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31.01.2014

20:47 Uhr

Kommentar

KKR spielt mit Hertha BSC

VonHans-Peter Siebenhaar

Der 31. Januar 2014, 13:21 Uhr, wird in die Geschichte der Bundesliga eingehen: Zu diesem Zeitpunkt ging das Geld des Finanzinvestors KKR auf dem Konto von Hertha BSC ein – ein großes Risiko für den Hauptstadt-Klub.

Hertha-Geschäftsstelle in Berlin: Der Hauptstadt-Klub heißt nicht nur Besucher willkommen, sondern auch einen neuen Investor. dpa

Hertha-Geschäftsstelle in Berlin: Der Hauptstadt-Klub heißt nicht nur Besucher willkommen, sondern auch einen neuen Investor.

Wenn die Geschäftsführung von „Quantensprung“ bei einem Deal spricht, wird es gefährlich. Das Unwort nahm Michael Preetz, Geschäftsführer des Fußballklub Hertha BSC, in den Mund. Was ist passiert? Der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) hat sich mit 61,2 Millionen Euro bei dem Traditionsverein beteiligt. Um 13:21 Uhr ist das Geld nach Angaben von Beteiligten auf das Konto der Hertha BSC GmbH & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien verbucht worden. Der Investor, dessen Branche SPD-Politiker Franz Müntefering als „Heuschreckenschwarm“ bezeichnete, erhält im Gegenzug vorerst eine Beteiligung von 9,7 Prozent. Der Hauptstadtverein, der erst im Sommer den Aufstieg in die erste Bundesliga geschafft hatte, soll künftig bundesweit und international besser vermarktet werden.

Wissen die Vereinsfunktionäre in der Hauptstadt auf was sie sich eingelassen haben? KKR ist kein strategischer Investor, der dem traditionsreichen Verein über Jahrzehnte die Stande halten wird. KKR ist auch kein Unternehmen wie der Sportartikelhersteller Adidas mit seiner langfristigen Beteiligung an Bayern München. KKR ist eine Finanzgesellschaft, die ihre Beteiligung in der Regel nach fünf bis sieben Jahren lukrativ verkaufen wird.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.

Der Autor

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.

Ein Beispiel dafür ist das Engagement bei Deutschland größten Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1. KKR und Permira machten die Münchener Sendergruppe zu einer Goldgrube. Das Duo hat seine Aktien für 3,6 Milliarden Euro in mehreren Schritten verkauft. Hinzu kommen noch die millionenschweren Sonderdividenden durch den Verkauf von Auslandstöchtern. Hingegen haben die beiden Finanzinvestoren aber nur 1,6 Milliarden Euro an Eigenkapital reingesteckt. Ein großartiger Deal für den gerissenen KKR-Europa-Chef Johannes Huth. Doch nicht alles klappt so gut. Das langjährige Engagement bei Deutschlands größte Auto-Reparaturkette ATU war beispielsweise alles andere als ein Meisterstück.

Was der in London beheimatete Finanzmanager, der sechs Sprachen und gerne mit seiner Harley-Davidson durch die Gegend tourt, mit seinem Einstieg in die deutsche Fußball-Bundesliga vorhat, bleibt noch ungewiss. Erstaunlich: Der Finanzinvestor bewertet den Berliner Verein derzeit 220 Millionen Euro – genauso viel wie die börsennotierte Borussia Dortmund. KKR-Europa-Chef Huth wird nach Meinung von Vereinsinsidern nicht nur in den Aufsichtsrat der Hertha einziehen, sondern er besitzt auch die Option, die Beteiligung von KKR auf 33,3 Prozent zu erhöhen.

Bundesliga: Finanzinvestor KKR steigt bei Hertha BSC ein

Bundesliga

Finanzinvestor KKR steigt bei Hertha BSC ein

Seit Jahren ist der Hauptstadtverein finanziell angeschlagen. Nun holt sich Hertha BSC einen Investor ins Boot – und will damit nicht nur die Schuldenlage wieder in den Griff bekommen.

Dann können keine Entscheidung mehr gegen den Willen der amerikanischen Finanzgesellschaft getroffen werden. Der Preis, den die Hertha für die Entschuldung des Vereins und für den Rückkauf von Rechten im Bereich Marketing und Catering zahlt, ist hoch. Denn KKR wird den Verein grundlegend verändern. Der Druck, eine ordentliche Rendite zu erwirtschaften, wird deutlich steigen. Ein Fußballverein ist aber kein Maschinenbauunternehmen. Der Erfolg lässt sich nicht programmieren. Fußball hängt am unberechenbaren sportlichen Erfolg. Fußball ist – zur Freude der Fans – immer noch Casino und damit eigentlich nichts für Finanzinvestoren.

