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12.01.2012

16:11 Uhr

Kommentar

Norwegische Butter und der deutsche Solarmarkt

VonDieter Fockenbrock

Zwei Fälle von Marktversagen, eine Erklärung: Der Fiskus hat falsche Anreizsysteme gesetzt, deshalb bleiben Norwegens Butterregale leer und deutsche Solar-Bauer auf ihren Anlagen sitzen.

In Deutschland bleiben die Hersteller derzeit auf ihren Solarmodulen sitzen. Reuters

In Deutschland bleiben die Hersteller derzeit auf ihren Solarmodulen sitzen.

In Norwegen ist die Butter knapp, in Deutschland gibt es dagegen zu viele Solarmodule. Zwei Länder, zwei Produkte, zwei Schlagzeilen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Oder doch?

Natürlich sind die Märkte für Solarzellen und Smør weit voneinander entfernt. Doch die Ursachen für die Fehlsteuerung im hohen Norden und in Deutschland sind sehr ähnlich. In beiden Fällen hat der Staat die Hände im Spiel. Und in beiden Fällen hat der Fiskus Anreizsysteme gesetzt, die Anbieter wie Nachfrager in die Falle gelockt haben. Butter ist nun wirklich kein knappes Gut in der modernen Überflussgesellschaft. Und warum Solarfirmen reihenweise pleitegehen, obwohl der Markt boomt wie nie – das muss mir einer erst noch erklären.

Dieter Fockenbrock ist Chefkorrespondent im Ressort Unternehmen & Märkte. Jens Dietrich / Handelsblatt

Dieter Fockenbrock ist Chefkorrespondent im Ressort Unternehmen & Märkte.

Beginnen wir aber in Norwegen, das seinen Öl- und Erdgasreichtum offensichtlich im nationalen Interesse zu nutzen weiß, bei der Butter aber kläglich versagt. Ein komplizierte Produktions-Quotensystem, verbunden mit hohen Einfuhrzöllen, ist zusammengebrochen – die Regale sind leer. Und selbst Norweger fragen sich: Wozu soll die Reglementierung eigentlich gut sein?

Mindestens so kompliziert sind die Folgen der Solarförderung hierzulande. Seit zehn Jahren finanzieren wir den – zweifellos notwendigen – Ausbau regenerativer Energie über eine Umlage auf den Strompreis. Hundert Milliarden Euro sind nach Berechnungen des Forschungsinstituts RWI auf diesem Wege bislang in den Ausbau der Solarenergie geflossen.

Indirekt haben wir damit einen völlig neuen Wirtschaftszweig aufgebaut, denn die Technik musste teilweise erst noch erfunden werden. Deutschland als führendes Solarland. Wenn nur die Sonne öfter schiene. Aber in der Technik haben wir weltweit die Nase vorn. Ein genialer Schachzug der Politik, könnte man meinen. Das Fördersystem taucht nicht einmal im Staatshaushalt auf.

Kommentare (5)

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MR16547atHB

12.01.2012, 18:26 Uhr

Na ja, die freien Märkte waren in der Vergangenheit auch nur teilweise in der Lage Probleme vernünftig zu lösen. Die Banken haben dem Steuerzahler vermutlich mehr Geld gekostet als staatliche Reglements

Kuno

12.01.2012, 20:22 Uhr

Der Energiebereich war schon immer ein politischer Markt. Egal ob Zentralisierung der Energiewirtschaft, Atomkraft, Kohle und jetzt Erneuerbare Energien. Immer haben politische Entscheidungen die Richtung vorgeben. Einen freien Energiemarkt kann ich in keinem Land erkennen. Der Markt ist ein guter Diener aber ein schlechter Herr. In diesem Sinne ist es richtig die Entscheidung für einen Ausbau von Photovoltaik z.B. mit 4000 GW zu treffen. Dann kann man sich überlegen wie dies am effizientesten Umgesetzt wird.
Einfach nur den Liberalismus auszurufen bringt uns in der Energiefrage mit Sicherheit nicht weiter.

Kuno

12.01.2012, 20:22 Uhr

Der Energiebereich war schon immer ein politischer Markt. Egal ob Zentralisierung der Energiewirtschaft, Atomkraft, Kohle und jetzt Erneuerbare Energien. Immer haben politische Entscheidungen die Richtung vorgeben. Einen freien Energiemarkt kann ich in keinem Land erkennen. Der Markt ist ein guter Diener aber ein schlechter Herr. In diesem Sinne ist es richtig die Entscheidung für einen Ausbau von Photovoltaik z.B. mit 4000 GW zu treffen. Dann kann man sich überlegen wie dies am effizientesten Umgesetzt wird.
Einfach nur den Liberalismus auszurufen bringt uns in der Energiefrage mit Sicherheit nicht weiter.

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