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09.02.2012

21:51 Uhr

Kommentar

Keine Extrawurst für die „Sportschau“

VonThorsten Giersch

Seit Jahrzehnten können die deutschen Fußballfans die Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen samstags am frühen Abend sehen. Damit könnte ab 2013 Schluss sein. Und das ist auch gut so. Ein Kommentar

Thorsten Giersch, Ressortleiter Unternehmen und Märkte bei Handelsblatt Online. Pablo Castagnola

Thorsten Giersch, Ressortleiter Unternehmen und Märkte bei Handelsblatt Online.

Keine Frage, die „Sportschau“ der ARD ist eine Institution. Viele Fußballfreunde haben sich sehr daran gewöhnt, die Berichte über die Spiele der Fußball-Bundesliga samstags ab 18.30 im frei empfangbaren Fernsehen zu schauen.
Doch Gewohnheiten, selbst wenn man sie Tradition nennt, ändern sich. Es ist nicht mehr tragbar, dass der Gebührenzahler für die Sportschau 100 Millionen Euro pro Saison hinblättern muss. Denn die Zeiten haben sich geändert – die Alternativen, also vor allem die Internet-Übertragung, sind zu gut, als dass sich diese Wahnsinnssumme im Sinne aller Zuschauer noch rechnet.
In diesen Wochen verhandelt die Deutsche Fußball Liga (DFL) über die Vergabe der Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga ab 2013. Es ist ein kompliziertes Verfahren mit Dutzenden Paketen und noch mehr verschiedenen Möglichkeiten. Schon vor drei Jahren war das ein Riesenaufwand, doch dieses Mal ist alles noch komplexer.
Was sich im Wesentlichen geändert hat ist die Rolle des Internetfernsehens. Es geht vor allem um die Frage, ob die ersten, zeitnahen Zusammenfassungen nicht mehr im Free-TV laufen sollen, sondern im Internet. Die exklusiven Live-Rechte dürften beim Bezahlfernsehen bleiben, also vermutlich Sky Deutschland.
Auch wenn das Wort „Tradition“ sehr oft in Zusammenhang mit Fußball fällt: Die Mediengewohnheiten der Menschen haben sich rasant geändert – und das macht vor der schönsten Nebensache der Welt keinen Halt. Eine Veränderung weg von der Sportschau hin zum Internet darf kein Tabu sein. Entscheidend ist allein, wer das bessere Angebot macht.

Die größten Sportligen der Welt (Ranking nach Umsatz)

1. National Football League (NFL)

Gesamtumsatz: 6,7 Milliarden Euro

Anzahl der Teams: 32

Umsatz pro Team: 208,61 Millionen Euro (1. Platz in dieser Kategorie)

Zuschauer im Schnitt: 67.400 (1. Platz in dieser Kategorie)

Quelle: Deloitte

2. Major League Baseball (MLB)

Gesamtumsatz: 5,0 Milliarden Euro

Anzahl der Teams: 30

Umsatz pro Team: 167,49 Millionen Euro (2. Platz in dieser Kategorie)

Zuschauer im Schnitt: 30.400 (4. Platz in dieser Kategorie)

3. National Basketball Association (NBA)

Gesamtumsatz: 3,1 Milliarden Euro

Anzahl der Teams: 30

Umsatz pro Team: 102,88 Millionen Euro (4. Platz in dieser Kategorie)

Zuschauer im Schnitt: 17.300 (5. Platz in dieser Kategorie)

4. Premier League

Gesamtumsatz: 2,7 Milliarden Euro

Anzahl der Teams: 20

Umsatz pro Team: 137,10 Millionen Euro (3. Platz in dieser Kategorie)

Zuschauer im Schnitt: 35.400 (3. Platz in dieser Kategorie)

5. National Hockey League (NHL)

Gesamtumsatz: 2,1 Milliarden Euro

Anzahl der Teams: 30

Umsatz pro Team: 69,39 Millionen Euro (6. Platz in dieser Kategorie)

Zuschauer im Schnitt: 17.100 (6. Platz in dieser Kategorie)

6. Fußball-Bundesliga

Gesamtumsatz: 1,7 Milliarden Euro

Anzahl der Teams: 18

Umsatz pro Team: 92,44 Millionen Euro (5. Platz in dieser Kategorie)

Zuschauer im Schnitt: 42.000 (2. Platz in dieser Kategorie)

Andere Länder wie Spanien und Italien haben längst bewiesen, dass Fußball keine Free-TV-Berichterstattung braucht, wie sie in Deutschland noch üblich ist. Und erst recht müssen keine 100 Millionen Euro plus x dafür ausgegeben werden. Das ZDF zahlt bereits eine Unsumme für die Liverechte an der Champions League. Kleinere Sportarten wie die Leichtathletik leiden darunter erheblich, denn selbst bei den Öffentlich-Rechtlichen kann jeder Euro nur einmal ausgegeben werden.

Der Zuschauer würde sich an eine Zeitenwende schneller gewöhnen, als es die ARD wahrhaben will. Für die Vereine inklusive ihrer Sponsoren geht es unterm Strich um möglichst hohe Einnahmen. Auch ohne dass die ARD mitbietet, können sie viel Geld einnehmen und damit die fußballerische Qualität der Bundesliga erhöhen. Und die ARD kann das Geld sinnvoller einsetzen - zum Beispiel für eine breite Sportberichterstattung auch über vermeintliche Randsportarten.

Kommentare (15)

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Medienpolitiker

09.02.2012, 18:39 Uhr

Auf den irren Punkt: Die Öffentlich-rechtlichen sollen sich gefälligst um Randsportarten kümmern, weil die sich für die Privaten eh nicht lohnen.

tsabo

09.02.2012, 22:20 Uhr

Lieber Thorsten Giersch,

sind Sie sicher dass Sie Journalismus studiert haben..
Oder vom welchen Privaten werden Sie bezahlt..
So viel schwachsinn hab ich noch nie gelesen....

BlueScreen

09.02.2012, 22:55 Uhr

Ich hab ebenfalls noch nie so einen Schwachsinn gelesen! Ich zahle hohe GEZ gebüren und für diese Summen erwarte ich wenigstens die Championsleague im Free Tv sehen zu können. Pay Tv lohnt sich nicht und Sky ist bald eh pleite, und dann endlich wieder Bundesliga auf Sat1 ran.tv!

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