Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.02.2013

14:20 Uhr

Kommentar

Kein Grund zur Scham

VonNils Rüdel

Müssen wir Deutschen uns nach dem internationalen Verriss für „Wetten, dass...?“ schämen? Nein, findet unser USA-Korrespondent. Wer sich um die deutsche TV-Kultur sorgt, sollte mal in den USA Fernsehen schauen.

„Ergraut“ und „schrullig“ findet die „New York Times“ die Unterhaltungsshow „Wetten, dass...?“, die seit neuestem Markus Lanz moderiert. dpa

„Ergraut“ und „schrullig“ findet die „New York Times“ die Unterhaltungsshow „Wetten, dass...?“, die seit neuestem Markus Lanz moderiert.

New YorkDas Schönste und Treffendste, das jemals über „Wetten, dass...?“ verfasst wurde, stammt von Florian Illies. „Mir geht es gut. Ich sitze in der warmen Badewanne und zwischen meinen Knien schwimmt das braune Seeräuberschiff von Playmobil. Nachher schau ich ,Wetten, dass...?`“, schrieb er in „Generation Golf“ über seine Kindheit in den 80er Jahren. Nie habe er sich sicherer gefühlt, „zu einem bestimmten Zeitpunkt genau das Richtige zu tun.“

Nils Rüdel

Nils Rüdel ist Ressortleiter Politik bei Handelsblatt Online. Zuvor war er USA-Korrespondent in Washington und New York.

Das Gemeinste über „Wetten, das...?“, wenngleich ebenso treffend, ist eine Beobachtung aus der Jetztzeit und stammt von der „New York Times“. „Blöde deutsche Tricks, die sich abnutzen“, betitelte die US-Zeitung Ende der Woche einen halbseitigen Artikel über die deutsche Show, wunderte sich und machte sich ein bisschen lustig.

Denzel Washington muss jemandem zuschauen, der eine Schwimmbrille trägt und am Plopp einer Flasche errät, wie voll sie ist? Tom Hanks muss Katzen-Puschelohren tragen, während Markus Lanz um ihn herum sackhüpft?„Ergraut“ und „schrullig“ sei die Sendung, schrieb der Autor, Berlin-Korrespondent Nicholas Kulish. Deutschland „mit seiner großen Tradition in Literatur, Theater und Film“ habe vielleicht den Anschluss an anspruchsvolle Fernsehformate verpasst.

Das blieb nicht lange ungehört. „,New York Times`“ verreißt ,Wetten, dass...?`“, lauteten die Schlagzeilen in Deutschland, oder „Amis schießen weiter gegen ,Wetten, dass?`“. Das ZDF nahm offiziell Stellung, die „Bild“ bat den Medienexperten Jo Groebel um Erklärung für die Häme der Amerikaner, und die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb: „Ach, wenn die nur wüssten, was hier sonst noch alles läuft.“ In den Online-Foren der Zeitungen, bei Twitter und Facebook war man peinlich berührt.

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

btw

03.02.2013, 14:23 Uhr

Koprophagen kann und sollte man nicht vergleichen wollen.

Skyjumper

03.02.2013, 15:16 Uhr

Wenn mir alles so am Allerwertesten vorbeigehen würde wie die Qualität von "Wetten das", oder auch ähnlicher TV-Brot und Spiele Äquivalente, dann gäbe es nur eine Erklärung: Ich wäre wohl dahingeschieden.

Account gelöscht!

03.02.2013, 16:03 Uhr

Obama hat den Friedensnobelpreis für gar nichts bekommen. Da haben sich die Grimme-Preis-Leute gedacht: "Das können wir toppen!" Und haben ihren Preis dem RTL-Dumpfbacken-Dschungelcamp nachgeworfen. Für diesen Fauxpas müssen wir uns wirklich schämen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×