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03.01.2005

06:25 Uhr

Kommentar

Neue Tugend in der Trauer

VonEwald Stein

Das neue Jahr begann, wie das alte endete: mit Trauer. Mit Blick auf die steigende Zahl der Todesopfer, der Verletzten und alles damit verbundene Leid in den Ländern rund um den Indischen Ozean ist dies eine verständliche, weil menschliche Reaktion. Und gerade deshalb muss man sich bemühen, dieser Trauer etwas Positives abzugewinnen.

Klar, eine Kommentierung der persönlichen Trauer verbietet sich von selbst. Viele der um den Globus flimmernden Bilder verletzen die Intimsphäre der Betroffenen ohnehin viel zu stark.

Zwingend notwendig ist es demgegenüber, sich der kollektiven Trauer zu widmen. Denn diese bildet eine Basis, von der aus durch tatkräftiges Engagement zumindest versucht werden muss, die entstandene Not so weit wie irgend möglich zu lindern.

Die bislang zu registrierenden Resultate – nicht nur in pekuniärer Form – sind nicht schlecht. Der Uno-Generalsekretär spricht nicht umsonst von einer internationalen Solidarität, wie sie in diesem Ausmaß kaum erhofft werden konnte. Und dieses Lob betrifft sowohl staatlich organisierte als auch individuelle Bereitschaft zur Hilfe.

Dass dabei auch Dissonanzen wie jene zwischen der Uno und der US-Regierung zu hören sind, gehört fast schon zum gewohnten politisch-rüden Ritual. Was letztlich aber zählt, ist die unbestreitbar großzügige praktische Caritas – am Ende siegt die menschliche Tugend über kleinliche Streiterei.

Wenn es der Staatengemeinschaft also möglich ist, auf eine derart große zivile Katastrophe mit der Mobilisierung massiver Unterstützung zu reagieren, stellt sich zwangsläufig die Frage, warum sie viel zu häufig nicht gewillt ist, solche Aktionen auch bei politischen Krisen zu starten. Die Kriegsschauplätze Kongo, Ruanda oder Sudan liefern wenige Stichworte auf einer unvollständigen Liste. Auch dort werden wir Tag für Tag mit humanitären Katastrophen konfrontiert. In Asien beweisen die Uno und ihre Mitglieder, dass sie über Finanzen und Logistik zum Krisenmanagement verfügen. Sie sollten sie häufiger einsetzen – auch in politisch schwierigem Umfeld.

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