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25.02.2014

13:15 Uhr

Kommentar

Mehdorns Versagen

VonTobias Döring

Er war angetreten, die Eröffnung des Hauptstadtflughafens zu beschleunigen. Jetzt hat Hartmut Mehdorn eingeräumt, dass der Bau nun möglicherweise erst 2016 fertig ist. Der vermeintliche Retter hat versagt.

Mehdorn in einer Sitzung der Fluglärmkommission in Schönefeld: Viele Vorstöße, kaum Taten. dpa

Mehdorn in einer Sitzung der Fluglärmkommission in Schönefeld: Viele Vorstöße, kaum Taten.

Hartmut Mehdorn gefällt sich in der Rolle des unbequemen Machers. Zu seinem Amtsantritt als Geschäftsführer des neuen Hauptstadtflughafens prustete er es gleich hinaus: Er sei bekannt dafür, geradeauszugehen. Man müsse ihn jetzt aushalten. Er, der Retter der Deutschen Bahn, der Retter von Air Berlin – so jedenfalls scheint Mehdorns Selbstverständnis.

Doch nach nicht einmal einem Jahr werden sich viele Berliner und Brandenburger Landespolitiker denken: Wir haben Mehdorn lang genug ausgehalten. Sie haben recht. Denn eigentlich hat sich seit Mehdorns Amtsantritt nichts verändert. Die Lage am BER ist genauso verheerend wie vor einem Jahr.

Die Verschiebung der Sanierung der alten Nordbahn ist nur das jüngste Beispiel: Mehdorn posaunt vieles hinaus – und rudert später zurück. Selbst beim Personal bewies er kein gutes Händchen: Seine neue Chefplanerin setzte er vor dem Ende der Probezeit wieder vor die Tür.

Tobias Döring ist Unternehmensredakteur bei Handelsblatt Online Frank Beer für Handelsblatt

Tobias Döring ist Unternehmensredakteur bei Handelsblatt Online

Das Chaos ist offensichtlich, nur lenkt der 71-jährige Manager mit seinen andauernden Vorschlägen und Ankündigungen davon ab. Er füllte das Machtvakuum öffentlichkeitswirksam aus, das die vorherige Führung um Ex-Flughafenchef Rainer Schwarz hinterlassen hatte. Er verkauft das Chaos anders, nämlich als Schuld der Anderen. Aber Fortschritte? Die sucht man vergebens.

Mehdorn war angetreten, die Inbetriebnahme des BER zu beschleunigen. Aus seinem - kurz und knackig - „Sprint“ genannten Expertenteam scheint aber eine Mannschaft der Lahmen zu werden. Es drohe eine Inbetriebnahme erst im Jahr 2016, orakelte der Flughafenchef in seinem am Montag öffentlich gewordenen Brief an die Landesregierung Brandenburgs.

Mehdorn gibt den Propheten. Dabei ist eine mögliche Eröffnung 2016 längst kein Geheimnis mehr. Das wissen auch die Regierungschefs Klaus Wowereit und Dietmar Woidke (beide SPD). Vor allem Brandenburgs Ministerpräsident scheint der Geduldsfaden langsam zu reißen, Wowereit steckt als alter und neuer Aufsichtsratschef selbst zu tief mit drin im BER-Debakel.

Mehdorn zufolge soll es am kommenden Donnerstag ein Spitzentreffen der drei geben. Normalerweise müssten die Politiker erneut die Reißleine ziehen. Doch schon jetzt stehen Wowereit und Woidke vor dem gleichen Problem wie vor einem Jahr das Duo Wowereit und Platzeck: Wenn der BER-Chef erstmal weg ist, wer will sich dann die Führung des Pannen-Projekts antun?

Kommentare (11)

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Joker1

25.02.2014, 13:32 Uhr

Nicht Mehdorn hat versagt, Er hat nur [...] und die Tragweite des Pfuschs seiner Vorgänger
nicht genau und vollständig überprüft.
[...]

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

RauschmeissenUndNeubau

25.02.2014, 14:16 Uhr

Warum überrascht einen das nicht? Mehldorn hat weder die Bahn noch AirBerlin saniert. Bei der Bahn hat er den Focus auf Kurzfristigkeit gelegt um an die Börse gehen zu können, an den fehlenden Investitionen leidet die Bahn noch heute. AirBerlin wurde zu einem Großteil verkauft um überhaupt noch überleben zu können, da wurde nichts erfolgreich saniert, heute eine Zubringer Airline. Als Schaumschläger beweist er Mann nun auch beim BER seine Künste, Fachleute rausgeschmissen weil die sofort erkennen das er keine Ahnung von der Materie hat, ein Manager aus dem vorherigen Jahrhundert und das zusammen mit Wowereit dem Party-Hengst kann nichts sinnvolles ergeben. Jeder Euro der aktuell dort verbaut wird ist rausgeschmissenes Geld, man investiert in einen Flughafen der bereits heute völlig veraltet ist und keinem aktuellen Standard mehr entspricht. Die Check-In und Wartehallen wurden für Mittelklasse Flugzeuge konzipiert, heute kommen A380, B7474 oder B777 mit mehreren hundert Passagieren auf einen Schlag, dafür gibt es keine Abfertigung. Zudem sind alle Decken viel zu niedrig, da bedeutet das die verlegten Kabel permanent einer großen Hitzeentwicklung ausgesetzt sind und daher der Sicherheitsstandard für den Brandschutz überhaupt nicht erreicht werden kann. Selbst wenn man also mit biegen und brechen den Flughafen fertigstellen sollte, hat der den Level von 1990, also schon fast 25 Jahre alte Technology.
Vorschlag: Aktuellen Aufsichtsrat und Mehldorn absetzen. Sofortige Einstellung der Bauarbeiten am aktuellen Gebäude komplex. Berater Team mit Projektmanagement Erfahrung holen und das Neue Terminal, was als spätere Erweiterung gedacht war und eh in Kürze folgen müsste, als Terminal mit aktueller Technology erstellen. Anschließend Abriss/Teilabriss der aktuellen Bruchbude und Neubau auf neustem Level... das ist dann auch 2016 fertig, aber wenigstens auf aktuellstem Stand der Technik und nicht so ein Murks wie er da aktuell steht... peinlicher kann's nicht mehr werden

HofmannM

25.02.2014, 14:20 Uhr

Der Mehdorn kann nur blablabla und andere Menschen runterputzen aber selbst hat er vom kaufmännischen und technischen Aufgabenlösungen KEINE Ahnung!
Hauptsache das Gehalt stimmt bei diesen Herrschaften...mehr Politiker als Unternehmer! Und das war schon immer schlecht für ein Projekt bzw. eine freie wirtschaftliche Marktgesellschaft, in der Eigenverantwortung und Worttreue mehr zählt als Ausreden und Abzocke zu Lasten Dritter.
Da kann Mehdorn den Wowereit die Hand geben. Die beiden Personen stehen stellvertettenden für den Zerfall der kaufmännischen und poltischen Ehrbarkeit.

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