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09.08.2012

16:00 Uhr

Kommentar

Keine Angst vor Schröder

VonBarbara Gillmann

Dass Frauenministerin Kristina Schröder ihre Flexi-Quote zurückzieht, signalisiert der Wirtschaft: Die Ministerin meint es nicht so ernst. Dabei werden Chefs freiwillig nicht mehr Frauen in die Chefetagen befördern.

Die Flexi-Quote ist vom Tisch. dapd

Die Flexi-Quote ist vom Tisch.

BerlinFrauenministerin Kristina Schröder hat ihre Frauenquote light aus dem Rennen genommen – freiwillig und mit Verweis darauf, dass sie wegen der halsstarrigen FDP diese Legislaturperiode ohnehin nicht durchsetzbar ist. Zur Erinnerung: Es ging ohnehin nicht um eine echte, harte Quote, die deutschen Unternehmen in echte Bedrängnis bringen würde. Es ging nur um die Softversion „Flexi-Quote“, wonach sich Unternehmen selbst eine Quote setzen sollten.

Man kann das ehrlich oder realistisch nennen. Ein Politiker allerdings, der ein Ziel ernsthaft verfolgt, würde versuchen, das Thema am Kochen zu halten und den Gegnern in den eigenen Reihen - die es ja durchaus auch in der CDU gibt - nicht ohne Not Bodengewinn gönnen.

In Richtung Wirtschaft ist das Signal eindeutig: Die Frauen-Ministerin meint es nicht so ernst, die Unternehmensbosse können auch das bisschen Sorge, dass ihnen die Flexi-Quote bereitet, getrost vergessen. Und das in einer Situation, in der ein Drittel der börsennotierten Unternehmen noch immer keine einzige Frau im Aufsichtsrat haben, und die Quote in den Vorständen nahezu lächerlich ist.

Die Unternehmen müssten selbst merken, dass mehr Frauen an der Spitze auch den Erfolg steigerten, sagt die junge Ministerin. Das ist, mit Verlaub, naiv. Das old boys-Netzwerk in vielen Großunternehmen interessiert sich - abgesehen von wenigen Überzeugungstätern - nicht nur nicht für die Frauenfrage. Ein Gutteil dieser Männer will schlicht unter sich bleiben, die vertraute Kumpanei oder auch den vertrauten beinharten Macho-Wettbewerb weiter pflegen, sich jedenfalls nicht an neue Umgangsformen gewöhnen. Sie werden sich auch nicht um den „öffentlichen Druck“ scheren, auf den Schröder nun statt eines Gesetzes setzt. Oder glaubt jemand, die Vorstandschefs und Geschäftsführer würden zittern, nur weil Frauenverbände massenhaft böse E-Mails schreiben?

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

09.08.2012, 16:40 Uhr

Der Artikel lässt durchblicken das die Autorin eine Befürworterin der Frauenquote ist.
Was mich irgendwie stark verwundert...

Gerade eine emanzipierte Frau sollte gegen die Frauenquote sein, symbolisiert eine Quote doch nichts anderes als:

"Ihr schafft es eh nicht alleine (d.h.:m Ihr habt es eh nicht drauf) also helfen wir euch!"

Nebenbei unterminiert eine Quote die Stellung einer Frau im Vorstand, heißt es dann doch nichts anderes als:
"Schau mal, die Alte kann doch nichts und ist nur der Quote wegen da".
Respektverlust, Tuscheleien, stille und offene Anfeindungen....

Wieso soll jedes verdammte Problem in Deutschland mit Quoten, Vorlagen und Regeln angegangen werden, bekämpfen diese doch nur die gröbsten Auswüchse und nicht die Ursache.

"Das old boys-Netzwerk in vielen Großunternehmen interessiert sich - abgesehen von wenigen Überzeugungstätern - nicht nur nicht für die Frauenfrage. Ein Gutteil dieser Männer will schlicht unter sich bleiben, die vertraute Kumpanei oder auch den vertrauten beinharten Macho-Wettbewerb weiter pflegen, sich jedenfalls nicht an neue Umgangsformen gewöhnen. "

=> Woher nehmen sie die Informationen?
Arbeiten sie selbst in einem Vorstand?
Haben sie Freunde/Bekannte die dort arbeiten...?

Und nehmen wir mal an es stimmt so,
wie sollte eine Quote daran bitte etwas ändern?

Man müsste die Denkweise von Personen ändern/prägen,
dies geschieht am besten so früh wie möglich, also die gesamte Schulzeit über.
Vielleicht in dem im Unterricht auf die Stärken und Schwächen der Personen rücksicht genommen wird und diese Stärken besonders gefördert werden?
So würde man die Person aufgrund ihrer Stärken respektieren lernen, unabhängig vom Geschlecht und dies im Hinterkopf behalten sobald man in die Arbeitswelt einsteigt.

Aber hey,
das würde Bildungsreform, Geld und vor allem viel zeit benötigen...da lieber ne schnelle Quote reinhauen...jo..

Pipapo

09.08.2012, 19:56 Uhr

Was mich an den sogenannten Gleichberechtigungspolitikern immer stört ist, daß sie auf einem Auge blind sind.

Eine Mindestquote für Frauen wollen wir im Aufsichtsrat, eine Mindestquote für Männer aber nicht.

Wenn die Versicherungsarithmetik dazu führt, daß Männer niedrigere Beiträge zahlen müssen, dann muß der Staat eingreifen. Es soll Unisex-Tarife geben. Das zugrunde liegende Problem, daß Männer nicht so lange leben, stört uns nicht. ( Man stelle sich mal vor, die Frauen würden kürzer leben, da wär aber was los...)
Wenn umgekehrt die Frauen niedrigere Tarife haben, z.B. bei einer Beerdigungsversicherung, stört das die Gleichberechtigungspolitik auch nicht.

"Nur für Frauen": In unserer Firma sind jetzt 15 oder 20 Prozent der Tiefgaragenplätze nur für Frauen reserviert.
Für Männer sind keine reserviert - auch nicht im hintersten Eckchen. Die müssen in der Umgebung suchen.

An jeder Ecke gibt es Förderprogramme: für Frauen im Geschäftsleben allgemein, Frauen bei der Existenzgründing, Frauen in Mint-Berufen und, und, und. Am Girls-Day schicken wir die Mädels gleich in den Aufsichtsrat ;-)

Läßt sich fortsetzen..

Account gelöscht!

09.08.2012, 22:09 Uhr

"Die Unternehmen müssten selbst merken, dass mehr Frauen an der Spitze auch den Erfolg steigerten, sagt die junge Ministerin. Das ist, mit Verlaub, naiv."

Wenn die Unternehmen das Handeln im Bundestag aufmerksam verfolgen, dann werden die sich hüten, freiwillig eine Quote einzuführen und das völlig zu Recht.

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