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21.01.2004

07:00 Uhr

Kommentar

Opfer eigener Schwächen

VonThomas Hanke

Florian Gerster scheint den Kampf um die Leitung der Bundesagentur für Arbeit zu verlieren. Noch deckt ihn die Bundesregierung. Doch die Treueschwüre sind schon mit salvatorischen Klauseln versehen: Falls es tatsächlich zu Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe gekommen sein sollte, werde es eng.

Thomas Hanke Ressortleiter Handelsblatt

Thomas Hanke Ressortleiter Handelsblatt

Die Arbeitgeber, bislang eine sichere Bank für ihn, beginnen, von Gerster abzurücken. Die Gewerkschaften sind ihm schon längst spinnefeind.

Er hoffe, dass er bald wieder sachlich arbeiten könne und nicht nur Krisenbewältigung machen müsse, hat Gerster gestern geäußert. Wer das von sich selber sagt, begründet eher den Rücktritt als den Verbleib im Amt. Und die neuesten Vorwürfe, mit denen Gerster sich wegen freihändiger Auftragsvergabe auseinander setzen muss, machen es höchst unwahrscheinlich, dass er die Krise noch bewältigen kann. Zu oft hat er Fehler erst bestritten und dann Rückzieher gemacht, als dass er jetzt überzeugend eine weitere Chance verlangen könnte.

Das Ärgerlichste an Gersters Scheitern: Die Reformgegner in BA und Gewerkschaften werden sich ermutigt fühlen, denn natürlich sind auch sie es, die Gerster zur Strecke bringen, und sei es nur durch Indiskretionen.

Die Betonung liegt allerdings auf „auch“. Denn sein ärgster Feind ist Gerster selbst, nicht nur wegen der Berateraffäre. Wer als erste Amtshandlung verkündet, ein großer Teil seiner Mitarbeiter sei überflüssig, macht aus einer Reform eine Strafexpedition – und damit aus murrenden Angestellten, die gewonnen werden müssen, Heckenschützen, die ums Überleben kämpfen.

Gerster hat auch noch die SPD gegen sich aufgebracht, deren Unterstützung für ihn lebenswichtig ist: durch die Dauerberieselung mit Reformideen, für die er als BA-Chef nicht zuständig war, aber auch mit Einschnitten bei der Weiterbildung. Diese gingen in die richtige Richtung, waren der SPD-Fraktion aber zu hart.

Damit scheitert Gerster auch an der Job-Beschreibung: Er soll die Arbeitsmarktpolitik radikal und sofort, aber möglichst geräuschlos und ohne Ärger bei der SPD-Klientel reformieren, und das am langen Arm der Parteipolitik – eine fast unmögliche Aufgabe. Solange diese so bleibt, ist jeder Nachfolger ein Chef auf Abruf.

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