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21.01.2013

14:20 Uhr

Kommentar

Kim Dotcom macht es sich zu leicht

VonChristof Kerkmann

Dass Kim Dotcom mit seinem neuen Online-Speicherdienst Mega Geld verdienen will, ist nur legitim. Aber er sorgt nicht vor, um die Verbreitung illegaler Kopien einzudämmen. Damit beschwört er den nächsten Konflikt herauf.

Er mag den großen Auftritt: Unternehmer Kim Dotcom. dapd

Er mag den großen Auftritt: Unternehmer Kim Dotcom.

DüsseldorfOhne Online-Speicherdienste wäre das digitale Leben deutlich umständlicher. Es ist nur legitim, dass der umtriebige wie umstrittene Geschäftsmann Kim Dotcom hier seine Chance wittert. Doch mit seiner neuen Plattform Mega, dem Nachfolger von Megaupload, nimmt er die Nöte der Musikproduzenten und Filmstudios wieder einmal nicht ernst – und beschwört damit den nächsten Konflikt herauf.

Online-Speicher sind ein etabliertes wie wachsendes Geschäft. Sie helfen, Urlaubsfotos oder Firmendaten zu sichern, große Dateien zu verschicken oder Smartphone und PC auf den gleichen Stand zu bringen. Doch offenkundig lassen sich diese sogenannten Filehoster für illegale Zwecke missbrauchen – je mehr Anonymität sie erlauben, desto eher. Gerade Megaupload galt bis zu seiner Schließung als Drehscheibe für illegale Kopien von Blockbustern aus Hollywood und den aktuellen Musik-Charts.

Megaupload, Rapidshare und Co: Tauschdienste im Netz

Filehoster

Filehoster bieten Online-Speicher an – Nutzer richten auf den Servern eine Art virtuelle Festplatte ein, auf die sich von überall aus zugreifen können. Die Auswahl an Diensten ist riesig. Neben Startups wie Dropbox mischen auch IT-Riesen wie Google, Microsoft und Apple in diesem wachsenden Markt mit. Sie sehen die Online-Speicher als zentralen Knotenpunkt der allgegenwärtigen Vernetzung.

Sharehoster

Auch Sharehoster bieten Online-Speicher an, sie haben sich aber darauf spezialisiert, das Verbreiten von Dateien zu erleichtern – daher auch der Name. So ist es bei einigen Diensten nicht einmal nötig, sich anzumelden. Angesichts dieser einfachen Prozedur werden sie auch One-Click-Hoster genannt. Viele Vertreter der Medienbranche sehen in dieser Anonymität eine Einladung zur Verbreitung illegaler Kopien.

Fließende Grenzen

Die Grenzen zwischen Filehostern und Sharehostern sind fließend – so können die Nutzer bei vielen Diensten ihre Dateien für andere freigeben. Unterschiede zeigen sich zumeist beim Geschäftsmodell: Filehoster verlangen meist ab einer gewissen Speicherkapazität eine Monatsgebühr, Sharehoster lassen sich eine hohe Download-Geschwindigkeit bezahlen.

BitTorrent

Hosting-Plattformen werden oft mit Filesharing-Diensten in einen Topf geworfen, etwa dem berüchtigten und inzwischen geschlossenen Angebot PirateBay. Technisch ist der Unterschied allerdings groß: Die Daten lagern beim Filesharing nicht auf den Servern des Anbieters. Wenn Anwender nach Musikstücken, Filmen oder Software suchen, erhalten sie nur die Informationen, wo diese Daten im Netz heruntergeladen werden können. Dabei kommt oft das Datenaustausch-Protokoll BitTorrent zum Einsatz.

Die Medienbranche mag mit ihren Vermarktungsstrategien dazu beigetragen haben. In einer globalisierten Öffentlichkeit ist es den Konsumenten etwa nur schwer zu vermitteln, dass sie Monate auf einen Film warten sollen, der woanders bereits lange im Kino läuft. Doch das darf keine Ausrede dafür sein, dass einige Speicher-Dienste Urheberrechtsverstöße billigend in Kauf nehmen und daran sogar verdienen.

