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31.07.2012

14:56 Uhr

Kommentar

Rösler greift in den Giftschrank

VonChristoph Schlautmann

Ein Eingriff in den Briefmarkt wird nur den Verbrauchern schaden und nicht den Wettbewerb verbessern. Dabei hat die Post ohnehin mit Umsatzrückgängen zu kämpfen. Das Internet macht dem Konzern das Leben schwer.

Christoph Schlautmann

Christoph Schlautmann ist Unternehmensredakteur.

Gut 90 Prozent Marktanteil in Deutschland, ein Betriebsgewinn von 1,1 Milliarden Euro - kein Wunder, dass die Briefsparte der Deutschen Post den Regulierungs-Eifer des Bundeswirtschaftsministers weckt. Eine Steilvorlage erhielt Philipp Rösler schließlich schon vergangenen Dezember von der Monopolkommission. "Post 2011: Dem Wettbewerb Chancen eröffnen", so hatten die Kartellwächter ihr Sondergutachten überschrieben.

Doch die Instrumente, mit denen der FDP-Politiker nun den Wettbewerb stimulieren will, stammen aus dem Giftschrank der Staatswirtschaft - mit den üblichen Nebenwirkungen: Sie dürften am Ende dazu führen, dass der Briefversand keineswegs kostengünstiger wird, sondern teurer - zum Nachteil von Kunden, Arbeitnehmern und wohl auch der Steuerzahler.

Denn nach dem Willen Röslers soll die Post Verträge mit Großkunden demnächst vorab der Bundesnetzagentur vorlegen. Nur wenn das Angebot so teuer ist, dass auch Post-Wettbewerber mit ihren Offerten locker mithalten können, dürfte es die Genehmigung geben. Damit, hofft Rösler, sollen bislang kaum rentable Postrivalen wie PIN oder TNT Post am Leben gehalten werden.

Was der Wirtschaftsminister dabei verkennt: Die Briefsparte der Deutschen Post befindet sich in einem weitaus härteren Wettbewerb, als Rösler glaubt. Seit 2006 haben Internet und E-Mail den Bonner Konzern 1,3 Milliarden Euro Brief-Umsatz gekostet. Der Gewinn hat sich in dieser Sparte seither halbiert.

Kommentare (5)

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asasello

31.07.2012, 16:58 Uhr

Traurig, dass sich das HB nicht einmal mehr dafür zu schade ist gegen den freien Wettbewerb zu argumentieren, nur um Rösler und FDP einen mitzugeben.
Warum es ein Vorteil der normalen Kunden sein soll, wenn die Post ihre Großkundenrabatte über ihre quasi-Monopolrendite bei Briefsendungen Quersubventioniert erschließt sich mir nicht im Ansatz.

DERRichter

01.08.2012, 07:48 Uhr

Das Handelsblatt hat hier vollkommen recht. Es ist ein Unding eine Firma zu höheren Preisen zwingen zu wollen nur damit die Konkurrenz überleben kann. Das ist nicht
einmal mehr Marktwirtschaft. Und im klassischen Briefmarkt braucht sich der normale Privat-Kunde von der privaten Konkurrenz der Post sowieso nichts erwarten, denn die schielt nur auf den Großkundenmarkt. Der FDP geht es in dieser Frage gar nicht um Wettbewerb der gut für die Masse der Verbraucher ist, sondern darum die Privatkapitalisten, die als Geldgeber hinter der Postkonkurrenz stehen, zu hätscheln und zu tätscheln. Als FDP-ler weiß man ja was man seinem Klientel schuldig ist. Die FDP ist eben nur noch die entehrte Hure der Hochfinanz. Das normale Volk darf dabei dann unter soviel FDP-Säuigkeit kräftig leiden.

Peter

06.09.2012, 21:37 Uhr

Wie lange können wir uns eigentlich noch eine solche Pflaume als Wirtschaftsminister erlauben? Das wird ja von Mal zu Mal peinlicher!

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