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14.06.2012

11:16 Uhr

Kommentar

Obama fehlt das Feuer

VonMarkus Ziener

Der US-Präsident steckt in einem Dilemma. Die Schwäche der heimischen Wirtschaft ist nicht sein Verschulden, trotzdem lasten es ihm die Bürger an. Will Obama die Wahl gewinnen, muss er seine Leidenschaft wiederentdecken.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington. Pablo Castagnola

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.

Wieder soll es eine große Rede richten. Und wieder soll es Ohio sein, so wie schon vor den Wahlen 2008 und 2010, als Barack Obama in den amerikanischen Rust-Belt, den industriellen Rostgürtel, zog, um dort eine bessere Zukunft zu versprechen. Heute also wird der Präsident in Cleveland sagen, dass er sich um den Mittelstand kümmern werde und dass er nichts davon halte, den Reichen so lange immer mehr zu geben, bis von deren Tischen etwas für die anderen abfällt. Seine Fans werden Obama dann euphorisch zujubeln, und der Präsident wird für einen langen Moment glauben, dass er den richtigen Ton getroffen hat und dass er am 6. November siegen wird.

Nur: So wird Obama nicht gewinnen. Barack Obama, der 44. Präsident der Vereinigten Staaten, wird verlieren, weil ihm eine Mehrheit der Amerikaner seine Versprechen nicht mehr abnimmt. Er wird verlieren, nicht etwa, weil sein Konkurrent besser ist - denn das ist er mitnichten. Obama wird verlieren, weil er bislang nicht mehr anzubieten hat als ein „Weiter so“. Doch dieses „Weiter so“ ist deprimierend. Es steht für hohe Arbeitslosigkeit, hohe Schulden, es steht für politischen Stillstand und unerfüllte Hoffnungen.

Dass dies so ist, ist zwar am wenigsten Obama anzulasten. Aber es ist dieser Präsident, in dessen Amtszeit genau dies alles geschieht. Und so, wie viele Amerikaner glauben, dass der Präsident im Weißen Haus jeden Morgen die Höhe des Benzinpreises festlegt, genauso werden sie glauben, dass Obama höchstpersönlich an der Arbeitslosenquote dreht und am Schuldenstand. Dagegen ankommen kann Obama jedoch nicht mehr mit neuen Versprechen. Der Mann, dessen große rhetorische Gabe ihn vor vier Jahren an die Macht gebracht hat, muss sich etwas anderes einfallen lassen.

Dabei ist natürlich richtig, dass Obama das Pech an den Hacken klebt. Kein amerikanischer Nachkriegspräsident musste so lange auf die wirtschaftliche Erholung warten. Keiner musste sich mit einer derart auf Obstruktion getrimmten republikanischen Opposition herumplagen. Kein US-Präsident musste für ein großes und richtiges gesellschaftliches Projekt wie die Gesundheitsreform derart Prügel und persönliche Diffamierung einstecken. Und kein Präsident konnte bisher so wenig Kapital aus der Tatsache schlagen, dass er die Sicherheit des Landes gewährleistet und einen Topterroristen und Massenmörder zur Strecke gebracht hat.

Kommentare (4)

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14.06.2012, 11:30 Uhr

Obama ist deutlich frustriert. Vor allem darüber dass er eigentlich mehr oder weniger machtlos ist. Der Präsident ist nur eine Marionette - regieren tun andere. Bush war die perfekte Marionette - er wollte das nicht sein, wurde aber dazu gemacht...das schmerzt.

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14.06.2012, 11:51 Uhr

Nun, er hat einen fatalen Fehler gemacht: Statt auf die Kooperation der Republikaner, Verschuldungs- und Niedrigzinspolitik sowie die Ermunterung der Bürger nach dem Motto "die Krise ist auch ohne große Opfer bald vorbei" zu hoffen, hätte er am Anfang seiner Präsidentschaft in aller Härte (und berechtigt) Bush für die Krise verantwortlich machen und massive Steuererhöhungen für die Reichen durchsetzen müssen. Das hätte ökonomisch vermutlich zwar auch nicht viel geändert, aber eine populistische Basis für seine Wiederwahl geschaffen.

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14.06.2012, 17:31 Uhr

Was würde Ihn von den andern unterscheiden, wenn er nu einfach buschie die schuld ind ie schuhe schiebt? ich denke, dass genau das der Punkt ist warum er gewählt wurde und wird! Er hat es einfach nicht nötig, denn er kann!

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