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13.01.2014

13:41 Uhr

Kommentar

Prokon-Anleger, wacht auf!

VonGertrud Hussla

Über Jahre konnte Prokon seine großzügigen Zinsen nur mit neuem Anlegergeld finanzieren. Damit ist es nun vorbei. Anleger sollten sich auf hohe Verluste einstellen.

Gertrud Hussla ist Redakteurin beim Handelsblatt.

Gertrud Hussla ist Redakteurin beim Handelsblatt.

DüsseldorfBei Prokon ist das Wort Insolvenz ausgesprochen. Doch den Glauben an ihre Investition und die Ideen des Chefs Carsten Rodbertus haben viele Anleger trotzdem noch nicht aufgegeben. Eine Gruppe der „Freunde von Prokon“ will sich dafür einsetzen, dass sich „Prokon prächtig weiterentwickelt“.

Was sie nicht einsehen mögen: Über Jahre konnte Prokon seine großzügigen Zinsen nur mit neuem Anlegergeld finanzieren und hat damit Verluste in mehrfacher Millionenhöhe produziert. Nun häufen sich die Hiobsbotschaften. Erst drängte Rodbertus seine Anleger, ihre Zinsen nicht mehr abzurufen, sondern im Unternehmen zu lassen. Nun sein dringender Brief, kein weiteres Geld mehr abzuziehen, weil sonst die Insolvenz drohe. Seine Appelle scheinen zu wirken. Kündigungen in Höhe von 9,36 Millionen Euro haben Anleger bereits seit Anfang Januar zurückgenommen.

„Carsten Rodbertus genießt aufgrund der Glaubwürdigkeit seiner Person und seines Konzeptes unser vollstes Vertrauen“, schreiben die Freunde Prokons. Aufwachen, kann man vielen Anlegern nur sagen. Auch wenn Anleger auf eine Kündigung ihrer Genussrechte verzichten, ihr Kapital im Unternehmen lassen oder gar neues Geld einschießen: eine Rettung ist höchst unwahrscheinlich. Die Windkraftwerke Prokons liefern zwar Strom, der wird auch ordentlich bezahlt, doch die Einnahmen und der Wert der bestehenden Anlagen reichen nicht, um dauerhaft die versprochenen Zinsen zu zahlen und den Anlegern ihr volles Geld zurückzubezahlen

Windkraftwerke am laufenden Band wollte Rodbertus bauen. Das ist ihm nicht gelungen, zu schwierig ist dieser Markt heute. So hat er aus dem vielen Geld, das Anleger ihm neu anvertraut haben, erst mal die Zinsen bezahlt und es in wenig rentable Projekte wie eine Ölmühle, einen Palettenhersteller oder gar rumänische Wälder gesteckt. Großzügig versenktes Geld. Mit Glück sehen Anleger einen Teil ihrer Investments wieder. Zinsen von sechs oder acht Prozent gehören der Vergangenheit an. Um Geld zurückzufordern, ist es jetzt wohl zu spät. Anleger sollten sich auf hohe Verluste einstellen. Bloß nichts mehr nachschießen!

Kommentare (13)

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Anleger

13.01.2014, 14:14 Uhr

Ach frau Hussla, ich frage mich, woher Sie das alles so genau wissen wollen?
Ich glaube Sie haben das Geschäftsmodell noch immer nicht so recht verstanden.
Allein die von Ihnen als wertlos dargestellten Wälder haben eine gehörige Rendite. Es gibt sogar Fonds, die ausschlie0lich in rumänische Wälder investieren.
Als Prokon-Anleger habe ich derzeit wirklich keine Angst um meine Investments. Geben Sie endlich auf!
Aber am Ende werden wir ja sehen, wer Recht hatte. Damit hat die ganze Sache auch etwas Gutes. PROKON wird dadurch endlich als seriös erscheinen.

