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11.03.2006

13:00 Uhr

Kommentar

Netzklempner aus dem Reich der Mitte

VonRudi Kulzer

"Öl für die Lampen Chinas" hieß der Titel eines Films aus dem Jahr 1935. Damals ging es um Petroleum als Grundmaterial für die unzähligen Funzeln, die die Bauernhäuser des Reiches der Mitte erhellen sollten. In einer Abwandlung dieses Titels heißt es heute "Switches (Kommunikationsschalter) für die Telefone Chinas".

Die Volksrepublik China besteht nicht nur aus den neuen beängstigt wachsenden Industriezonen in Shanghai und Shenzhen, sondern aus den immens großen, immer noch bäuerlich geprägten Gebieten im Westen des Riesenreiches.

Dafür zu sorgen, dass die Chinesen auch in abgelegenen Dörfern besser kommunizieren können, haben sich Unternehmen der Volksrepublik mit Erfolg auf die Fahnen geschrieben - Huawei (sprich wawei) und ZTE. Beide Unternehmen haben praktisch eine Lizenz zum Gelddrucken durch den hohen Nachholbedarf Chinas. Das eingenommen Geld wird aber sofort in die neuen Techniken Mobilfunk und NGN (Netzwerke der nächsten Generation - Breitbandnetze) investiert.

Huawei und ZTE haben ihren Stammsitz in Shenzhen, nördlich von Hong Kong. Die Provinzmetropole mit seinen derzeit 7 Millionen Einwohner existiert erst seit 25 Jahren und gilt derzeit als die Werkbank Chinas für die Welt. Shenzhen wächst noch schneller als Shanghai. ZTE wird an der Börse gehandelt, Huawei ist nach wie vor in Privatbesitz einer Gründergruppe.

Die Ende der 80er Jahre gegründeten Firmen gehören zu den Unternehmen Chinas, die mit den Produkten ihrer Marke den Weltmarkt erobern wollen. Das wird ihnen gelingen, wenn auch mühsam - denn internationales Marketing ist aus kulturellen Gründen nicht die Stärken des Reiches der Mitte. Das wurde auch auf der Cebit in Hannover deutlich. Während Huawei eine ursprünglich geplante Pressekonferenz wieder aus dem Programm nahm, mühte sich ZTE ziemlich unerfahren in schlechtem English mit einem zu langen Programm um das Ohr der Presse. Und das obwohl ZTE nun mit Sitz in München einen ausgezeichnet Deutsch und Englisch sprechenden Geschäftsführer, Haifeng Ling, hat.

Hierarchie ist wichtig in China. Daran werden wir uns gewöhnen müssen im Umgang mit den chinesischen Weltplayern. Die mangelnde internationale Erfahrung sagt nichts aus über die fachliche und wirtschaftliche Kraft der Netzklempner Chinas. Sie sind ernsthafte Konkurrenten des Weltmarktführers Cisco aus San Jose in Kalifornien und werden mit der Geduld Asiens ihren Weg gehen.

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