Megaupload beispielsweise löschte zwar beanstandete Dateien, wenn sich die Rechteinhaber meldeten. Zuletzt hatten diese sogar einen Zugang, um direkt Inhalte zu löschen. Aber was nützt das, wenn der aktuelle „James Bond“ bald darauf wieder fünffach hochgeladen und mit Links an die Film-Sauger in aller Welt verbreitet wird?

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Eine Verschlüsselung, wie die neue Plattform Mega sie anbietet, behebt dieses Problem nicht. Sie hilft allenfalls, die Privatsphäre der Nutzer zu schützen. Vielmehr muss das Unternehmen von sich aus einschlägige Foren nach verdächtigen Links durchforsten, Wiederholungskopierer sperren und – wenn alles nichts hilft – das Datenvolumen pro Nutzer beschränken. Es muss die Devise gelten: Je frappierender der Missbrauch, desto schärfer die Gangart.

Christof Kerkmann ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte mit Schwerpunkt Technologie.

Der Autor

Christof Kerkmann ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte mit Schwerpunkt Technologie.

Mega-Konkurrent Rapidshare geht diesen mühevollen Weg, mit einigen Erfolgen: In etlichen einschlägigen Foren verzichtet man inzwischen auf die Plattform. Angeblich kursieren dort auch immer weniger illegale Kopien. Deutsche Gerichte haben allerdings noch kein abschließendes Urteil gefällt, ob die Firma mit Sitz in der Schweiz genug tut – möglich, dass sie auch noch eine Filterung der bereits hochgeladenen Dateien fordern. Eine Maßnahme, die bei verschlüsselten Mega-Daten ohnehin vergeblich wäre.

Um Rechtsfrieden zu schaffen, müsste auch Kim Dotcom mehr gegen illegale Kopien tun. Sein jüngster Auftritt, bei dem er den zugegeben überzogenen Einsatz der Ermittler verspottete, lässt allerdings nicht vermuten, dass er das plant. Der nächste Konflikt kommt bestimmt.

Kommentare (13)

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pomfrit

21.01.2013, 16:20 Uhr

Mein lieber Herr Kerkmann!
Sie sollten sich einmal mit den üblen Geschäften der US-Amerikanischen Waffenindustrie/-Lobby auseinandersetzen. Dort ist der Schaden nicht etwa "Entgangener Gewinn aufgrund eines nicht autorisierten Kopiervorgangs", sondern der Verlust von Menschenleben unschuldiger Opfer. Tut etwa die Waffenindustrie genug, um Mißbrauch zu verhindern? Möglichkeiten, das blindwütige Morden zu stoppen, gäbe es wahrlich genug (Selbstbeschränkung, gesetzgeberische Vorgaben, technische Maßnahmen, ...) Was wiegt denn ein illegaler Download eines Spielfilms gegen ein Menschenleben?? Man gibt eher einem Hersteller von Kopiergeräten vor, das Kopieren von Geldscheinen technisch zu verhindern, als dass man einem Waffenhersteller auferlegt, beim Zielen auf Menschen den Abzug zu sperren. Wie krank ist das denn?

Benutzer

21.01.2013, 17:14 Uhr

Dieser Artikel ist tatsächlich so geschrieben, wie wenn Kim Dotcom tatsächlich etwas gegen urheberechtsverstöße unternehmen wollte.

Tatsächlich wird aber Mega vor allem diesem Zweck dienen. Die Verschlüsselung ist auch nicht in erster Linie dazu da, die Privatsphäre der Nutzer zu schützen, sondern auch den Betreiber selbst.

Wenn Daten schon vor dem Upload verschlüsselt werden, kann Mega gar nicht wissen, ob es Urlaubsfotos oder Kinofilme sind und den schwarzen Peter den Usern zuschieben.

akettler

21.01.2013, 17:23 Uhr

Da muss ich mich meinem Vorredner anschliessen.
Is doch ganz klar, dass hier ein Exempel statuiert werden soll.

Ich persoenlich finde sowieso, dass jeder Inhalt der sich digitalisieren laesst, nach einer gewissen Zeit umsonst sein muss!!!
Sonst is das ganze Lizenzgeschaeft ja eigentlich ne Gans die goldene Eier legt...

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