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24.06.2013

17:38 Uhr

Kommentar

Märtyrer Berlusconi

VonKatharina Kort

Ist das Sexualverhalten eines Politikers relevant für die Öffentlichkeit? Die Richterinnen sorgen dafür, dass Silvio Berlusconi als Justizopfer in die Geschichte eingeht - und nicht als miserabler Wirtschaftspolitiker.

Italiens ehemaliger Präsident Silvio Berlusconi wird wohl auch diesen Skandal überstehen. ap

Italiens ehemaliger Präsident Silvio Berlusconi wird wohl auch diesen Skandal überstehen.

Stimmt es, dass Silvio Berlusconi mit einer Minderjährigen Sex hatte, sie dafür bezahlt hat und dann versucht hat, das Ganze dank der Macht seines Amtes zu vertuschen ? Wahrscheinlich stimmt es. Jedenfalls sieht es das Mailänder Gericht so und auch die an die Öffentlichkeit gelangten Aussagen der Beteiligten sprechen dafür.

Stimmt es, dass Staatsanwälte und Richter verbissen darauf abgezielt haben, Berlusconi zu verurteilen, wie es der Betroffene darstellt ? Wahrscheinlich stimmt auch das. Sie haben auch allen Grund dafür, hat sie doch Berlusconi mit seinen Gesetzesänderungen zu seiner persönlichen Rettung über Jahre an der Nase herumgeführt. Da ist ein Schuldspruch auch eine persönliche Genugtuung.

Man mag ohnehin darüber streiten, inwieweit das Sexual-Verhalten eines Politikers wirklich relevant für die Öffentlichkeit ist. Beim Amtsmissbrauch sieht die Lage schon heikler aus. Doch wie dem auch sei: Fakt ist, dass ein Urteil der drei Richterinnen in Mailand Berlusconi in den Augen seiner Anhänger endgültig zum Märtyrer macht. Berlusconi als Opfer der Justiz.

Als solches wird Berlusconi in die Geschichte eingehen, und nicht als der Premierminister, unter dessen verschiedenen Amtszeiten das Bruttoinlandsprodukt kaum gewachsen oder sogar drastisch eingebrochen ist, der dringende Reformen sträflich vernachlässigt und die Unternehmer seines Landes bei ihren Auslandsexpansionen allein gelassen hat. Dabei sind das die Punkte, in denen das Gericht der öffentlichen Meinung Berlusconi verurteilen sollte. Den arbeitslosen jungen Menschen und den Unternehmern, die unter absurd hohen Steuern und Abgaben stöhnen ist mit dem Bunga-Bunga-Urteil nicht geholfen.

Die politischen Versäumnisse Berlusconis rücken in den Hintergrund. Statt dessen wird man sich an Bunga-Bunga-Parties erinnern, an eine ehrgeizige sexy junge Frau namens Ruby, die selbst keine Anklage erhoben hat und an die Richterinnen, die Berlusconi eins ausgewischt haben.

Italien: Berlusconi im Bunga-Bunga-Prozess verurteilt

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Natürlich wird Berlusconi nie ins Gefängnis gehen. Schließlich hat der 76-Jährige schon vor acht Jahren ein Gesetz erlassen, nachdem es Menschen über 70 nicht zumutbar ist, weggeschlossen zu werden. Außerdem kann er noch in Berufung gehen. Ein definitives Urteil, das ihn in ein paar Jahren von allen öffentlichen Ämtern ausschließt ist theoretisch noch möglich. Aber das wird noch dauern.

Letztlich bleibt das Ganze eine Farce, aus der Berlusconi noch als moralischer Sieger hervorgehen könnte – zumindest nach seinen eigenen Moral-Standards.

Kommentare (7)

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stetson

24.06.2013, 18:02 Uhr

Das Sexualverhalten ist dann relevant für die Öffentlichkeit, wenn es gegen geltendes Recht verstößt. Die diesbezüglichen Bedenken des Kommentators sind also überflüssig, da das Gericht die Sache so sieht. Der Alkoholkonsum, das Verhalten im Straßenverkehr und die Strategien bei der Verfassung von Doktorarbeiten sind es übrigens auch!

Tabu

24.06.2013, 18:44 Uhr

Wer nur mit dem Schwanz denkt und sich Minderjährige
vornimmt,dessen Urgroßvater man sein könnte,taugt als
Mensch NULL.
Das er nebenbei auch noch ein wirtschaftliches Fiasko in Italien hinterlassen hat,zeigt nur,was für ein
gewissenloser sich bereichernder Lebemann dieser Typ ist.
Was,so gab er mal unumwunden zu,seine einzige
Motivation war in die Politik zu gehen.

Account gelöscht!

25.06.2013, 11:15 Uhr

Gibt es in Ihrer Redaktion allen Ernstes Anhänger des Postulats: Ist die Verfehlung eines Mächtigen nur monströs genug, dann soll man ihn laufen lassen! Ansonsten könnte der im Falle de B. mit seiner Medienmacht zum M. werden.
Mein Rat: man sollte die Medienmacht mit einem Sondergesetz - a la B. - brechen. Sondergesetze zu seinen Gunsten hat er ja genügend beschließen lassen von seinen Höflingen.
Vielleicht wachen unsere italienischen Brüder und Schwestern dann ja beim nächsten Wahlgang, der sicher scheint, ja dann kurz vor der Wahlurne auf und wählen Staatsschauspieler oder Staatskomiker a la B. und wie hieß er noch, der Komiker?

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