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01.07.2012

10:43 Uhr

Kommentar

Manchmal ist Sterbenlassen besser

VonDieter Fockenbrock

Der Fall Schlecker zeigt, dass Insolvenzverwalter bei hoffnungslosen Fällen nichts ausrichten können - und das ist gut so. Marode Firmen sollten besser vom Markt verschwinden. Die Alternative ist teuer und schädlich.

Einkaufswagen in einer leergeräumten Schlecker-Filiale in München. Reuters

Einkaufswagen in einer leergeräumten Schlecker-Filiale in München.

Seit gestern ist Schlecker Geschichte. Die letzten 2800 Filialen der insolventen Drogeriemarktkette bleiben für immer geschlossen. Die letzten 13.200 Mitarbeiterinnen räumen heute nur noch auf. Dann müssen sie sich einen neuen Job suchen. Ein gutes halbes Jahr dauerte das öffentliche Siechtum des schwäbischen Seifen- und Kosmetikhändlers. Begleitet von medialem Getöse, großen Hoffnungen sowie Erwartungen, die am Ende enttäuscht wurden. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz steht genauso im Kreuzfeuer der Kritik wie der eigentliche Verursacher der Krise, Firmengründer Anton Schlecker. Irgendetwas scheint hier schiefzulaufen.

Dass Schlecker überhaupt hätte „gerettet“ werden können, war von Anbeginn ein Trugschluss. Das Geschäftskonzept, die Finanzierung durch Lieferantenkredite sicherzustellen, konnte einfach nicht gutgehen. Denn es setzte ständige Expansion voraus - und zwar in hohem Tempo. Was McKinsey als Sanierungsberater da ausrichten sollte, ist nicht nur in der Nachschau schleierhaft. Da gab es nichts zu sanieren.

Dieter Fockenbrock ist Chefreporter im Ressort Unternehmen beim Handelsblatt. Pablo Castagnola

Dieter Fockenbrock ist Chefreporter im Ressort Unternehmen beim Handelsblatt.

Die Pleite und Abwicklung des Unternehmens werfen ein schlechtes Licht auf die Branche der Insolvenzverwalter. Ihnen wird nachgesagt, sich mit ihren üppigen Honoraren als Leichenfledderer gütlich zu tun, sich aber am Ende viel zu wenig um die Fortführung zu scheren, schon gar nicht um das Schicksal der Mitarbeiter.

Deshalb überrascht es nicht, dass die Zunft jede Gelegenheit nutzt, sich als Firmenretter zu präsentieren. Fortführende Sanierung, Insolvenzplan und Eigenverwaltung lauten die Zauberworte. Selbst die Justizministerin passt sich dem Zeitgeist an. Die jüngste Reform heißt: Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (Esug). Dabei ist es die Reform des Insolvenzrechts. Alles dient nur dem Ziel, Pleiteunternehmen nicht (mehr) zu zerschlagen, sondern die überlebensfähigen Teile auch überleben zu lassen.

Kommentare (2)

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Klaus

02.07.2012, 01:21 Uhr

Manchmal ist Sterbenlassen besser.

Das gilt natürlich ebenso für marode Währungen.

jpie

02.07.2012, 21:46 Uhr

Hatte das Merkel-Regime nicht versprochen, man werde den Schlecker-Frauen helfen ?
Alles nur populistisches Geschwätz ?

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