas und moralisch unterstützt von der arabischen Welt. Iran würde die Straße von Hormus schließen und so einen Großteil der Ölexporte von der arabischen Halbinsel in den Westen unterbinden.

Bei einem Erfolg des iranischen Gegenangriffs würden die USA intervenieren und in einen Nahost-Krieg hineingezogen, der den Irak-Konflikt unbedeutend erscheinen lassen würde. Und schließlich würden auch Spannungen zwischen eher proiranischen Ländern wie Russland, China oder Indien und eher proisraelischen Staaten wie den USA und vielen europäischen Ländern entstehen.

Szenario 3: Iran lenkt kurz vor Fertigstellung seiner Atomwaffen ein. Es hätte dann schon viele militärische und politische Vorteile einer Atommacht - ohne dafür den Preis der andauernden Sanktionen der westlichen Welt zahlen zu müssen. Zugleich würden die USA wohl Israel von einem Präventivschlag abhalten. Der Preis dafür wäre dann allerdings ein Leben auf der Rasierklinge: Iran könnte jederzeit seine Bombe fertigstellen - die restliche Welt wäre erpressbar.

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

26.05.2012, 17:09 Uhr

Krieg war schon immer ein bewährtes Mittel, von den Innenpolitischen Problemen abzulenken.

Mal Israel einen kleinen Stups geben.

Account gelöscht!

26.05.2012, 17:10 Uhr

http://www.youtube.com/watch?v=YIWa4v-utx4

Mitbuerger

26.05.2012, 17:15 Uhr

Es gibt keine moralische Alternative, als den Iran die Bombe bauen zu lassen und die Sanktionen aufzuheben. Schließlich würde der Iran mit dem Bau der Bombe nur dasselbe wie viele westliche Staaten und Israel tun. Gleichheit und Brüdrlichkeit haben sich stets gegen Diskriminierung und Unterdrückung durchzusetzen versucht.

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