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03.05.2012

11:17 Uhr

Kommentar

Merkel muss die Energiewende in den Griff bekommen

VonJürgen Flauger

Ohne die starke Hand der Politik wird die Energiewende scheitern. Kanzlerin Merkel muss dringend in den Markt eingreifen. Doch die Anreize für neue Kraftwerke fehlen. Schuld ist die Förderung der Erneuerbaren.

Jürgen Flauger

Jürgen Flauger ist Redakteur.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte gestern mit dem ersten Energiegipfel nach dem Beschluss zum raschen Atomausstieg ein Signal setzen: Die Energiewende ist Chefsache. Und genau das muss sie auch sein. Die Bundesregierung muss sich stärker als bislang um die Umsetzung des historischen Projekts kümmern. Der Umstieg in eine Energiewirtschaft ohne Atomkraft, aber mit viel Wind- und Sonnenenergie wird ohne eine massive Steuerung durch die Politik scheitern.

Die Branchenvertreter, die gestern ins Bundeskanzleramt geladen waren, werden die Energiewende jedenfalls nicht von sich aus vorantreiben - weder die Chefs der großen Energiekonzerne Eon und RWE, Johannes Teyssen und Jürgen Großmann, noch die Hoffnungsträger aus dem kommunalen Bereich, die Chefs der Stadtwerke-Netzwerke Thüga und Trianel, Ewald Woste und Sven Becker.

Das liegt nicht am mangelnden guten Willen der Energiemanager. Speziell die Stadtwerke würden liebend gern Milliardensummen in neue Kraftwerke investieren, um die Lücke, die der Atomausstieg reißt, zu schließen und den Branchenriesen Marktanteile abzujagen. Es liegt daran, dass sie damit schlicht kein Geld verdienen würden.

Damit das Großprojekt gelingt, die über Jahrzehnte gewachsene deutsche Energieversorgung innerhalb eines Jahrzehnts radikal umzubauen, sind massive Eingriffe in den Energiemarkt nötig. Das ist bedauerlich, liegt aber daran, dass die Politik schon so massiv eingegriffen hat, dass der Markt die jetzt nötigen Anreize nicht mehr setzen kann.

Das Problem wird bei dem Thema am deutlichsten, das gestern im Kanzleramt ganz oben auf der Agenda stand: dem dringend benötigten Bau neuer Gaskraftwerke. Diese wären die ideale Ergänzung zum Ausbau von Wind- und Solarenergie. Weil die Ausbeute von grünem Strom abhängig vom Wetter ist und stark schwankt, sind flexible Reservekapazitäten nötig, die rasch hoch- oder heruntergefahren werden können, um die Schwankungen auszugleichen. Gaskraftwerke sind dazu ideal geeignet.

Aber die Investitionen in neue Anlagen rechnen sich nicht. Das liegt zum einen am hohen Gaspreis, zum anderen aber auch am Erneuerbaren-Energien-Gesetz, das den Bau von Wind- und Solaranlagen fördert. Gaskraftwerke sind zwar vergleichsweise günstig zu bauen, haben aber, verglichen mit Atom- oder Kohlekraftwerke, hohe Betriebskosten. Analysten kalkulieren für Kernkraftwerke mit Kosten je Megawattstunde von 25 Euro, bei Steinkohlekraftwerken von 42 Euro und bei Gaskraftwerken von 58 Euro.

In der Grundlast - der Strom, der in normalen Zeiten zur Verfügung stehen soll und der derzeit an der Börse etwa 50 Euro kostet, lassen sich Gasanlagen nicht wirtschaftlich betreiben. Sie lohnen sich allenfalls in Spitzenzeiten, beispielsweise um die Mittagszeit, wenn die Nachfrage besonders hoch ist. Hier wird der Strom häufig mit über 60 Euro vergütet.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

03.05.2012, 12:54 Uhr

Ich frage mich, wieso Frau Merkel erst jetzt das Ruder in die Hand nimmt
und warum wieder einmal eine ähnliche Runde einberufen wird,
die schon seinerzeit bei der Atomlaufzeit Verlängerung zusammen saß?

Wahltermine??

Wieso sind keine Vertreter der
Solarbranche, Windenergie, Umweltverbände mit dabei?

Es geht doch um Grüne Energien,
aber es sitzt wieder die alten Garde der
Atomveteranen von RWE/EON & Co. am Tisch,
die herzlich wenig von den Erneuerbaren halten,
auch wenn es in ihren Spots und Werbung gerne so dargestellt wird!

Liebe Frau Merkel !!!

Wir brauchen endlich einen Masterplan für die Energiewende,
keine Politik des Durchwursteln und der Flickschusterei!

Mit sonnigen Grüßen
Ihr Werner Thoma

Meister-Eder

03.05.2012, 22:04 Uhr

Ich kann Ihnen sagen warum nur die großen Energieversorger mit am Tisch sitzen. Weil die nämlich das nötige Kleingeld von mehreren Milliarden Euro haben um Windparks, Netze und auch Gaskraftwerke zu bauen. Das können nämlich Ihre Grünen-Besserwisser-Verbände aller Greenpeace und Co nämlich nicht. Die können nur rumlabern und siehe Solarbranche, noch mehr Subventionen vom Staat fordern.

Leider war der technisch-wirtschaftliche Sachverstand hier im Land das erste Opfer der Fukushima Katastrophe.

Meister-Eder

03.05.2012, 22:08 Uhr

Ich kann Ihnen sagen warum nur die großen Energieversorger mit am Tisch sitzen. Weil die nämlich das nötige Kleingeld von mehreren Milliarden Euro haben um Windparks, Netze und auch Gaskraftwerke zu bauen. Das können nämlich Ihre Grünen-Besserwisser-Verbände aller Greenpeace und Co nämlich nicht. Die können nur rumlabern und siehe Solarbranche, noch mehr Subventionen vom Staat fordern.

Leider war der technisch-wirtschaftliche Sachverstand hier im Land das erste Opfer der Fukushima Katastrophe

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