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16.02.2012

13:55 Uhr

Kommentar

Null Verständnis

VonOliver Stock

Der Streik am Flughafen Frankfurt ist nur möglich, weil die Tarifeinheit in Deutschland zerbrochen ist. Das müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer dringend reparieren. 

Passagiere warten auf dem Flughafen in Frankfurt. dapd

Passagiere warten auf dem Flughafen in Frankfurt.

DüsseldorfFür diesen Streik habe ich kein Verständnis. 200 Vorfeldlotsen, die im Schnitt 40000 Euro verdienen, wollen mehr Geld und legen deswegen einen Großflughafen lahm, auf dessen Betrieb tausende von Menschen, die genau nichts mit dieser Forderung zu tun haben, angewiesen sind. Es sind Menschen, die zu ihrer Arbeit oder zu ihren Familien gelangen wollen. So einfach und so ungerecht verhält sich das, was jetzt in Frankfurt passiert.

Damit so etwas nicht so schnell passiert, gab es einmal die Idee der Tarifeinheit. Sie besagte, dass sich kleine Interessengruppen zu größeren zusammenschließen müssen, um ihre Forderungen im Ringen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgebern durchzusetzen. Die Tarifeinheit sollte verhindern, dass eine kleine Gruppe, wie eben Vorfeldlotsen, Lokomotivführer oder wer auch immer, Partikularinteressen vertritt und die Macht hat, sie durchzusetzen, nur weil sie ein ganz entscheidendes Glied in einer Kette ist.

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Je kleiner eine solche Interessengruppe ist, desto eher ist sie streikbereit. Schließlich müssen wenige Aktivisten nur eine überschaubare Anzahl von Kollegen vom Sinn der Aktion überzeugen. Die Auswirkungen sind aber die gleichen, als wenn im Fall Frankfurt das gesamte Dienstpersonal am Flughafen streikte. Geringe Überzeugungsarbeit, gewaltige Wirkung, so heißt die Gleichung seit dem Zerfall der Tarifeinheit. Sie ist in Wahrheit eine Ungleichung.

Oliver Stock

Oliver Stock, stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts

Spätestens mit dem Streik auf dem Frankfurter Flughafen durchschauen immer mehr Betroffene die Ungerechtigkeit, die in dieser Rechnung steckt. Das nützt im konkreten Fall wahrscheinlich wenig. Für zukünftige Fälle allerdings, muss den Streikführern klar sein, dass sie dem berechtigten Anliegen von Arbeitnehmern, ihren Forderungen im Zweifelsfall mit einem Streik Nachdruck zu verleihen, einen Bärendienst erweisen. Bei denen, auf deren Rücken solche Aktionen ausgetragen wird, sinkt nämlich das Verständnis dafür rapide. So wie bei mir.

Kommentare (17)

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Klar

16.02.2012, 15:13 Uhr

Ich habe Verständnis. Weiter So!!!

lettertotheeditor

16.02.2012, 15:35 Uhr

Tja, da hätten die Arbeitgeberverbände halt nicht daran arbeiten sollen, genau diese Gruppen aus der Tarifeinheit rauszulösen, die ihren Forderungen durch das Ausnutzen ihrer Schlüsselposition Nachdruck verleihen können. Und es funktioniert ja letztlich auch, denn andere - deutlich größere Gruppen - haben nun weniger Durchsetzungsvermögen. Also bitte nicht klagen, sondern für Ihre Anzeigenkunden freuen.

Account gelöscht!

16.02.2012, 15:48 Uhr

Ich würde es gutheißen, wenn man auch hier etwas differenzierter argumentieren würde. Über die 40.000€ Gehalt sollte man nicht urteilen, bevor man nicht selbst einige Jahre unter gegebenen Bedingungen gearbeitet hat. Lohnvorstellungen gehen in diesem Fall nur die Arbeitnehmer und Arbeitgeber etwas an. Folgt man dem Argument, dass einige Wenige, eine Großzahl von "Kunden" mit ihrem Arbeitsausstand belasten, dürften die wenigsten Berufsgruppen in Deutschland streiken, da jede einen Betrag zum reibungslosen Ablauf leistet. Die Anzahl der Streikenden ist für mich ebenfalls nebensächlich, da ein Streik mittlerweile das einzige Druckmittel gegenüber Arbeitgeberinteressen darstellt. Legen Arbeiter ihre Arbeit nieder, und werden dadurch andere Gäste/Kunden beeinträchtigt, so führt das vielleicht auch dazu, dass man sich der wichtigen Rolle ebendieser mal wieder klar wird.

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