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27.02.2014

11:49 Uhr

Kommentar

Ritter von der traurigen Gestalt

VonOliver Stock

Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat für seine Ehre gekämpft und gewonnen. Ein Gewinner ist er dennoch nicht – genauso wie alle Beteiligten in diesem unwürdigen Verfahren.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Er ist der Ritter von der traurigen Gestalt: Christian Wulff hat für seine Ehre gekämpft und gewonnen. Ansonsten aber hat er alles verloren: Frau und Amt, Haus und Hof. Als Staatsmann werden wir ihn nicht wiedersehen, sein Abgang war zu spektakulär, er zog sich zu lang hin, er verstrickte sich in zu viele Wendungen. Als Privatmann aber kann Wulff jetzt wieder aufatmen. Er hat seinen Ruf repariert und nur darum ist es ihm in dieser Posse vor Gericht gegangen.

Drei Lehren bleiben hängen. Die erste: Auch in Deutschland ist sich offenbar kein Gericht und keine Staatsanwaltschaft zu schade, einen politischen Prozess zu führen. Die Aufregung um den Fall Wulff war zu groß, als dass es der öffentliche Ankläger gewagt hätte, den Fall wegen Belanglosigkeit geräuschlos aus der Welt zu schaffen. Auch Wulff spielte da nicht mit. Am Ende war es der Angeklagte, der die Ankläger vor sich hergetrieben hat.

Die zweite: Zum Amt des ersten Mannes im Staat gehört mehr, als das richtige Parteibuch, politisches Gespür und eine schnelle Auffassungsgabe zu besitzen. Der Fall Wulff hat uns allen klar gemacht, dass Werte wie Unabhängigkeit, Klugheit, Verantwortungsbewusstsein auch im Privaten und eine gewisse Immunität gegen Eitelkeit Voraussetzungen sind, die der Kandidat eigentlich mitbringen muss. Sein Nachfolger Joachim Gauck dürfte den Fall genau seziert haben , um nicht in die gleiche Falle zu rennen. Bisher hat er sich gut gehalten.

Urteil: Gericht spricht Ex-Bundespräsident Wulff frei

Urteil

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Das Landgericht Hannover hat Ex-Bundespräsident Christian Wulff in seinem Korruptionsprozess freigesprochen. Dem 54-Jährigen stehe zudem eine Entschädigung zu. Doch der Staatsanwaltschaft bleibt noch ein Joker.

Die dritte Lehre zwingt uns Journalisten auch zur Selbstreflektion. Die Rolle, die wir Medien gespielt haben, wirft nicht das beste Licht auf unsere Branche. Aus einem Anfangsverdacht, der sich bestätigte, wurde eine nationale Hetzjagd auf das Staatsoberhaupt, die auch vor den unwesentlichsten Details nicht halt machte. Aus Vorteilsnahme im Amt wurde so die Bobbycar-Affäre. Wir Journalisten müssen immer wieder aufs Neue entscheiden, wo das öffentliche Interesse aufhört und die Integrität des Privaten beginnt. Der Fall Wulff ist auch ein Beispiel für unsere Lehrbücher.

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Kommentare (10)

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27.02.2014, 12:36 Uhr

Wer klagt jetzt die Staatsanwaltschaft Hannover an. Wegen Verschwendung von Steuergeldern. Ich gehe mal davon aus, dass die Damen und Herren Staatsanwälte ihre Belege selbstgezahlt haben und auch nicht auf ihren Dienstreise eine Currywurst oder Leberkässemmel gegessen haben. Ich bin dafür, dass die Gesetze soweit geändert werden, dass Staatsanwälte und andere Ermittlungsbehörden ihre Reisekosten selbsttragen müssen, wenn sie ihre Verfahren verloren gehen. Entweder bringen sie jemanden hinter Gitter oder sie haben schlichweg schlecht gearbeitet. Oder wollten die Staatsanwälte selbst mal auf Staatskosten nach München und Sylt fahren. Zumal das ganze Theater nur unter den Gesichtpunkt zu sehen ist, dass die linke Presse, die Bundesregierung in Bedrängnis wollte. Ich will nicht wissen, was die BILD-Redaktion alles bezahlt bekommt von der Industrie. Oder wie läuft es da bei Anzeigen-Gegengeschäften?

Account gelöscht!

27.02.2014, 13:26 Uhr

Dieses Urteil freut mich! Der Verlierer ist der Staatsanwalt, er müsste die Gerichtskosten aus eigener Tasche bezahlen. Dagegen müssen wir Steuerzahler für dessen Profilierungssucht aufkommen, in Form der Prozesskosten. Kann man eigentlich Staatsanwälte degradieren?

Account gelöscht!

27.02.2014, 13:47 Uhr

Neben Wulf gibt es viele Fälle wo sich die Anschuldigungen in Luft aufgelöst haben, das Leben des betroffenen Menschen aber restlos ruiniert war.

Wulf, Eva Hermann, Kachelmann, Andreas Türck.... etc etc

Wann zahlt die Presse oder Bild eigentlich Schmerzensgeld oder Wiedergutmachung an die Opfer?

Mit "I'm so sorry" da haben wir uns in der Berichterstattung ein wenig vertan, ist den Opfern nicht gedient.

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