Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.03.2012

12:10 Uhr

Kommentar

Nordkoreas Versprechen macht noch keinen Frieden

VonChristoph Rabe

Diese Entscheidung ist eine echte Überraschung. Mit einem Moratorium Nordkoreas für Atomtests und Uranreicherung hat so schnell keiner gerechnet. Doch noch ist unklar, welche Politik Machthaber Kim damit verfolgt.

Christoph Rabe

Der Autor ist Kolumnist.

Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling - und ein vages Versprechen noch keinen Frieden auf der nordkoreanischen Halbinsel. Aber kaum jemand hatte damit gerechnet, dass die nordkoreanische Führung so schnell zu Zugeständnissen bereit ist. Das Moratorium für Atomtests und Urananreicherung lässt nun zweierlei Interpretationen zu.

Entweder sitzt der neue junge Führer Kim Jong Un fester im Sattel als es viele Experten vermuten und sein Entgegenkommen ist ein erstes Signal für einen Sinneswandel in Pjöngjang. Oder die Versorgungslage ist kurz vor dem 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung im April so prekär, dass die Führung in Nordkorea dringend die von den USA in Aussicht gestellte Nahrungsmittelhilfe benötigt, um der Bevölkerung wenigstens etwas bieten zu können.

Was tatsächlich zutrifft, werden die nächsten Monate erweisen. Dass Nordkoreas Atom-Unterhändler Ri Yong Ho schon kommende Woche in den USA eintrifft, um die Details einer möglichen Vereinbarung zu verhandeln, ist zumindest ein ermutigendes Zeichen. Aber die Skeptiker, die darauf verweisen, dass der "nordkoreanische Tanz" weitergehe, haben auch recht. Denn allzu häufig schon hat das Regime in seinem Großmachtswahn die USA und die Welt genarrt.

Inzwischen ist aber selbst der engste Freund Pjöngjangs von den andauernden Rochaden und Tricks im Nachbarland genervt. China hat schon mehrfach seinem Unmut über die nordkoreanische Uneinsichtigkeit Ausdruck verliehen. Auf wenig Verständnis stoßen in Peking auch die militärischen Provokationen Nordkoreas.

Militär in Nord- und Südkorea

Zwei militärische Regionalmächte

An Koreas Waffenstillstandslinie am 38. Breitengrad stehen sich zwei von Großmächten unterstützte militärische Regionalmächte gegenüber. Während im westlich orientierten Südkorea Angaben über das Militär meist öffentlich zugänglich sind, beruhen Daten zur Armee des abgeschotteten Nordens meist auf Schätzungen.

Truppenstärke

Rund 1,19 Millionen Streitkräfte stehen Nordkorea zur Verfügung. Davon entfallen 1,02 Millionen auf das Heer, 60.000 auf die Marine und 110.000 auf die Luftwaffe. Außerdem stehen 600.000 Reservisten bereit. Südkorea besitzt eine Truppenstärke von rund 655.000 Menschen, wobei 522.000 auf das Heer, 68.000 auf die Marine und 65.000 auf die Luftwaffe entfallen. Zusätzlich gibt es in Südkorea 4,5 Millionen Reservisten.

Kampfpanzer

Nordkorea verfügt über 3.500 Kampfpanzer. In Südkorea sind es 2.750 an der Zahl.

Artilleriegeschütze

10.774 Artilleriegeschütze befinden sich im Besitz von Südkorea. Mehr als das doppelte, insgesamt etwa 21.000 Stück sind es in Nordkorea.

Boden-Boden-Raketen

Zu den Boden-Boden-Raketen zählen solche, die vom Boden aus gegen Bodenziele eingesetzt werden. Darunter fallen unter anderem Raketengranaten oder Panzerfäuste. 64 solcher Waffen hat Nordkorea zur Verfügung, 30 sind es in Südkorea.

Kampfflugzeuge

Etwa 620 Kampfflugzeuge sind in Nordkorea für den Einsatz bereit, davon entfallen 458 auf Jagdflugzeuge, 80 sind reine Bomber. Südkorea verfügt über 490 einsatzbereite Kampfflugzeuge, worunter sich 467 Jagdflugzeuge befinden.

Kriegsschiffe

Über lediglich drei Kriegsschiffe verfügt Nordkorea - allesamt Fregatten. 47 Schiffe stehen Südkorea zur Verfügung, darunter ein Kreuzer, 6 Zerstörer, 12 Fregatten und 30 Korvetten.

Taktische U-Boote

Solche U-Boote sind für gewöhnlich mit Torpedos bewaffnet. 70 dieser Boote hat Nordkorea auf Lager, 23 sind es in Südkorea.

Kleinere Küstenwachtboote

Nordkorea verfügt zusätzlich über 383 Küstenwachtboote. Südkorea kommt auf eine Zahl von 111.

So mag es sein, dass China jetzt im Hintergrund darauf gedrungen hat, die Spannungen in Ostasien endgültig zu bereinigen. Immerhin befinden sich Nord- und Südkorea immer noch formal im Kriegszustand. Pjöngjangs wahre Motive werden aber erst dann transparenter, wenn es sich wieder mit den Verhandlungspartnern im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche an einen Tisch setzt und dem endlosen Katz-und-Maus-Spiel um sein Atomprogramm ein wirkliches Ende bereitet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×