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15.12.2011

10:27 Uhr

Kommentar

Opels Elektrorevolution ist erst einmal abgesagt

VonFlorian Brückner

Opel hat die Auslieferung des Ampera gestoppt, bis die Brandursachen beim Volt gefunden sind. Das hätte Opel besser früher gemacht - im Interesse der gesamten Autobranche.

Ein strahlender Hoffnungsträger sollte der Opel Ampera sein - nun ist er zum Problemfall geworden. dpa

Ein strahlender Hoffnungsträger sollte der Opel Ampera sein - nun ist er zum Problemfall geworden.

DüsseldorfJetzt also doch. Nachdem Opel erst vor knapp zwei Wochen noch dementiert hatte, den Auslieferung des Elektroautos Ampera auszusetzen, haben die Rüsselsheimer nun genau das getan. Das war absehbar, schließlich wird das Schwestermodell Volt der US-Marke Chevrolet schon seit geraumer Zeit nicht mehr ausgeliefert - bis aufgeklärt ist, warum eines der Elektroautos und mehrere Batteriepacks in Flammen aufgegangen sind.

Mitten in der Markteinführung wegen möglicher Sicherheitsprobleme die Auslieferung eines neuen Autos stoppen zu müssen, ist ohne Frage der Worst Case für einen Autobauer, ganz besonders, wenn er Opel heißt. Die groß angelegte Werbekampagne für den Ampera sollte das traurige Image des permanent kriselnden Autobauers vergessen machen. Nun wird der Ampera regelrecht zum Synonym dafür, dass es bei Opel einfach nicht rund läuft, fast schon egal, was die Rüsselsheimer auch anfassen.

Hämisches Grinsen über die nächste Malaise made in Detroit wird in der Autobranche indes kaum aufkommen. Dafür ist das Thema viel zu ernst. Denn das drohende PR-Desaster um Volt und Ampera hat das Zeug zum Elektroauto-Killer. Selbst wenn noch niemand zu Schaden gekommen ist und sich am Ende herausstellen sollte, dass sich das Problem beherrschen lässt: ein ungutes Gefühl dürfte bei vielen Autofahrern bleiben und eh schon bestehende Vorbehalte gegen die neue Technologie bestärken. Brandgefährliche Fahrzeuge will niemand fahren.

Und deshalb sind Volt und Ampera die erste große Nagelprobe fürs Elektroauto. Wenn General Motors versagt, kann dies die gesamte Branche schädigen. Das ist keineswegs übertrieben. Stichwort: Renault/Nissan. Wie kein anderer Autobauer hat sich die französisch-japanische Allianz dem elektrifizierten Automobil verschrieben. Carlos Ghosn große milliardenschwere Wette hat mit der Causa Volt nun eine neue, bedrohliche Unbekannte bekommen. Welcher Käufer wird letztlich schon zwischen Chevrolet Volt und Nissan Leaf unterscheiden? Elektroauto ist Elektroauto - auch wenn es sich beim Volt im Grunde um einen Plug-in-Hybriden handelt. Die Technik ist zu neu, zu unbekannt als dass der normale Autofahrer technische Unterschiede und Feinheiten groß zur Kenntnis nehmen wird.

General Motors muss die Brandursache schnell finden, eliminieren und möglichst offen und transparent damit umgehen, um nicht unnötige Ängste zu wecken. In den USA ist das dem Autobauer bislang recht gut gelungen. In Deutschland nicht. Opel hätte den Ampera früher zurückhalten sollen.

Rückschlag für Elektro-Auto: Opel stoppt Ampera-Auslieferung

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Nachdem mehrere Chevrolet Volt bei US-Crashtests in Flammen aufgingen, stoppt Opel die Auslieferung des technisch baugleichen Elektroautos Ampera. Mitten in der laufenden Markteinführung ist das ein Desaster.

Kommentare (9)

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Moika

14.12.2011, 15:13 Uhr

Wer das Know-How nicht in den griff bekommt, sollte besser die Finger vom Bau solcher Fahrzeuge lassen.

Das sind eh keine Autos für micht. Die Zeit, um nach 150 KM evtl. stundenlang an der Steckdose zu warten, habe ich einfach nicht.

Account gelöscht!

14.12.2011, 15:56 Uhr

Dann ist evtl. ein Renault Fluence Z.E. das richtige für Sie. Bei dem kann man den Akku innerhalb von 5 Minuten wechseln (an der entsprechenden Akku-Wechselstation). Und man muss nicht einmal aussteigen wie beim Tanken.
http://www.renault-ze.com/de-de/modelle-z.e./fluence-z.e./vorstellung-638.html
Die Wechselstationen werden momentan in Dänemark aufgebaut. Wenn sich das System bewährt, dann könnte es auch nach Deutschland kommen.

Herbert_Sax

14.12.2011, 17:32 Uhr

Es wird keine eindeutige Brandursache geben die man konstruktiv abstellen könnte. Ist der Akku des Ampera voll geladen, sind etwa 12 kWh elektrische Energie gespeichert. Wird bei einem Crash die Batterie gequetscht oder verformt, sind latente Kriechströme zwischen beschädigten Batteriezellen möglich, die mit der Zeit sogar noch ansteigen können und dies auch nach Wochen. Ist eine bestimmte Temperatur überschritten, kann es zu einem "Thermal run away" Effekt kommen, der weitere Zellen schädigt wodurch soviel Energie freisetzt werden kann, dass sich benachbarte Komponenten entzünden. Solch ein Fall ist daher nie auszuschließen und kann auch konstruktiv nicht verhindert, sondern nur unwahrscheinlicher gemacht werden. Übrigens brennen Benzinautos mit moderner Elektronik auch öfter mal wenn sie geparkt sind. Die Ursache sind defekte Kabel, Stecker oder Halbleiter die plötzlich soviel Energie aus der 12 Volt Batterie ziehen, dass das Fahrzeug sogar abbrennen kann wenn die defekte Elektronik brennbare Kunststoffe entzündet. Sehr hoch ist diese Gefahr nach einem Crash. Deshalb sollte nach einem Unfall immer auch die Batterie abgeklemmt werden. Dies hätte man bei Elektroautos nach einem Crashtest, bei denen die noch gespeicherte Energie im Akku ein Vielfaches ist, auch sofort tun sollen und die Batterie auch zusätzlich noch entladen. GM und Opel werden dieses Problem nicht lösen können. Die Lösung ist die Behandlung der Batterie nach einem Crash. Ich sehe daher in diesem Fall kein Grund das Elektroauto deshalb abzulehnen, denn sowas kann bei einem Benzinauto mit viel Elektronikkomponenten ebenfalls nach einem Unfall passieren. Die Presse sollte aufgeklärt werden bevor eine Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit entsteht die nicht erfüllt werden kann.

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