Doch vielleicht geht es KKR gar nicht nur allein um Rendite? Huth hat die Chance des Fußballs als Marketingwerkzeug für die Investorengesellschaft erkannt. Denn mit Hertha hat KKR eine glänzende Plattform in der Hauptstadt, um sein Image auf der großen Medienbühne zu aufzupolieren. So etwas ist in finanzpolitisch unübersichtlichen Zeiten Gold wert.

Kommentare (3)

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halbgott

03.02.2014, 11:07 Uhr

Ich nehme dies mal zum Anlaß, um Hertha BSC mit Borussia Dortmund zu vergleichen, Borussia Dortmund ist ebenfalls eine GmbH & Co. KGaA wobei die Anteile an der Börse frei handelbar sind. Der Vergleich bietet sich an.

Hertha Verlust 7,8 Mio - BVB Gewinn 53 Mio

Hertha 100 Mio Umsatz (?) - BVB 300 Mio Umsatz

Hertha 30.000 Mitglieder - BVB 100.000 Mitglieder

Hertha Platz 17 in der Fernsehgeldtabelle - BVB Platz 2 (15 Mio mehr aus BL Inlandsvermarktung)

Hertha Kaderwert 45 Mio - BVB Kaderwert 295 Mio

Hertha 0,185 Mio Facebook Fans, BVB 7 Mio

Hertha besitzt kein Stadion, BVB hingegen schon, es hat einen Wert von 190 Mio

http://bvbaktie.blogspot.de/2013/02/haben-fuballaktien-keine-substanz.html


haro

03.02.2014, 12:02 Uhr

tja, auch im heutigen handelsblatt Bericht vertritt man die Meinung das Fussballvereine nichts für den Anleger sind,
diese Meinung hat das handelsblatt mittlerweile ziemlich exklusiv!

ein George Soros stieg bei Manchester United ein,
der Club wird aktuell mit 2 Milliarden Euro bewertet,
sportlich steht Manu aktuell nicht gut da - den Börsenkurs interessiert das kaum,

KKR ebenfalls ein großer Finanzinvestor steigt mit 60 Mio. bei Hertha BSC Berlin ein, der Wert von Hertha wird auf 220 Mio. taxiert,

adidas und allianz legten für jeweils 10% am FC Bayern 100 Mio. auf den Tisch - mittlerweile ist auch der FC Bayern laut verschiedenen Quellen über 1 Milliarde Euro Wert!

liebes handelsblatt Team: Borussia Dortmund ist mit aktuell 220 Mio. Euro gegenüber anderen Fussballvereinen krass unterbewertet, ein etwas genauerer Vergleich der Zahlen belegt das in allen Bereichen, Stadioneinnahmen, Werbeeinnahmen, TV Einnahmen steigen von Jahr zu Jahr, und diese fliesen auch wenn der BVB ein Match mal nicht gewinnt, der BVB ist ein grund solides Unternehmen das seit Jahren gewinne erwirstschaftet und mittlerweile praktisch Schuldenfrei ist...........

halbgott

03.02.2014, 12:44 Uhr

Mich würde mal interessieren, wann das Handelsblatt einfach mal nüchtern die Fakten zur BVB Aktie benennt.

In dem Artikel "Schwarzgelbe Traumbilanz in Gefahr" am 10.4.2012 wurde geschrieben:

"Nach Angaben des Sportportals transfermarkt.de sind die Angestellten zusammengerecht 190 Millionen Euro wert. Allerdings nur in der Theorie. Schließlich hat der Verein gar nicht vor, seine besten Leute zu verscherbeln."

Seitdem ist folgendes passiert: Es wurden die besten Spieler verkauft, der Kaderwert ist um weitere 100 Millionen gestiegen (!!!), es wurde eine Dividende von 6 Cent gezahlt, diese Dividende wurde um 60% auf 10 Cent erhöht, der Gewinn aus dem Geschäftsjahr 2011/12 war der höchste in der Bundesliga Geschichte, der Gewinn aus dem Geschäftsjahr 2012/13 wurde verdoppelt, damit einer der höchsten in Europa überhaupt.
Der Aktienkurs stieg seit diesem Artikel von 2,40 auf heute 3,68, dazu insgesamt 16 Cent Dividende. Damit performte die BVB Aktie deutlich besser als der DAX.
Die Analysten haben ihr Kursziel seitdem knapp verdoppelt. Zudem ist die BVB Aktie heute immer noch unterbewertet und zwar in allen Belangen.

Aber stattdessen schrieb das Handelsblatt am 25.2.2013 diesen Artikel "Erfolgsgeschichte mit geringer Rendite für Aktionäre" Natürlich stieg die Aktie seitdem eklatant, dazu die Dividende.

Aber ich zitiere mal daraus:

"Doch von diesem Märchen können nur Aktionäre profitieren, die in den letzten Jahren eingestiegen sind."

Wie bitte? Klingt ein bißchen wie Realsatire. Natürlich kann man von steigenden Aktienkursen nur profitieren, wenn man investiert ist, was wollte uns das Handelsblatt denn da mitteilen?

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