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22.02.2012

13:13 Uhr

Kommentar

Putins Großmachtphantasien

VonOliver Bilger

Die Aufrüstungspläne des russischen Präsidentschaftskandidaten sind ein Geschenk an die Sowjetnostalgiker. Politisch ist es ein Rückschritt. Macht definiert sich längst nicht mehr durch die Größe des Waffenarsenals.

Wladimir Putin beobachtet den Start der Rakete „Molniya“ mit einem militärischen Satelliten an Bord in Plesetsk im Jahr 2004. dpa

Wladimir Putin beobachtet den Start der Rakete „Molniya“ mit einem militärischen Satelliten an Bord in Plesetsk im Jahr 2004.

Ein Phantomschmerz plagt Wladimir Putin mit regelmäßiger Wiederkehr. Es ist der Verlust der Weltmachtstellung Russlands. Sein jüngstes Versprechen in der Regierungszeitung „Rossijskaja Gazeta“, über die kommenden Jahre 575 Milliarden Euro in die Rüstungsindustrie zu pumpen, soll nun ein Heilmittel gegen das Leiden sein: Der Premier will, dass Russland in der Rangliste der Großmächte wieder aufsteigt. Doch den einstigen Einfluss des Sowjetimperiums kann sein Land nicht mehr erlangen.

Vor allem deswegen nicht, weil zur Supermacht heute nicht mehr wird, wer am lautesten mit den Waffen klirrt. Es kommt vielmehr darauf an, über eine robuste Wirtschaft zu verfügen, die auch Krisen aushalten kann. Beim letzten großen Crash war in Russland das Gegenteil der Fall.

Oliver Bilger ist Handelsblatt-Korrespondent in Moskau. Alessandra Schellnegger

Oliver Bilger ist Handelsblatt-Korrespondent in Moskau.

Putin versucht, jenen Sowjetnostalgikern zu gefallen, die wie er finden, dass es in militärischen Fragen zu viel Patriotismus überhaupt nicht geben könne. Doch viele Steuerzahler sähen Milliardenausgaben statt beim Militär lieber in der Erneuerung der Infrastruktur, im Gesundheitssystem, der Forschung oder der Förderung des Mittelstandes. Putin hält dem entgegen, die Rüstungsindustrie sei eine Lokomotive, die weitere Wirtschaftszweige in Fahrt bringen könnte. Doch wäre es sicherlich sinnvoller, das Geld ohne Umwege direkt in andere Sektoren zu investieren.

Die These, bei dem Artikel handele es sich eher um Wahlkampfgetöse als um die Ansage eines neuen Wettrüstens, wird auch dadurch gestützt, wie Putin derzeit alte Feindbilder bedient. Schon vor einigen Tagen hat der Regierungschef wiederholt den Westen beschuldigt, die Massendemonstrationen gegen ihn zu unterstützen.

Keine Frage: Der Westen hat in den vergangenen Jahren Fehler im Umgang mit Russland gemacht. Die Nato hätte bei der geplanten Raketenabwehr Moskau enger in ihre Pläne einbinden müssen und Russlands Vorstellung von einer gemeinsamen Sicherheitsarchitektur nicht einfach ignorieren sollen. Russland will von den USA und Europa als gleichberechtigter Partner betrachtet werden. Vielleicht bietet die nächste Amtszeit des Präsidenten – der kein anderer sein dürfte als Putin – die Chance, diese Fehler zu korrigieren. Denn Russlands Konzentration auf die Beziehungen zum Westen ist längst überholt. Der Kreml muss sich anderen Herausforderungen auf internationaler Ebene stellen.

Allen voran das Verhältnis zu Asien. Moskau hat nur langsam erkannt, dass man es dort mit neuen, aufstrebenden Weltmächten zu tun hat. Die geplante russische Gas-Pipeline nach Südkorea ist ein wichtiger Schritt für den Kreml. Gelingt es Moskau nicht, seinen Einfluss in Asien auszubauen, wird es in der Weltpolitik bald nur noch eine Nebenrolle spielen. Selbst der Traum von der alten Größe wäre damit endgültig vorbei.

Der Autor ist erreichbar unter: bilger@handelsblatt.com

Kommentare (9)

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Dialektik55

22.02.2012, 14:34 Uhr

Wenn´s denn so ist das "mit der Größe des Waffenarsenals" kann ja die USA gewaltig abrüsten. Ha, ha, Karneval ist vorbei und man darf immer noch lachen. Wunderbar.

blui

22.02.2012, 14:46 Uhr

Ein Artikel jenseits jeder Realität. Gibt es denn keine Journalisten mehr, die über Russland ohne altbackene Klischees schreiben können?

Dima

22.02.2012, 14:54 Uhr

"Die Nato hätte bei der geplanten Raketenabwehr Moskau enger in ihre Pläne einbinden müssen" Autor lebt in seinem virtuelen Welt. Diese Raketenabwehr ist gegen Russland!

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