Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.08.2012

10:34 Uhr

Kommentar

Merkel muss die Außenwirtschaft fördern

VonMathias Brüggmann

Die Kritik an der mangelnder Unterstützung für die deutsche Außenwirtschaft wird immer lauter – wenig Koordination und falsche Akzente. Jetzt ist die Kanzlerin gefragt, vor allem als Türöffner für neue Wachstumsmärkte.

Die Kanzlerin muss beim Thema Außenwirtschaft mehr Entschlossenheit zeigen. dapd

Die Kanzlerin muss beim Thema Außenwirtschaft mehr Entschlossenheit zeigen.

Ob im kleinen Moldawien oder im großen China - Bundeskanzlerin Angela Merkel ist trotz der brodelnden Euro-Krise viel auf Reisen in aller Welt. Das nützt, wenn sie Wirtschaftsvertreter in ihrer Delegation hat, immer auch dem Standort Deutschland. Dass dennoch immer lauter Kritik aus Firmen, Industrieverbänden und Handelskammern an mangelnder Unterstützung für die deutsche Außenwirtschaft aufkommt, ist verständlich. Denn die Außenwirtschaftsförderung der Bundesregierung ist zu wenig koordiniert, Akzente werden falsch gesetzt.

Wie die derzeit im Handelsblatt laufende Serie über die neue Prognos-Studie belegt, entstehen immer neue, stark wachsende Wirtschaftszentren in der Welt. Es lohnt sich also, wenn sich die deutsche Politik über Europa, die USA und die inzwischen fast schon zum Standard gehörenden BRIC-Staaten hinaus engagiert. Viele Wettbewerber haben dies bereits erkannt. Und so hängt Chinas Industrie mit staatlichen Finanzspritzen und politisch flankierten Megadeals deutsche Wettbewerber in Afrika immer weiter ab.

Matthias Brüggmann ist Korrespondent für Außenpolitik in Berlin. Sie erreichen ihn unter: brueggmann@handelsblatt.com. Pablo Castagnola

Matthias Brüggmann ist Korrespondent für Außenpolitik in Berlin. Sie erreichen ihn unter: brueggmann@handelsblatt.com.

In den rasant wachsenden und heute schon reichen Golf-Staaten schickt sich Südkorea mit geschickten Offerten und regelmäßigen ranghohen Staatsbesuchen an, die in Arabien traditionell starke deutsche Industrie als Lieferant für den neuen Ölboom auf die Plätze zu verweisen. In Südamerika klagen die Regierungen, die Berlin dringend für die Rettung des Weltklimas gewinnen will, über mangelnde Aufmerksamkeit durch die Bundesregierung.

Zwar hat das Auswärtige Amt das Thema Wirtschaftsförderung zu einer Priorität erhoben, und Guido Westerwelle reist wacker um den Globus. Deutsche Botschaften helfen engagiert vor Ort, und um unser Netz von Auslandshandelskammern beneiden uns viele Wettbewerber. Doch Monarchen am Golf, KP-Kader in Peking und die Mächtigen in den immer bedeutsamer werdenden G20-Staaten wollen die Regierungschefin treffen. Viele Wirtschaftsleute sehnen sich deshalb nach Gerhard Schröder zurück: Der SPD-Mann habe eine viel engagiertere Außenwirtschaftsförderung betrieben als die CDU-Chefin.

Die deutsche Wirtschaft profitiert von ihrer Exportstärke. Doch die kann nur weiter gedeihen, wenn neue Kraftzentren das Wachstum ankurbeln. Industrie und Mittelstand wissen das und gehen verstärkt in diese Regionen. Aber zum Türöffnen vor Ort brauchen deutsche Wirtschaftsvertreter mehr Unterstützung durch die Kanzlerin. Sie muss nicht nur öfter in Boom-Regionen reisen, sondern auch für eine Außenwirtschaftspolitik aus einem Guss sorgen.

Bisher aber werkeln die auf Auslandsbeziehungen spezialisierten Abteilungen von Bundesministern sowie Landesbehörden munter aneinander vorbei. Sie verwirren damit unsere Partner in der Welt mehr, als sie nützen. Eine Exportnation wie unsere hat mehr Koordinierung und Schlagkraft verdient. Und ein Abbau von Bürokratie würde dem auch dienen.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

30.08.2012, 11:05 Uhr

und der Binnenmarkt siecht seit 98 vor sich hin.,...

Autos kaufen halt keine Autos...

Fortunio

30.08.2012, 11:10 Uhr

Sebstverständlich hat Herr Brüggmann recht, wenn er beklagt, die deutsche Politik sei in Hinblick auf Wirtschaftsföderung in den neuen globalen Zentren und dem Knüpfen ranghoher Kontakte unterbelichtet. Man ist viel zu sehr auf die europäischen Problemfelder konzentriert und vergiß, dass neben der EU und der Problemwährung Euro auch noch andere wichtige Politikfeder zu beackern sind.
Leider erfordert die Sanierung des Fehlkostrukts Euro viel an politischer Kraft und Zeit und ob diese Sanierung gelingt, ohne in eine Inflationsunion zu fallen ist ungewiß.
Auch unter diesem Aspekt währe eine Verschlankung und damit Gesundung der Euro-Zone eine dringende Aufgabenstellung.

Account gelöscht!

30.08.2012, 11:13 Uhr

Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, aber bis heute bei der SPD nicht angekommen. Siehe Kalte Progression.
Die SPD + die Grünen stehen heute für die Umverteilung von unten nach oben.
Vielen Dank dafür.


Schönen Tag noch.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×