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27.06.2012

14:18 Uhr

Die SPD will Betriebsrenten stärker fördern als Riester-Policen. dapd

Die SPD will Betriebsrenten stärker fördern als Riester-Policen.

DüsseldorfWalter Riester mag es schmerzen, was sich derzeit in der SPD-Spitze tut. Denn der ehemalige Arbeitsminister und langjährige stellvertretende Vorsitzende der IG Metall zieht noch heute übers Land, um

für seine Riester-Rente zu werben. Und nun ist es ausgerechnet seine Partei, die mit ihrem neuen Rentenkonzept den Abschied von der staatlichen Riester-Förderung einleiten will.

Statt Riester-Policen, so die Idee der Parteioberen, soll sich in Zukunft die betriebliche Altersversorgung verstärkter politischer Fürsprache und vor allem staatlicher Förderung erfreuen.

Die Details stehen noch nicht fest. Doch die Richtung stimmt. Denn mit 15,5 Millionen seit 2001 abgeschlossenen Verträgen ist diese hochsubventionierte Form privater ergänzender Altersvorsorge nur auf den ersten Blick ein Erfolgsmodell. Erdacht wurde sie, um die aus demografischen Gründen für unvermeidbar gehaltene Absenkung des Niveaus der gesetzlichen Rente auszugleichen. Genau dies leistet sie nicht. Denn bei 42 Millionen Arbeitnehmern heißen 15,5 Millionen Verträge nämlich nur, dass über die Hälfte der Berechtigten gar nicht riestert.

Peter Thelen ist Korrespondent in Berlin.

Peter Thelen ist Korrespondent in Berlin.

Weil von diesen außerdem nur jeder Dritte den Förderrahmen ausschöpft, bleibt nur die ernüchternde Feststellung, dass die Riester-Rente auch nach über zehn Jahren bei über 80 Prozent der Arbeitnehmer keinen oder keinen ausreichenden Beitrag zur Schließung der Versorgungslücke im Alter geleistet hat. Fast noch schwerer wiegt: Untersuchungen zeigen, dass die Renditen der inzwischen 5 000 Riester-Produkte zu wünschen übriglassen. Das DIW kam in seiner Zehnjahresbilanz zu dem traurigen Befund, dass ungeförderte Lebensversicherungen oft mehr abwerfen als Riester-Policen, wenn man die staatlichen Zulagen herausrechnet. Vielfach werde die Förderung von den Provisions- und Abschlusskosten aufgefressen.

Da schneidet die betriebliche Altersversorgung besser ab. So haben die Tarifparteien in der chemischen und der Metall- und Elektroindustrie Versorgungswerke entwickelt, die zielgenau und zu weit geringeren Abschluss- und Verwaltungskosten die Lücke zwischen gesetzlicher Rente und früherem Lebensstandard schließen können.

Sie hat das Lob der Politik und vielleicht auch weitere Förderung weit mehr verdient. Es wäre daher zu wünschen, dass die rentenpolitische Wende der SPD auch Union und FDP ins Grübeln bringt. Deren Pläne für eine Rentenreform sind wohl auch deshalb ins Stocken geraten, weil den Beteiligten langsam klar wird, dass sie beim Bürger durchfallen werden.

Kommentare (10)

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Titus

27.06.2012, 14:47 Uhr

Schön, wenn man keine Ahnung hat, da die betriebliche Altersvorsorge sich für Ottonormalverdiener gar nicht rechnet, da bei Endfälligkeit sowohl Kapitalertragssteuern, als auch der volle gesetzliche Krankenkassensatz fällig werden.
Und ehe jetzt das Argument kommt, daß man das ja reformieren kann,stellt sich die Frage, warum man Riester nicht einfacher machen kann udnd amit wenigstens politische Verläßlichkeit offenbart. Somit bleibt nur eins: Politiker + Journalisten= doppelte Katastrophe.

Dirk

27.06.2012, 15:07 Uhr

Wie schön. Die betriebliche Altersvorsorge soll es richten. Die SPD träumt immer noch von einem Berufsleben von der Schule bis zur Rente in einer Firma. So funktioniert aber das Erwerbsleben nur bei den wenigsten. Die betriebliche Altersvorsorge ist bei häufigen Wechseln des Arbeitgebers kompliziert. Riestern ist eigentlich einfach und für Arbeitnehmer geeignet, die keinem Vollzeitjob nachgehen. Oder die den Arbeitgeber häufig wechseln, z.B. auch Leiharbeitnehmer. Halbtagsjobs u.ä. werden häufig von Frauen mit Kindern getätigt!! Und für die rechnet sich die Förderung im besonderen Maße. Eine betriebliche Altersvorsorge ist denen oft zu sperrig.

Pension-Profi

27.06.2012, 15:47 Uhr

@ Titus, wenn man keine Ahnung hat, sollte man sich Kommentare verkneifen.
Kapitalertragssteuer ist Blödsinn! Am Ende fällt Einkommensteuer an - wie bei jeder in der Ansparphase steuerfreien Vorsorge. Das ist jedoch oft weniger als im aktiven Arbeitsleben, so dass die Steuer am Ende geringer ist.
Viele Arbeitgeber leiten übrigens die eingesparten Sozialabgaben als Zuschuss an die Mitarbeiter weiter, und dann lohnt es sich richtig.

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