lucky_eddie

13.01.2014, 14:44 Uhr

Wenn man sich nun mal überschlägig die Zahlen – von Prokon wie verfügbare Marktdaten – anschaut, dann wird man das grundsätzlichliche Problem, nämlich daß das Geschäftsmodell nicht funktionieren kann, erkennen:

Selbst wenn alles viel besser läuft als selbst Prokon es schreibt* (!), dann verbleiben bei 20 Jahren (a) wirtschaftlicher Nutzungsdauer (der BFH geht von nur 16a aus!) alleine aus (gleichbleibendem – Anmerkung unten) Zins auf das GR-Kapital (6–8% p.a.) und Tilgung (linear, 5% p.a.) ein Mittelbedarf von pa. 11–13% der Invesitionssumme – ohne Betriebskosten und Unternehmergewinn!


Anmerkung; Warum gleichbleibend? Ganz einfach: Unter Annahme, daß das GR-Kapital »im Topf« verbleibt, um neue WEA zu finanzieren – anderenfalls müßte es seitens Prokon (!) Jahr für Jahr entsprechend gekündigt werden.
Anderenfalls: Bei 6% Zins p.a., 20a Amortisation linear und halbjährlichen Raten verbleiben Finanzierungskosten von ca. 73%. Gemittelt auf 20a also 3,65% p.a. Zzgl. 5% Tilgung also 8,65% der Investitionssumme p.a.
(Bei 8% Verzinsung: 102% Finanzierungskosten, gemittelt 5,1% p.a. Zzgl. 5% Tilgung somit 10,1% der Investitionssumme p.a.)
Und das alles ohne Betriebskosten und Unternehmergewinn!


D.h., bei einer Einspeisevergütung von 9,83 Cent/kWh in den ersten 5a, danach 4,87 Cent/kWh (aktuelles EEG) – auf 20a gemittelt 6,11 Cent/kWh – und einer für Onshore-WEA sehr optimistischen Annahme von 2.000 Vollaststunden/a** erlöse ich 122,2 €/kW Nennleistung pro Jahr.

Studien, wie bspw. vom BWE*** wie auch weitere Quellen (bspw. DENA) gehen von Investitionskosten deutlich oberhalb 1.000 €/kW Nennleistung aus. Selbst wenn wir optimistisch auf 1.000 €/kW abrunden und dieses in Relation zum sehr optimistischen Erlös von 122,2 €/kW und Jahr setzen, sollte doch klar sein, daß bei 8,65% bis 10,1% Zins und Tilgung aus obenstehender Rechnung keine Luft mehr bleibt.

– Fortsetzung in Teil 2 –

lucky_eddie

13.01.2014, 14:48 Uhr

– Fortsetzung von Teil 1 –

Und das ohne Betriebskosten (!) – die lt. derselben Studie*** – bei 2,41 Cent/kWh (1.–10. Jahr) resp. 2,68 Cent/kWh (11.–20. Jahr) liegen.

Tut mir leid – aber das Geschäft kann so nicht funktionieren.
Oder, um es mit Steve Buscemi aus »Die Insel« zu sagen: Oh, Mann. Wieso muß ich derjenige sein, der Euch erzählt, daß es keinen Weihnachtsmann gibt.

*Zu den Ertragsdaten der Prokon-WEA einfach mal ein paar durchrechnen aus:
http://www.prokon.net/prokon-transparent/prokon-transparent_uebersicht-zur-ertragskraft.php?id=
**Zum Vergleich: Lt. http://de.wikipedia.org/wiki/Windenergie#Statistik hatte es in 2012 eine mittlere Auslastung von 18,5%. Bei 8766h/a sind das knapp 1.622 Vollaststunden. Über 1.800 Vollaststunden kam man bislang nicht.
***http://www.wind-energie.de/sites/default/files/attachments/press-release/2013/kosten-der-windenergie-sinken-weiter/kostensituation-der-windenergie-land-deutschland-zusammenfassung.pdf

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