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08.08.2012

11:07 Uhr

Kommentar

Kein Ende des deutschen Exportwunders

VonHans Christian Müller-Dröge

Der deutsche Außenhandel schwächelt, weil die Euro-Länder um uns herum schwächeln. De facto wachsen die Ausfuhren aber noch immer beträchtlich. Einzig eine schwächelnde Weltwirtschaft könnte dem Export etwas anhaben.

Glänzend sind die Aussichten für die deutsche Wirtschaft. dpa

Glänzend sind die Aussichten für die deutsche Wirtschaft.

Sicher, die neuen Zahlen zu den deutschen Ausfuhren sind ein Dämpfer für die deutsche Exportwirtschaft, unsere bisher so stolz schillernde Wachstumslokomotive: Im Vergleich zum Mai haben die deutschen Exporteure im Juni deutlich weniger verkauft – um 1,5 Prozent sind die Ausfuhren gefallen. Gleichzeitig kommen weniger neue Aufträge in den deutschen Konzernzentralen an. Hatten wir am Anfang des Jahres noch gehofft, weiterhin regelmäßig neue Rekorde - und bald sogar die Marke von 100 Milliarden pro Monat knacken zu können, so zeigt der Trend nun erst einmal in eine andere Richtung: Nach unten.

Aber nur leicht nach unten. Denn wer die Zahlen einmal in seine Einzelteile zerlegt, merkt schnell: Es ist zu früh, um das Ende des deutschen Exportwunders an die Wand zu malen. Denn gesunken sind vor allem die Ausfuhren in die Länder der Eurozone. Was nicht verwundern dürfte: Schließlich regiert in den Krisenstaaten die eiserne Hand der Sparkommissare, die mit Nagelfeile, Heckenschere und Hecksler Milliarde für Milliarde aus den Staatshaushalten herausschneiden. Doch nicht nur die Regierungen konsumieren weniger, auch die Haushalte tun es, denn auch sie müssen von ihren hohen Schulden runter. Die waren nach der Jahrtausendwende nämlich noch stärker gestiegen als die der Regierungen. Dass dort trotzdem noch verhältnismäßig viel „Made in Germany“ gekauft wird, ist so eher ein kleines Wunder.

Außenhandel: Schlechter Monat für deutsche Exporte

Außenhandel

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Nach einem starken Mai muss der Außenhandel im Juni einen Rückschlag hinnehmen.

Rechnet man einmal die Eurozone aus der Statistik raus, wachsen die deutschen Ausfuhren also noch immer beträchtlich – vor allem nach Übersee. Auch hier gilt: Vor dem Hintergrund der eher mauen Entwicklung der Weltkonjunktur, ist auch das beeindruckend.

Damit ist eines klar: Wie auch immer sich die Weltwirtschaft demnächst entwickelt, der deutsche Export wird sich immer besser entwickeln als der der meisten anderen Länder. Dafür spricht auch, dass die Schwellenländer deutsche Produkte immer besonders dringend brauchen: Autos zum Angeben, Maschinen für die Industrialisierung. Allerdings: Wenn die Weltwirtschaft weiter so müde vor sich hindümpeln sollte, wäre auch das nur noch ein schwacher Trost.

Die deutsche Konjunktur wird sich vorerst weiter auf den Außenhandel stützen können. Doch Wachstum wird er vorerst nicht mehr bringen. Den wird es in den nächsten Quartalen wohl nur dann geben, wenn es gelingt, die zweite Konjunkturlokomotive endlich einmal ans Laufen zu bekommen – den Binnenkonsum. Die Konsumenten – erstmals seit Jahren ausgestattet mit einigermaßen nennenswerten Lohnsteigerungen – müssten dann gegen die drohende Flaute ankaufen. Bisher tun sie das leider nur bedingt.

Kommentare (15)

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curiosus_

08.08.2012, 11:36 Uhr

"Die Konsumenten – erstmals seit Jahren ausgestattet mit einigermaßen nennenswerten Lohnsteigerungen – müssten dann gegen die drohende Flaute ankaufen. Bisher tun sie das leider nur bedingt."

Wen wundert's? Nach Inflation und Steuerprogression ist von den "nennenswerten (Brutto-) Lohnsteigerungen" nicht mehr viel übrig.

popper

08.08.2012, 12:42 Uhr

Allein der Begriff: "Exportwunder" ist schon eine Zumutung. Ist der Export doch erkauft mit den niedrigsten Lohnzuwächsen, Steuersenkungen für Unternehmen und Besserverdienende der letzten 20 Jahre. Aber auch einer Abflachung des Binnenmarktes, sodass die Menschen in Deutschland vom Wohlstand regelrecht abgehängt wurden. Wir leisten uns ein Heer von Arbeitslosen, Aufstockern, Leiharbeitern und prekär Beschäftigten. Allein die Exportindustrie profitiert davon. Wer dann glaubt, dass außerhalb der Eurozone sich dieses "Wunder" fortsetzen wird, ist blind für die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten. Denn außerhalb der Eurozone werden die Länder mit Abwertung ihrer Währungen reagieren, sofern die Exporte aus Deutschland die eigene Handelsbilanz bedrohen. Dass unsere Mainstreamökonomen und die ihnen hörigen Medien das nicht wahrhaben wollen und munter Jubelparolen verbreiten, hat mittlerweile fast pathologische Züge.

Claus

08.08.2012, 12:45 Uhr

Kein Ende des Deutschen Exportwunders und in einen Artikel hier im Handelsböatt schlechtestes Ergebinsi für Deutsche Exporte. Was denn nun ?

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