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04.12.2013

13:20 Uhr

Kommentar

Kuhhandel statt Kulturwandel

VonOliver Stock

Mit der Strafe für die Deutsche Bank wegen Zinsmanipulationen wird eine Akte geschlossen, aber nicht die Finanzkrise aufgearbeitet. In Wahrheit kommen die Beteiligten bislang um die Konsequenzen herum.

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Ermittlungen anderer Behörden etwa in den USA – auch zu Libor – laufen weiter. ap

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Ermittlungen anderer Behörden etwa in den USA – auch zu Libor – laufen weiter.

Die gute Nachricht zuerst: Die Zeit des Wartens ist vorbei. Die Unsicherheit vorüber. 725 Millionen Euro muss die Deutsche Bank dafür zahlen, dass ihre Händler sich daran beteiligt haben, marktbestimmende Zinssätze zu ihren Gunsten zu manipulieren. Damit wären wir aber auch schon bei der schlechten Nachricht: Die Deutsche Bank hängt am tiefsten drin. Kein anderes der fünf weiteren verurteilten Geldhäuser hat eine derart saftige Strafe aufgebrummt bekommen.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Dass diejenigen, die in Amt und Würden waren, als die kriminellen Machenschaften über die Bühne gingen, die gleichen sind, die heute erneut wieder die „Integrität als Kernwert“ bezeichnen, macht die Bank unglaubwürdig. Anshu Jain und Jürgen Fitschen können auf Verdrängen und Vergessen setzen. Wer ein Gedächtnis hat, kann die beiden als Gallionsfiguren des Kulturwandels allerdings nicht wirklich mehr ernst nehmen.

So weit, so einfach. Verschlungener wird es hinter den Kulissen. Schon die Tat selbst entzieht sich einer klaren Beschreibung. Da werden Daten vertraulich jeden Vormittag bei Händlern abgefragt und am Ende wird daraus ein Zinssatz ermittelt, der den Markt bestimmt. Er ist für Millionen von Kunden mit Verträgen, die einen variablen Zinssatz enthalten, ausschlaggebend.

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Die EU-Kommission verurteilt Geldhäuser aus Europa und den USA zu einer Rekordstrafe von insgesamt 1,71 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank kassiert dabei die höchste Strafe und muss mit 725 Millionen Euro büßen.

Ein marktentscheidender Preis soll sich eigentlich am Markt bilden, sagt jedes Lehrbuch der Ökonomie – das hat hier aber offenbar seine Gültigkeit verloren. Das Verfahren entzieht sich jeder Kontrolle. Wie es reformiert werden soll, erzählen uns die EU-Kommission und die Banken bis heute nicht wirklich.

Kommentare (11)

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mike

04.12.2013, 13:35 Uhr

Wo bleibt der Aufschrei der Massen? Diese ganze korrupte und gierzerfressen Branche gehört doch komplett "entprivatisiert" und unter strengste wissenschaftlich-technische und computerisierte Aufsicht gestellt. Die Algorhytmen und Meldeabläufe von Bruttosozialprodukt bis Kreditvolumen könnten heute schon längst mit Rechnern netzwerkartig gesteuert und ohne die offensichtlichen menschliche Schwächen zum Gemeinwohl ablaufen. Doch solange die Profiteure aller Klassen das nicht einsehen, wird unser Geldsystem keinen Schritt nach vorne machen.

Fehlende_Urteile

04.12.2013, 14:19 Uhr

Die Geldstrafe ist eine Sache. Aber warum werden die Verantwortlichen nicht bestraft?

Nettie

04.12.2013, 14:19 Uhr

Bingo. Geld ist Macht. Wer hat, der hat (und hält es fest). Da beißt sich echt der Hund in den Schwanz.

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